Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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703 In der Erwiederung bankte Herr Pleßner '"2 und hob dann hervor, wie erfreulich es sei, daß bei dem Herrn Gastgeber nicht blos der gepflegt werde, was doch bei seinem fast die ganze Zeit in Anspruch nehmenden Berufe gewiß schon die größte Anerkennung verdiene, sondern auch die Ausübung den Regeln der Theorie gemäß erfolge, worauf Herr Pleßner, gestützt auf den Ausspruch unserer Weisen: np'p tsmon n^jfon vbx besonder« Nachdruck legte. Das nun, l. Leser, ist es, was ich eben als erfreuliches Znchen des Gottlob hier noch herrschenden religiösen Geistes be zeichnete; denn wie Herr Cassel giebt es .->"2 hier noch Manchen, der neben seinem bürgerlichen Berufe noch Zeit findet, dem mirv(Stubtum zu leben! □ Berlin, 25. Sept. Eine anonyme Druckschrift mit dem Poststempel Köln ist den Mitgliedern des norddeutschen Reichstags zugegangen in welcher gewünscht wird, „den Juden und Lichtfreunden die staatsbürgerlichen Rechte zu entziehen." — (Amalek lebt noch immer!) □ Frankfurt a. M., 22. September. Der berühmte Münchener Umversitätsprofessor und Direktor der Hofapotheke vr. Max von Pettenkofer hat sich in der hier abgehaltenen 41. Versammlung der Naturforscher, die von mehr als 500 Personen besucht war, sehr lobend über die mosaischen Absonderungsgesetze (bei ansteckenden Krankheiten) und Anordnungen über Desinfektion (Vergl. III. B. M. 14, 4—9.) ausgesprochen.!v"n D»n yy wn nun ^Magdeburg, 18. Septbr. Wie gerade die Resormhelden, die sich doch sonst so gern mit dem Glorienschein aller Tugenden der Menschenliebe umgeben, nrcht anstehen, aus niedern -Gründen des Ehrgeizes die Ehre und den guten Ruf Anderer auf die schimpflichste Weise zu verdächtigen, möge wieder einmal Nachstehendes zeigen. Zur Rechtfertigung des Herrn Vr. Güdemann, dessen aufrichtiges Bestreben um die Hebung des religiösen Lebens in hiesiger Gemeinde in mehreren jüd. Blättern in Zweifel gezogen wurde, sagt Herr vr. Rahmer in der „Gegenwart" unter Anderem, daß Herr vr. G. jedenfalls das Verdienst habe, die hiesige Gemeinde aus langjährigem, religiösen Indifferentismus gewcket zu haben. In diesen Worten sieht Herr vr. Philippson eine indireete Beleidigung seiner Persönlichkeit und erläßt in Nr. 35 seiner Zeitung eine Erklärung, in welcher er seine beiden Herren Nachfolger mit den absurdesten Invectiven tractirt, die gerade darauf hinzielen sollen, diese Herren in ihrem Amte auf das Aeußerste herabzuwürdigen. Aber der Stachel richtet sich diesmal gegen den, der ihn gebrauchte. Die ganze Gemeinde, welche den tiefbeleidigten Herren jedenfalls eine höhere Achtung und ein größeres Vertrauen zollt, als Herr vr. Ph. vorauszusetzen schien, hat diese Erklärung mit der tiefsten Entrüstung ausgenommen und wie man hört, soll der Vorstand beschlossen haben, an ihren Herrn Verfasser die Aufforderung zu richten, sie zurückzunehmen, im widrigen Falle andere Mittel der Entkräftung in Anwendung zu bringen. — Neben obigen Beleidigungen läßt Herr vr. Ph, um seine Person in ein desto helleres Licht zu stellen, ein Verzeichniß aller Anstalten folgen, die in hiesiger Gemeinde unter seiner Amtirung und Mitwirkung ins Leben gerufen wurden, als „das regelmäßige (?) Predigeramt, die geordnete (?) Religionsschule, die Consirmation, die große Synagoge, das Gemeindeinstitut, den wohlgeordneten Begräbnißplatz, eine Leichenbegängnißordnung, den durch Chorgesang deutscher Lieder, Streichung von Piutim verbesserten Gottesdienst, die feierliche Trauung in der Synagoge ff." Wir wollen ihm durchaus nicht diese hohen Verdienste abstreiten, vielmehr zur Ergänzung noch der unter ihm eingeführten, später aber in Mißkredit und außer Praxis gekommenen Orgel erwähnen. — Wir geben ihm auch darin Recht, wenn er sagt, daß, wenn Einiges von dem Eingeführten die Gemeinde nach seinem Abgang wieder verlor, es nicht seine und der Gemeinde Schuld war. Würde sich aber Jemand die Mühe geben, ein Verzeichniß alles dessen aufzustellen, was unter seiner langjährigen Amtsführung nicht geschaffen und veranstaltet wurde, ja sogar in Verfall gekommen ist und was eine jüdische Gemeinde als solche nothwendig unerläßlich besitzen muß — der Vergleich würde sehr schmerzlich und niederschlagend für ihn ausfallen. Königsberg, 17. Septbr. Eine langwierige Kränklichkeit hielt Ihren früher» treuen Berichterstatter mehrere Monate vom Briesschreiben ab. Doch nun beim Ablauf des alten Jahres nehme ich alle meine Kräfte zusammen, um Ihnen wieder mittheilungswerthe Nachrichten zuzusenden. Aber womit soll ich eigentlich anfangen? Die hiesigen jüdischen Verhältnisse sind nicht zehr erquicklich. Alle ehrwürdige Gebete in der Synagoge werden allmählich abgeschafft, die fremden polnischen Juden sucht man von der deutschen Mikwa fern zu halten: endlich nimmt die Taufe wieder unter Israels reichen, überbildeten Töchtern überhand. — Ob wir auch, wie es heißt, mit einer neuen Synagogen-Ordnung werden beglückt werden, weiß ich nicht recht. So viel weiß ich aber, es geschieht alles Mögliche, um dem gesetzestrenen Israeliten schließlich den öffentlichen Gottesdienst zu verleiden und die sogenannten Reforniirten doch nicht an denselben zu fesseln. Diese kündigen auch bereits für die hohen Festtage ihren deutschen Entrö - Cuttus an, der seinerseits schon der Wohlfeilheit wegen von Indifferenten besucht sein wird. — Unlängst fand hier die Einweihung einer zweiten russisch-polnischen Synagoge statt, welche die fromme