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Der Israelit · 1867-10-02 · Heft 40 (2.10.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 40 (2.10.1867)
Date
1867-10-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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694 Donaufürstenthümer. Bukarest, im Sept. Seit Kurzem steht es fest, daß die Ministerkrisis für die radikale Partei glücklich vorübergegangen ist. Es hat zwar ein Wechsel in Bezug auf einzelne Personen stattgefunden, welche den verschiedenen Departements als Minister vorstehen, aber die Partei der sogenannten Demokraten hat die exekutive Gewalt in der Hand behalten und ihre Prinzipien haben keine Veränderung erlitten. Der Judenverfolger Johann Bratiano ist zwar nicht mehr Minister, aber er ist der Herr und Minister der Minister, welchen sein Wille als alleinige Richtschnur dient. Golesco, welcher niemals etwas Anderes gewesen sei, als ein Werkzeug von Bratiano und Rosetti, hat das Präsidium über den Ministerrath erhalten und zugleich das Departement des Aeußeren mit dem Departement des Innern vertauscht. An seiner Statt wurde Alexander Teriakiu zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Derselbe gehört ebenso, wie der neue Justizminister Anton Arion zu den entschiedensten Partisanen der dunkelrothen Partei. Nur der neue Finanzminister, Herr Ludwig Steege, erfreut sich einer gewissen Unabhängigkeit von der Herrschaft der Radikalen. Er war bereits vor drei Jahren Finanzminister in dem bekannten Ministerium Cogolnitscheano, welches im Mai deö Jahres 1864 den Staatsstreich für den Fürsten Cusa in Scene setzte. Oberst Hadrian behielt das Portefeuille deö Kriegsministers und Demeier Bratiano, ein Bruder deö Parteichess der Radikalen, das des Cultus und der öffentlichen Arbeiten. — Die Ankunft von Sir Moses Montesiore, der die Donaufürstenthümer bereist, um all seinen Einfluß zum Schutze der dort arg bedrängten Juden zu verwenden, hat zu einer neuen Judenhetze Anlaß gegeben. Eines der jüngsten Kinder der rumänischen Tagespresse, das „Journal Nationea," welches sich in einer gewissen Partei einer bedeutenden Verbreitung erfreut, veröffentlichte, um diese Agitation zu fördern, einen Leitartikel, der wohl das Schamloseste ist, was in diesem Genre bisher irgendwo geleistet worden. Auf den edlen Montefiore, dessen humanitäres Wirken sonst auch bei den specistschen Judenfeinden Anerkennung findet, werden massenhaft die allergemeinsten Schimpfworte geschleudert; Minister Goleseo wird in gleicher Weise gelästert, weil er Sir Moses Montefiore freundlich empfangen, und schließlich zur Unterzeichnung von drei Gesuchen, an den Fürsten, an die Kammer und an den Senat aufgefordert, in welchen die Erfüllung folgender Punkte auf das Entschiedenste verlangt wird: 1) daß von den Staatsgütern nur abseits gelegene kleine Ländereien, die dem Staate nur Schaden bringen, veräußert werden; 2) alle Hebräer, die seit 1848 mit Pässen ins Land gekommen sind, ohne daß sie bis heute eine industrielle Beschäftigung haben, sollen durch Veranlassung der Regierung dorthin gesendet werden, woher sie gekommen sind; 3) Hebräer, die Fabriken mit rumänischen Arbeitern besitzen, ferner jene, die ein Handwerk treiben, und jene, die im Auslande Hochschulen absolvirt haben, sollen im Lande geduldet werden, mit der Bedingung jedoch, sich auf den Weg der Civilisation zu begeben, wozu die Regierung die nöthigen Maßregeln treffen wird. Was die Rechte dieser Juden betrifft, so werden dieselben in Zukunft noch weiter einzuschränken sein; 4) von heute an ist der Eintritt der Hebräer in das Land für fortwährende Zeiten verboten. So viel über die Thätigkeit der „liberalen" Partei. Uebrigens scheinen ihr diesmal die Flügel gestutzt zu werden, denn Sir Moses ist sowohl vom Fürsten als auch von sämmtlichen Ministern wiederholt in Separat-Audienzen empfangen und vom Ersteren sogar zur Hoftafel zugezogen worden. Rußland und Polen. □ Die Koschersteuer, welche in Polen noch besteht, und 31/a Kopeken (— 5 Kr. rh.) beträgt, für jedes Pfund Fleisch, welches die Juden verzehren, ist in den Ostseeprovinzen (Curland, Livland, Esthland und Jngermanlanv) durch Utas Sr. Maj. des Kaisers Alexander II. jetzt aufgehoben. P a l ä st i n a. □ In Jerusalem und Beirut wird ein norddeutsches Buudesconsulat errichtet werden. Jaffa. In Nummer 38 haben wir unfern geehrten Lesern von dem Gedeihen der amerikanischen Colonie in Jaffa Mittheilung gemacht. Zu unserm großen Bedauern werden wir durch einen Artikel in der „New-Iork Times," den das „Jew. Chron." wiedergibt, vom Gegentheil benachrichtigt. Der Artikel lautet: „Die amerikanische Colonie in Jaffa , hat einen Aufruf an alle humane und wohlthätige Gesellschaften und Personen veröffentlicht, in welchem die Bitte gestellt wird, den Mitgliedern der Colonie die Mittel zu verschaffen, nach ihrer Heimath in Maine zurückkehren zu können. Sie sagen, daß sie von ihrem Propheten G. I. Adams, welcher sie auf verschiedene Weise beschwindelt bat, betrogen wurden. Von einer Ernte kann gar keine Rede sein. „Wir leben in diesem Lande," heißt es in dem Aufrufe, „geplagt vom Fieber, ohne Gegenmittel zu besitzen, unsere Kleider sind alle abgenutzt, unsere Kinder sind ohne Schule oder vielmehr ohne Lehrer und wachsen in der größten Unwissenheit aus, leidend unter dem Klima des Landes, ohne Hoffnung auf eine Besserstellung in der Zukunft. Von den 157 Personen, die mit uns von Amerika gekommen sind, sind 4 zurückgekehrt. Von den 8o Zurückgebliebenen wünschen sich Alle, mit Ausnahme von 16 (Herrn Adams Familie und noch 13 andere) nach Amerika zurück. Aber 40 von ihnen sind durch er-

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