Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447332--05530-2461042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

704 verwittwete Frau S. Sabulowitz ihren, während der Sommermonate Königsberg stark besuchenden ehemaligen Landsleuten mitten im Garten ihres Hauses auf eigene Kosten bat ausbauen lassen. Herr Canior H. Weintraub vollzog in dem freundlichen Bcthause die übliche Liturgie. Derselbe wirkte auch mit feinem renommirten Quartett beim Dankgottesdienste mit, den unsere Fremden aus d^m östlichen Nackbarlande auf Veranlassung des angesehenen Kaufmanns Hrn. Samuel Slobotzti aus Sintzien für die Rettung des russischen Kaisers aus der Mörderhand in Paris seiner Zeit hier veranstaltet haben, und dem auch die hiesigen Generalkonsnle Frankreichs nnd Rußlands sammt ihren Sekretairen beiwohnten. — Der vor drei Zähren hier verstorbeneKansmann Eduard Pvllack (ältester Sohn der bereits nach Berlin übergesiedelien ehrwürdigen Matrone Frau Deborah Pollack) hat eine sehr weithvolle und äußerst seltene Münzsammlung hirtterlasjen, welche von einem Fachkenner katalogisirt, nunmehr zum öffentlichen Verkauf aussteht. Die Sammlung, ans etwa 800 Stücken bestehend, enthält ältere und neuere, europäische, orientalische und amerikanische Münzen von Gold, Silber und Bronce. Die Cache dürfte für die jüdische Wissenschaft ebenfalls ein außerordentliches Interesse haben. — Unsere berühmten Königsberger Glaubensgenossen, die Abgeordneten des preußischen Landtags und vielbeschäftigten praktischen Aerzte Dr. R. Kosch und Dr. I. Ja coby haben die ihnen angebotenen Mandate zum norddeutschen Reichstage abgelehnt. Zn demselben sitzen daher nur gegenwärtig zwei Juden : Assessor Lasker aus Berlin nnd Baron Rothschild aus Frankfurt a. M. Die früheren zwei anderen Mitglieder desselben, Dr. Nöe aus Hamburg und Commerzienrath L., Reichenheim sind nicht wiedergewählt worden. Bei dieser Gelegenheit muß ich Ihnen von unserm Johann Jacobi ein interessantes Curiesium erzählen, dienlich traf ich mit ihm in einer politischen Gesellschaft zusammen, — da redete er mich zum Erstaunen der Nachbarn also an: „Können Sie mir nicht sagen, lieber Dcctcr, auf welchen Tag nach christlichem Datum im Jahre 1759 S chusch an - Purim siel?" Ohne nach der Ursache dieser rälhselbaften Frage zu forschen, versprach ich ihm eine baldige Antwort, die ich ihm auch in der That nach einigen Tagen brieflich zusandte. Der gesuchte Tag war, wie ich herauscalculirte, Mittwoch, den 14. März 1758 — Dp'pn "HK V'u Ich vermuthe, daß das Datum für einen Grabstein seines seligen Vaters bestimmt ist. Näher ausfragen mochte ich den schweigsamen Mann nicht. — Anfangs des verflossenen Monais Juli machte Schreiber dieses als simpler Berichterstatter für die „Königsberger Hartungsche Zeitung" die vom hiesigen kaufmännischen Verein unternommene Spazierfahrt nach der Nackbarstadt Elbing mit, wo er einst als junger Theologe und Gastprediger verweilte und so überaus freundlich ausgenommen ward. (D’nyn ruro ira) Diese schöne Gemeinde, erfuhren wir da, ist noch immer ohne Geistlichen und wird auch so bald keinen besitzen. Alles hat da noch einen echt patriarchalischen Anstrich. — Die oben genannte Zeitung berichtet aus Insterburg über einen eigenihümlichen Nachdrucks - Prozeß wider den jüdischen Buchdruckereibesitzer im vstpreußischen Städtchen Pillkallen, der in erster Instanz zu einer hohen Geldstrafe berurtheilt, nunmehr in Folge eines vom hiesigen Literaten Dr. M. Freystadt abgegebenen wissenschaftlichen Gutachtens vom dortigen AppellationSgerichtshofe völlig freigesprochen wurde. Das incriminirte, mit neuen Anmerkungen wieder aufgelegte Werk war der „Machlul" von David Kimchi und die juridische Seite des Gutachtens gründete sich aus 1023. des Allg. Preuß. Landrechts (Theil I. Tit. 2). — Der im Lycker „Maggid" öfters erwähnte Gaukler und Schwindler Hirsch Dänemark, welcher in Rußland so viele leichtgläubige Thoren unter unfern Glaubensgenossen fand, war vor geraumer Zeit auch einmal hier in Königsberg, wo er als Hellseher und Allwisser seinen HocuSpocus trieb. Wir suchten damals, wie wir uns erinnern, feine Staunen erregenden literarischen Kunststücke auf ein ganz bescheidenes Maß zu redueiren. Seitdem hat er sich bei uns nicht mehr blicken lassen. — Wir empfahlen letztes Frühjahr dem ehrwürdigen Oberrabbinate zu Altona die kleine Nachbargemeinde Wartenburg, welche eine eigene Synagoge zu kauen beabsichtigt, zur gütigen Berücksichtigung resp. Unterstützung. Wir thun dies nochmals zu Gunsten der orthodoxen aber sehr dürftigen Gemeinde — an der Schwelle des neuen Jahres, nr6sm nms1? «an — und rufen allen unseren Freunden zu: uran naiö nM?l M. Almoni Gumbinnen, im dft« Auch in unserm Regierungsbezirke wurde ein Israelit bei der Weltausstellung in Paris mit der broncenen Medaille beehrt. Herr B. M. Weinstein, Besitzer einer sehr bedeutenden Flachsspinnerei in Insterburg, verdient auch diese Auszeichnung für sein Fabrikat und wir freuen uns deren um so mehr, als er das Etablissement mit bescheidenen Mitteln selbst gegründet und durch seine Energie und Umsiät schnell in Flor gebracht hat. Das umfangreiche Fabrikgebäude mit dem stattlichen Wohnhause des Besitzers umfaßt ein bedeutendes, hock gelegenes Terrain in der Nähe der Stadt und gewährt, wegen seiner Lage am Flusse, einen herrlichen Anblick. Doch folgst du, mein Leser, dem Herrn Weinstein in das Innere seines gastlichen Hauses, so findest du neben einer ebenso glänzenden als geschmackvollen Einricktung, ein Bibliothelszimmer, die besten Werke der Wissenschaft und Belletristik enthaltend und nebenan ein — Beth hamrnidrasch mit o"to;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.