Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1867)
- Date
- 1867-10-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VIII. Jahrgang. Beilage za Nr. 40 des Israelit. Leitender Artikel. Welche Anforderungen sind an einen guten jüdischen Lehrer M stellen? „D, glaube nicht, daß du nicht seiest mitgezählt; „Die Weltzahl ist nicht voll, wenn deine Ziffer fehlt. „Die große Rechnung zwar ist ohne dich gemacht, „Allein du selber bist in Rechnung mitgebracht. „8«, mitgerechnet ist auf dich in aller Weise; „Dein kleiner Ring greift ein in jene größeren Kreise: „Zum Guten, Schönen will vom Mangelhaften, Bösen „Die Wett erlöst sein, und du sollst miterlösen." Kann wohl das hohe Amt eines jüdischen Lehrers schöner, herrlicher und zutreffender bezeichnet werden? — Wie wahr trifft hier das Wort des Dichters zu! Der Lehrer soll miterlösen vom Mangelhaften, Bösen; sein „kleiner Ring" soll eingreifen in jene „größer» Kreise," die man die „Welt", die „Gemeinde" und die Schule nennt. Wahrlich, die Lehrerarbeit ist nicht Dillettantenplaisir, sie ist ein gar schwerer Beruf. Mannigfach und groß sind die Anforderungen, welche an den „Erzieher und Bildner der Jugend" gestellt werden — und das mit vollem Rechte; denn „das Schulmeisteramt ist" — um mit dem großen Reformator zu reden — „das allerwichtigste, das allernützlichste, größeste und beste Werk, und ist noch nicht evident ausgemacht, ob Schul- oder Predigt-Amt das beste sei." Es ist wahrlich nicht so leicht, „Lehrer und Erzieher im wahrsten Sinne des Wortes zu werden; da muß man — um mit Göthe zu reden — „in der Jugend Vieles erdulden bereits und thun, muß schwitzen und frieren." Und fragen wir, welches sind denn eigentlich die Anforderungen, welche man an einen guten jüdischen Lehrer zu stellen berechtigst ist? so ist die Antwort: Vor allen Dingen soll er 1) Frömmigkeit, Tugend und Moralität besitzen. Nur derjenige, welcher durchdrungen ist vom Geiste Gottes, anhängt an Gottes Lehre, darüber nachdenkt Tag und Nacht ri'bi üv> n rnm, festhält an seinen heiligen Gesetzen und Lehren, welchem „die Tugend nicht ist leerer Schall — sondern der sie auch übet im Leben —" rwyon *6« np’y &man uh — kann ersprießlich wirken und ein rüstiger Arbeiter im „Weinberge des Herrn" werden; denn ohne Frömmigkeit und Sitten ist der Mensch nie wohlgelitten, und ohne Frömmigkeit und Tugend gleichet — wie Bürger sagt — der Mensch dem Ochs und Eselein im Stalle." Der wahre treue Lehrer wird sich niemals — wenn er von seinem Wirken Früchte sehen will — vom Zeitgeiste fortreißen kaffen, 2'L'z/O by jidid sein — den Mantel nach dem Winde hängen u. s. w.; sondern er wird sich in allen Lebensverhältniffen und zu allen Zeiten consequent bleiben müffen — und ein solches Leben führen, wodurch er findet d*wi Dn^v »rya mo 'iDitn;n Gunst und Wohlgefallen in Gottes und der Menschen Augen. 2) Will der Lehrer seinen Anforderungen genügen, so sei er demüthig und bescheiden. Er nehme sich zum Vorbilde unfern großen Lehrer Moscheh, von welchem es heißt: cmn bo -ino rjy rwo ffwnt nomn mb by und Moses war bescheiden, mehr als alle Menschen, welche auf der Erde gelebt — denn nvy hbd möP „ auf Bescheidenheit folgt Ehre." Der fromme, echte und tüchtige Lehrer wird niemals seine Wissenschaft machen 22 mtsy ra iBnb ürnp *01 „zu einer Krone, damit zu prahlen, oder zu einem Spaten, damit zu graben", sondern er wird Alles thun „ not? " zu Gottes und der Wissenschaft Verherrlichung; sein Auge wird und muß glänzen im Leben, wenn er unter seine Kinderschaar tritt; seine Schüler müffen ihm ansehen, daß er unterrichtet, nicht um irdische Güter sammeln zu können, nein „um o^mrs zu sein, Viele zur Frömmigkeit und Tugend zu führen — und was muß ihn in Widerwärtigkeiten trösten — und sein Lohn sein? — O’mn »pnsoi jrpnn iniiD vrnr D^zwom “]jn DTDD3 „die Verständigen werden glänzen, wie der Glanz des Himmels, und die Viele zur Frömmigkeit und Tugend geleiten, wie die Sterne auf ewige Zeiten." Hiermit soll aber nicht gesagt sein, daß der Lehrer bei zu großer Bescheidenheit sich feiner Menschenwürde etwas vergeben soll. Nein, so ist's nicht gemeint, »w tnrwn dwjn pw opoo: „Wenn es Seit zum Handeln ist, da soll er mit Energie hervorgehen, aus seiner Bescheidenheit heraustreten und Mann am Platze sein; denn: „Das ist die echte Demuth nicht, „Daß man sich glaubt ein schlechter Wicht; „Die echte Demuth der nur hegt, „Der echten Stolz im Busen trügt." 3) Gehe der Lehrer in allen Dingen mit gutem Beispiel voran. Das gute Beispiel wirkt heilbringend fort, wird ein Segen für den Lehrer selbst, für seine Kinderschaar und seine Gemeinde. Wie viele nichtswürdige Leute sind schon durch gutes Beispiel gebessert worden l — Wie viele „Krebsschäden" im Charakter und in der Moralität sind schon durch ein gutes Vorbild geheilt worden! — Wie viele verstockte Sünder sind schon durch ein frommes charakterfestes Vor-