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Der Israelit · 1867-10-02 · Heft 40 (2.10.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 40 (2.10.1867)
Date
1867-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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688 Lungen und Anschauungen in Mecklenburg seit vorigem Sommer verändert sind. Es ist diese Veränderung der Gesinnung in Regierungskreisen auch ganz an der Zeit, denn in den niederen und untersten Schichten der Bevölkerung herrscht noch dieselbe Apathie gegen Juden, wie früher, und würde diesem Judenhaß die Negierung die Zügel schießen lassen, so wäre das Leben dem Juden in Mecklenburg ganz verleidet. „Sie erinnern sich/' sagte Ludwig XLV. dem Herzoge Vendome, indem er auf einen Hügel zeigte, „daß da oben eine Mühle war?" „Za weht, Sire," entgegnete der Herzog, „aber wenn auch die Mühle nicht mehr da ist, der Wind bläst noch immer." — ton '2 rotü wurde der neue Prediger am israel. Tempel in Hamburg, Herr Rabbiner I)r. Sänger aus Mergentheim, seierlickst in sein Amt cingesührt. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird Herr Vr. Röe den an ihn ergangenen Ruf als Direktor der israel. Philanthropin zu Frankfurt a. M. aus Vorliebe für seine Realschule zu Hamburg ablehnen. — Zum Schlüsse müssen wir noch einer Feier gedenken, die, zwar nur eine Familienfeier im engeren Kreise, cs doch wegen der Persönlichkeiten, die sie stierten, verdient, im Organ der Orthodoxie erwähnt zu werden. Wir meinen die am n'1 stattgesundene Hockzeit des Sohnes des Herrn Rabbiners Bambcrger in Würzburg, nunmehr selbst Rabbiner in Kissingen, mit der Tochter des Herrn Oberrabbiners Etttinger in Altona. Ist diese Feier schon an und für sich von Bedeutung durch die vollzogene verwandschasttiche Verbindung zweier Männer, die als Hauptstützen der Orthodoxie in Deutschland am meisten dazu beitrugen, daß diese Orthodoxie setzt r/'3 so kräftig und verjüngt wieder erstanden aus einem letkargüchen Schlafe, und durch die verwandscköstliche Verbindung zweier Geister, die auf dem Gebiete der höheren iöraei. Literatur (natürlich nicht im Geiste des Znst. zur Förderung der israel. Liter.) schon so verwandt, gleich groß und gleich viel geleistet haben — hat diese Feier, sagen wir, durch diese Umstände ohne dies schon eine besondere Weihe, so wurde diese noch in einem nicht geringen Grade erhöht durch die echt jüd. Art und Weise, in welcher sie begangen worden. Da hätten die modernen Helden einmal sehen sollen, wie sich die echt Frommen, die Heroen der Orthodoxie, die ihnen so oft herhalten müssen, bei einer mso 'v nnDW freuen! — Wir wissen, daß ein orthodoxer Rabbiner in Kissingen nicht auf Rosen gebettet, daher wünschen wir dem jungen Nachfolger des sel. Dr. Lippmann von Herzen ein nzni) rw, nicht minder aber auch allen Lesern des „Israelit", allen Israeliten und Israelitinnen. 'H P'N England. London, 2t. Sept. Sir Moses Montefiore, der von seiner Reise nach Rumänien hierher zurückgekehrt ist, veröffentlicht in den Spalten der „Times" seine Petition an den Fürsten Karl ebenso wie dessen Antwort. Der Fürst schreibt unter dem Datum Controceni, 30. August: „Herr Baronet! Ich habe Ihren Brief vom 27. August erhalten und mit lebhaftem! Interesse davon Kenntniß genommen. Wie ich Gelegenheit hatte, Ihnen persönlich zu bemerken, sind die Wunsche, welche Sie für Ihre Religionsgenoffen hegen, bereits erfüllt. Die Israeliten sind Gegenstand meiner angelegentlichsten Sorge; dasselbe ist der Fall bei meiner Regierung, und cs ist mir angenehm, daß Sie nach Rumänien gekommen sind, um sich zu überzeugen, daß eine religiöse Verfolgung, von der Uebelwollende so viel Lärm gemacht, nicht existirt. Wo es vorgekommen ist, daß man die Juden beunruhigte, da stehen diese Fälle doch nur vereinzelt da, so daß die Regierung dafür die Verantwortlichkeit nicht übernehmen kann. Ich werde es stets als eine Ehre betrachten, die religiöse Freiheit in Respect zu setzen und werde ohne Unterlaß darüber wachen, daß die Gesetze, welche die Juden wie jeden andern Rumänen persönlich und in seinem Eigenthum schützen, beobachtet und ausgesührt werden." Palästina. Jerusalem. Die englische Compagnie, welche seit längerer Zeit sich große Mühe gegeben hat, die Gichonquelle wieder aufzufinden, hat ihr Unternehmen vorderhand aufgegeben, da die Entdeckungen nicht so lohnend waren, als sie in Anbetracht der großen Kosten hätten sein sollen. Im Südosten der Stadtmauer hat man unter der Erdoberfläche eine sehr starke Ringmauer ausgefunden, über welche ich später berichten werde. Als im Thamus d. I. Herr Dr. London, der rühmlrchst bekannte Arzt des Rolhschildsschen Hospitals nach Europa gereist war, um sich zu verheirathen, wurde der Mangel eines Stadtarztes recht fühlbar. Bei den vielen Kranken, die Jerusalem leider selten entbehrt, ist die Arbeit viel zu anstrengend für einen Mann, worüber hier nur eine Stimme herrscht. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn diesem Uebelstand bald abgeholfen werde. Herr I. Krieger von der Familie Plattner hat seine Stelle als griechischer Consul niedergelegt. Derselbe ist nach Paris abgereist. Der Pascha hat zur größeren Sicherheit der Reisendeu das Gesetz erlassen, daß selbst derjenige, welcher von einer Stadt zur anderen reist mit einer Legitimationskarte versehen sei, was die polizeiliche Controle jedenfalls sehr erleichtert. Moses Sachs. Feuilleton. Des Königs Eidam. (Fortsetzung.) XIV. Einige Tage blieb Esther im Schlosse. Maria wußte es mit großem Geschicke so einzurichten, daß

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