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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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702 die Prüfung politischer Gegenstände. Geben wir auch nicht einmal dem Schmerz Ausdruck, den wir Alle so schwer empfunden bei der Lostrennung eines Gebietstheiles von unserem geliebten Vaterlande Bayern. Wo Sprechen keinen Werth hat, dürfte Schweigen Klugheit sein. — Wenn auch äußerlich eine Schranke gezogen ist, im Herzen sind wir gleich, und das ist die rechte Schranke, die sich von selbst zieht. Wir sind UM ein Stück Erfahrung reicher geworden, benützen wir dieses zum Heile unseres Berufes. Besitz und Genußsucht — liebäugeln wir nicht mit diesen Götzen der Zeit, beugen wir nicht das Knie vor seinen Dienern! Halten wir hoch unsere viel durchstürmte Fahne, deren Devise ist: Gott und Seine heilige Lehre in der festen und Alle durchdringenden Ueberzeugung, daß das Gute früh oder spät zum Siege führt, und gleich dem Landwirthe, der, indem er seinen Samen dem Schooße der Erde anvertraut, hoffnungsvoll in die Zukunft blickt, so lastet auch uns bei der sorgfältigen Pflege der uns anvertrauten jungen Pflänzlein, vertrauungsooll für die Zukunft arbeiten und beten. Das Thema, das zur Besprechung kam, war: „Nachdem die hebräische Sprache zur Zeit der Abfassung der noch bei uns bestehenden Gebetformeln aufgehört hatte, Volkssprache zu sein, warum wurden dieselben in hebräischer Sprache abgesaßt?" Als Gründe dafür wurden angegeben, 1) weil die hebräische Sprache mehr als andere Sprachen zur religiösen Erhebung sich eignet, indem sie keine im Dienste des Irdischen und Gemeinen stehende Sprache ist; 2) weil der Jsraelite dadurch gezwungen ist, die hebräische Sprache zu erlernen, und so zum rechten Verständniß seiner heiligen Urkunden gelangt; 3) weil die hebräischen Gebete vermöge ihrer eigenthümlichen biblischen Ausdrücke und ihres traditionellen Inhaltes mit der Religionslehre in engster Verbindung stehen, und dadurch ein Mittel zur Bewahrung derselben geboten rft, und endlich 4) weil dadurch dem fremden Israeliten, der die Landessprache nicht versteht. ein gemeinschaftlicher Gottesdienst ermöglicht ist, was bei Israels Zerstreuung besondere Rücksicht verdient. Berlin, 22. September. Unter Ihren Mittheilungen aus Berlin nahmen seit schon sehr langer Zeit die Streitigkeiten über die Rabbincrwahl die erste Stelle ein, die für den strenggläubigen Israeliten um so unerquicklicher sein müssen, als der dabei in Aussicht genommene „Geistliche" bekanntermaßen nicht dazu angethan ist, dem hier herrschenden religiösen Indifferentismus zu steuern und Berlin auf bessere Bahnm zu leiten. Und doch bei all dem schlimmen Rufe, den B. hat und den es gewiffermaßen auch verdient, läßt sich doch nicht abstreiten, daß es hier n"y2 noch viele gute Elemente giebt, die nur eines geeigneten Führers ermangeln, um den sie sich schaaren könnten, und es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Rabbiner, der das positive Iudenthum auf seine Fahne schriebe und der mit dem erforderlichen Wissen die nöthige Thatkraft verbände, hier dieselbe Wirkung Hervorbringen konnte, wie sie in andern Srädten z. B. in Frankfurt a. M. und Mainz hervorgerufen wurde. Als Beweis mag folgende Thatsache dienen, die freilich unter andern Verhältnissen und in einer andern Stadt sich weniger zur Mrttherlung eignen würde. Seit 14 Tagen weilt nämlich ein im Dienste des wahrhaften Iudcnthums ergrauter Kämpe, Hr. Pleßn er ’"J aus Posen, hier, der hier die Hochzeit seines jüngsten Sohnes feierte und am N»n '2 's n2t? vor einem dicht gedrängten Publikum im Kmon rv2 einen Vortrag hielt, an dessen jugendlichem Feuer und hinreißender Beredsamkeit man nicht den hochbejahrten Greis erkennen konnte, aus den sich der Ausspruch anwenden läßt (D’jp?]’□):;njn pjptö&y bi . . . rron ’jpr WQ' -pw nosn O'L"L"2 : (2"' 21\x) ’JV s.l'bp '2p'3>2 mnnl Im zu Ehren beging Herr Cassel (HotelsBesitzer am neuen Markt), der vorgestern am 5122? 'nsid *on '2 's den Tractat rVp’üD beendigt, den üvd darauf in festlicherer Weise als dies vielleicht sonst geschehen wäre. Hr. Cassel vereinigte nämlich zu dieser religiösen Feier, außer den Gliedern seines eigenen Hauses und einigen wenigen specielleren Freunden, hauptsächlich die ganze Familie Pleßner, deren sämmtliche Angehörigen (meines Wissens) hier ansässig sind. Daß es hierbei nicht an Toasten fehlte, läßt sich denken und kann ich mir nicht versagen die Talmudstelle, die Herr Cassel in gelungener Weise auf seinen verehrten Gast als Toast ausbrachte, hier m'tzutheilen; die Stelle sindet sich im Tractat rvoyn 5 b und lautet: „Als R. Nachman von R. Iizchak Abschied nahm, bat er ihn um seinen Segen; jener aber erwiederte ihm mit einem Gleichnisse: Ein Mann ging in der Wüste hungernd und dürstend und müde; als er plötzlich einen Baum fand voll süßer Früchte, einen kühlen Schatten um sich her verbreitend und von einer Wasserquelle umrauscht; er aß von seinen Früchten, trank von seinem Wasser und saß in seinem Schatten. Zum Aufbruche sich anschickend sprach er: Baum, womit soll ich dich segnen? Soll ich deinen Früchten Süßigkeit wünschen? sie sind ja süß; soll ich dir kühlenden Schatten erflehen? du hast ihn schon; soll ich Dir eine sprudelnde Quelle erbitten? schon rauscht sie zu deinen Füßen. So möge dir Gott vergönnen, baß alle Reiser, die man von dir pflanzt, dir gleichen mögen! Dem Baume gleichst du, sprach R. Jizchack; denn womit soll ich dich segnen? Mit rmn? du hast sie; mit Reichthum? du besitzest ihn; mit Kindern? sie blühen dir. Was bleibt mir noch! Nur das, daß deine Nachkommen so werden mögen wie du!

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