Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 41-42 (10.10.1867)
- Date
- 1867-10-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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701 nicht überwunden; noch befindet sich der Ring an seinem Finger, aber manchmal lockert sich derselbe bereits. Wird der Prinz den Ring festzuhalten wissen, wird er mit diesem am Finger zurückkebren zu seinem Pater, dann wird das herrlichste Loos ihm beschieden sein. Ziebt er ihn aber ab, so geht er neuen Leiden entgegen, bis diese ihn wieder derart geläutert haben, daß er den Werth des Ringes nie mehr vergißt. — Du aber, lieber Leser, hast gewiß schon die Deutung der Parabel gefunden. Du weißt es bereits, daß der König kein Anderer ist denn Gott, der Könige König, und der Königssehn ist Israel, von dem Gott gesprochen: „Mein erstgeborner Sohn ist Israel." Der kostbare Ring aber, der wundervolle Talisman, der vor allen Gefahren schützt und aus allen Nöthen rettet, der die Sünde fern hält und das Gute vollbringen heißt: das ist die Thora, mit der wir uns freuen am Simchath Thora, die — gleich einem Ringe — am genannten Tage zu Ende gelesen und neilbegonnen wird. Da unsere V'ter die Thora nicht festhielten mit Herz und Hand, sondern sie in der Schatzkammer unbenutzt liegen ließen, überkam sie Unglück auf Unglück; sie hörten nicht aus die Propheten, die Gott sandte, wurden aus der Heimath vertrieben — aber sie retteten sich die Thora. Da sie von ihr nicht lassen wollten, wurden sie dem Feuer und dem Wasser und der Knechtschaft preisgegeben; aber die Thora erhielt sie kräftig. Jetzt jedoch haben wir eine neue Probe zu bestehen. Niemand hindert uns, der Thora zu leben, Niemand zwingt uns, von ihr zu weichen; o, mögen wir nie von ihr lassen, bis daß uns wieder in Gnaden aufnimmt unser Vater im Himmel! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u t f cf? £ a rt {/. □ München, 27. Sept. In seiner letzten Sitzung hat der Socialgesetzgeburgs - Ausschuß der Kammer der Abgeordneten den Artikel 21 vom III. Abschnitt, welcher vom Armenpfiegschafts-Nath handelt; — des Gesetzentwurfs über die öffentliche Armenpflege — in der nachstehenden Fassung angenommen: Art. 2l. Der Armenpflegungsrath soll bestehen: I. In Gemeinden mit magistratischer Verfaffung: 1) aus dem (ersten) Bürgermeister, 2) aus den vom Magistrate abgeordneten Magistratsräthen 3) aus den vom Collegium der Gemeindebevollmächtigten abgeordneten Mitgliedern dieses Collegiums, 4) aus den sämmtlichen Pfarrvorständen, und den Cultusvorständen der israelitischen Gemeinden 5) aus einer entsprechenden Anzahl besonders gewählter Armenpstegschifftsräthe, 6) auS dem Bezirksarzte, u. s. w. II. In den übrigen Gemeinden I) aus dem Bürgermeister, 2) aus dem Beigeordneten; 3) auS dem vom Gemeindeausschuffe abgeordneten Gemeindebevollmächtigten, 4) aus den sämmtlichen Pfarrvorstöndkn der Gemeinde und dem Cultusoorsteher der isr. Gemeinde, 5 u. 6 wie oben. Ter Armer.pflegschaftsrath ist ferner berechtigt, sich aus den Vorstehern der in der Gemeinde bestehenden Privatwohlthätigkeitvereine zu verstärken.- Zu dem durch die beiden Eollegien (des Magistrats und der Gemeindebevollmächtigten) gewählten Ausschüsse zur Bestimmung der Gcwerbfteuer wurde auch ein Jsraelite gewählt, Herr David Uhlfelder sen. von hier. — Bei der hiesigen freiwilligen Feuerwehr befinden sich auch zwei Israeliten;" beim Beginn der öffentlichen Thätigkeit der ersteren wurden auch in hiesiger Synagoge Gebete für dieselben abgehalten, und hiezu in sehr treffender Weise Ps. 86 gewählt. — Bei der mso na seines Sohnes hat Herr Hausbesitzer Leopold Späth ein sehr gut geschriebenes und mit vorzüglich schönem vup 'da versehenes Sefer in die Synagoge gegeben. — □ Kitzingen, 29. Sept. Es sind gerade hundert Jahre, daß die Juden aus Kitzingen, angeblich und verläumderisch beschuldigt, die Brunnen vergiftet zu haben, vertriebe« und ihrer Habe beraubt worden sind. In hochherziger Weise hat nun der hiesige Magistrat den fitzt hier ansässigen Israeliten mit vielem Auswande ein Lokal als Betsaal eingerichtet und damit bewiesen, daß er, der alten ungegründeten Vorurtheile abhold, die Fehler der Ahnen wieder gut zu machen und zu sühnen sucht. Die Einweihung des Betsaales wurde am 20. ds. durch Rabbinatskandidaten Adler vollzogen, und durch eine ausgezeichnete, sehr treffende Predigt verherrlicht. Der ganze Akt war ein erhebender Moment, und wurde von vielen der nicht - jüdischen hiesigen Einwohner mit innigem Gefühle getheilt. Möge dies schöne Werk durch Eintracht und gegenseitige Liebe gekrönt werden J — Von der Rhön Herr Distrikts-Rabbiner Wormser von GerSfeld hielt am 26. August d. I. eine höchsten Orts anbefohlene Schullehrerkonferenz. Bevor zur Besprechung des gegebenen Themas geschritten wurde, hielt der Vorstand nachstehende Ansprache an die versammelten Lehrer: Daiay 'n Euch Allen Gott zum Gruße! Im vorigen Jahre haben wir wegen der unglückseligen Kriegsverhältniffe keine Konferenz gehalten. Wenn auch in dem Diener der Religion nicht der ganze Mensch aufgeht, und er als Bürger des Staats, als Glied der sittlichen Gemeinschaft bei deren Wohl und Wehe nicht kalten Herzens bleibt, — immerhin bleibe fern von ihm