Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1867)
- Date
- 1867-10-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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690 itefe die Prinzessin, „sie ist nicht verbrannt. Sie entfloh, um nicht Neichthum und Ehre gegen ihren Glauben eintauschen zu müssen." „„Das wäre allerdings groß,"" sagte Fürst Paul nachdenkend, „„wenn es — wahr wäre; ich will Dir sagen, warum das Judenkind vom Hofe entflohen ist: Weil es sich dort unbehaglich fühlte, weil es die linkischen Manieren und den jüdischen Dialect nicht oblegen konnte, weil es sich zurücksehnte nach dem Handel mit alten Kleidern, nach Schmutz und üblem Geruch. Das Alles ist den Juden zur Natur geworden, und diese gemeine Menschensorte mag es nicht vertauschen mit dem Edlen und Hohen, was den Edelmann auszeichnet."" Esther erglühte vor Scham und Zorn; Maria aber wmkte ihr mit den Augen und sprach. „Und wenn ich Dir nun jene Jüdin, welche sechs Jahre am Hofe gelebt hat und wiederum sechs Jahre von demselben entfernt ist, seitdem einen Juden geheirothet und zwei Judenkinder geboren hat, trotz allem Dem als eine vollendete Hofdame vorstellen würde, die nur der höfischen Kleidung bedarf, um sofort wieder in ihre allen Rechte eintreten zu können?" „„Daun,"" sagte Fürst Paul langsam, „„dann würde ich mich für besiegt erklären, würde meine bisherigen Anschauungen als Voruriheile verdammen und mich sofort zu den Ansichten unserer schönen Freundin bekennen!"" „Ehe jedoch Maria," ergriff Esther das Wort, „zur Ausführung ihrer Probe schreitet. „ Muß ich," unterbrach sie Maria, „meinen Gemahl um Verzeihung bitten, ob einer Täuschung, die ich mir mit ihm erlaubt habe." „„Und die wäre?"" fragte der Fürst. „Erlaube mir," antwortete Maria, „meine Entschuldigung in der Form eines Gleichnifsts vorzubringen: Einer vornehmen Dame schickte einst ihr auf Reisen begriffener Gtmahl ein kostbares Juwel in unscheinbarer Foffung. Als der kluge Haushofmeister das Juwel erblickte, sprach er: „Dre Fürstin wird das Geschenk des Fürsten so nicht würdigen; ich will das Kleinod erst seinem Werthe entsprechend fasten lasten und es dann der Gebieterin überreichen." Er that also, und die Dame war ganz entzückt von des herrlichen Diamanten wundervollem Glanze. Als man nun des Fürsten halber dem Juwel die ursprüngliche unscheinbare Fastung wiedergab, da blieb ihre Bewunderung dieselbe, und sie dankte ihrem Galten so wie es der hohe Werth des kostbaren Steines verdiente. — Geliebter Mann, ich besaß einen solchen Diamanten, mit dem ich Dich erfreuen wollte; damit Du ihn aber auch würdigest, habe ich vorgezogen., ihn Dir in eleganter Fastung zu zeigen." „„Du sprichst in Räthseln Maria!"" „So höre die Lösung. Ich habe nach langer Entbehrung meine heißgeliebte Freundin Esther wikdergefunden; Du aber hättest die Judenfrau keines Blickes, keines Wortes gewürdigt. Deßhalb habe ich sie Dir als Fürstin Jablonska präsentirt." Der Fürst blickte Esther ungläubig an; diese aber verneigte sich demuthsvoll. „Du hast jetzt," fuhr Maria zu reden fort, „mein Juwel in eleganter Fassung, in Hoftracht mit Fürstentitel, würdigen gelernt; Du wirst es, deß bin ich überzeugt, auch in unscheinbarem Gewände zu schätzen misten." Ihr habt mich besiegt,"" rief Fürst Paul, als er sich von seinem Erstaunen ein wenig erholt hatte, „„ich bin gezwungen, von meinen bisherigen Ansichten zu lasten und mich zu den Anschauungen unserer Freundin zu bekennen, die nicht minder schön, liebenswürdig und geistreich ist, wenn auch keine Fürstenkrone ihren Namenszug krönt. Ja, es gibt einen Adel, den Gott unmittelbar dem Menschen mitgetheilt hat, den Adel der Gesinnung und das ist der höchste Adel von Gottes Gnaden. Seien Sie mir,"" fuhr er, zu Esther gewandt, zu reden fort, „„jetzt noch einmal willkommen als Freundin meiner Frau und als deren Lebensretterin."" Der Fürst erwartete nunmehr, daß Esther eine Fürbitte für ihre Glaubensgenosten einlegen würde; Esther hütete sich jedoch, jene Angelegenheit auch nur mit einem einzigen Worte zu erwähnen. Das gefiel dem Fürsten sehr. Stumm gingen alle Drei durch den Garten, Jedes mit seinen Gedanken beschäftigt; plötzlich blieb der Fürst stehen und sprach: „„Da fällt mir eben ein, Maria, daß Deine Freundin noch nicht für die Rettung Deines mir so theuren Lebens belohnt ist worden; sie selbst hat sich dem Danke Deiner königlichen Eltern durch die Flucht entzogen; nun, so will ich sie belohnen. Ich denke, hunderttausend Dukaten sind nicht zu viel für das Leben einer königlichen Prinzessin, einer Fürstin Radziwil. Wohlan, liebe Esther, ich schenke Ihnen die Summe, welche die isr. Gemeinde zu Wilna wird ausbringen müsten. Sie können darüber verfügen."" Esther, die sich unerwartet am Ziele ihrer Wünsche sah, war keines Wortes mächtig; ihre Augen füllten sich mit Thränen. Maria aber warf sich an ihres Gatten Brust, umarmte und küßte ihn und rief: „Mein Herzensmann, Du machst mich überglücklich l" (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. VerantworUiche Stedaction: I)r. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf.Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.