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Der Israelit · 1867-10-10 · Heft 41-42 (10.10.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 41-42 (10.10.1867)
Date
1867-10-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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700 teuer» der Jagd, von den wunderbaren Genüssen der die Dämme der Gesetze durchbrechende» Liebe, von all dem Reizenden und Herrlichen, waS sich d e m Menschen bietet, der ungehemmt die Zügel der Leidenschaften schießen lassen kann; und des Prinzen Herz ward lüstern, und er verabredete mit seinen Freunden, daß sie sich gemeinsam hingeben wollten den Lustbarkeiten, die Macht und Reichthum zu schaffen im Stande sind. Aber der Ring am Finger des Prinzen hielt ihn zurück, sobald er die Hand ausstrecken wollte nach einer verbotenen Frucht. Da zog er den Ring ab und bewahrte ihn gut auf und that ihn in seine Schatzkammer. Jetzt hinderte den Prinzen nichts mehr, so leichtsinnig zu verfahren wie seine Freunde Alle und wie sein Gemüth es begehrte und sein Herz es wünschte. Recht und Gesetz wurden durchbrochen, die Regierungsgeschäfte wurden vernachlässigt, und Sünde und Frevel und Gewaltthat und Bedrückung herrschten bald im ganzen Lande. Mt Betrübniß hörte der König das Treiben seines Sohnes; er sandte einen treuem bewährten Diener, daß er den Prinzen ermahne und ihn veranlasse, den Ring wieder zu tragen. Als der Diener des Königs seine ernste Botschaft ausrichtete, da ward der Prinz ergriffen von der Wahrheit der Worte und legte den Ring wieder an. Aber bald trat die Versuchung auss Reue an ihn heran, und der Ring wandelte wieder in die Schatzkammer, und das alte Treiben begann ärger denn zuvor Und wiederum schickte der König Boten auf Boten; allein ihre Worte verhallten ohne Eindruck zu machen; später ließ der Prinz die Boten des Vaters gar nicht mehr vor sich kommen. Er schwelgte im Genüsse und meinte, es könne nie anders werden. Eines Tages drang ein feindliches Heer über die Grenze; denn die Grenze war unbewacht, und der Prinz lebte nur dem Genüsse und hatte für nichts Anderes Sinn. Siegreich drangen die Feinde vor; bald erreichten sie die Hauptstadt, eroberten sie und verbrannten sie, und auch der Palast des Königssohnes ward ein Raub der Flammen. Der Prinz rettete mit Mühe nur das Leben, und den Ring, den er eilig aus der Schatzkammer geholt hatte, da schon die Feinde eindrangen. Es gelang ihm, einen nahen Hafen zu^erreichen, wo ein gerade zur Abfahrt bereitstehendes schiff ihn aufnahm. Während der Fahrt hatte der Prinz Zeit, über seine Thorheit nachzudenken. Er schämte sich, zum Vater zurückzukehren, dessen Mahnungen er verlacht hatte. Oft war er in Verzweiflung und wollte sich in die Fluth stürzen; aber der Ring an seinem Finger hielt ihn zurück. Schon war das Ziel der Fahrt fast erreicht, da kamen Seeräuber und kaperten das Schiff, und auch der Prinz wurde gefangen genommen und als Sclave verkauft Eine schöne Königin kaufte ihn und fand Gefallen an ihm und sprach zu ihm: „Komm, bete meine Götter an, so will ich dich befreien aus den Sclavenbanden und will dich zu meinem Gatten erheben und du sollst sein der König des Landes!" Die Versuchung war groß; allein der Prinz schaute auf den Ring an seinem Finger und sprach: „Ich will nicht untreu werden meinem Gotte." Da entbrannte die Königin in Wuth; sie ließ einen Scheiterhaufen errichten und befahl, den ungehorsamen sclaven zu verbrennen. Allein die Flammen versengten nur seine Kleider; der Prinz selbst blieb unversehrt. Da ließ ihn die Königin ins Wasser werfen; aber das Wasser verschlang ihn nicht; der Ring hielt ihn oben. Als die Königin sah, daß sie den Prinzen nicht tödten konnte, da beschloß sie, ihn zu beschämen und zu peinigen. Er mußte harte Arbeit verrichten, mußte abgesondert wohnen von aller Welt, an seinen Kleidern mußte ein gelber Fleck ihn kenntlich machen, damit Alles ihn verhöhne und verspotte. Vieles, Vieles mußte da der arme Königssohn erdulden; oft blutete sein Herz; allein, sobald er auf seinen Ring blickte, wuchs ihm aufs Neue der Muth, gewann er Kraft, Alles, Alles zu ertragen, kehrte die süße Hoffnung wieder bei ihm ein. Und man erzählte der Königin von dem ungebrochenen Muthe des armen Gequälten. Da versammelte sie die Weisen ihres Reiches und fragte sie, wie man diesen Fremden bändigen könne. Da sagten die Weisen: „Er trägt einen Ring am Finger; das ist ein Talisman, der ihn schützt. Nimm ihm den Ring, und er wird schwach werden wie ein anderer Mensch." Und die Königin ließ den Fremden kommen und befahl ihm, den Ring von seinem Finger zu ziehen; er aber weigerte sich. Da gebot sie ihren Dienern, den Ring gewaltsam zu nehmen; aber sie vermochten es nicht. Da befahl sie, ihm den Finger abzuhacken; aber kein Messer war scharf, kein Beil gewichtig genug, um das zu vollbringen. Erstaunt sahen die Weisen das Wunder; da trat einer von ihnen vor und sprach: „Königin, nicht gewaltsam entfernst du den Ring. Freiwillig muß er ihn von sich thun, dann ist er dir verfallen." Und freundlich nahte sich die Königin dem armen Dulder und nahm ihm die Fesseln ab und erlaubte ihm, sich schön zu kleiden, und zu wohnen, wo er nur wolle, und Aemter und Würden und Schätze und Kostbarkeiten zu erringen. Und der Prinz? Noch hat er diese Versuchung

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