Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1867)
- Date
- 1867-09-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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67L pisse unabhängig; doch darf den staatsbürgerliche» Pflichten durch das NeligiyuSbekeuytmß kein Abbruch geschehen. Wie». Die hiesigen Zeitungen berichten aus Agram: „Der in unserer iSrarl. Gemeinde wegen der im neuen Tempel aufg<stellten Orgel ausgebrochene Zwist dauert noch immer fort. Die Einen wollen in dem Tempel keine Orgel, weil sie die Aufstellung dieses Musik Instruments in ihrem Gottes Hause mit ihren religiösen Grundsätzen nicht verträglich finden Die Anderen 'ehen hingegen in der Aufstellung der Orgel keine Verletzung des religiösen Gesühls irgend eines Gemeinde-Mitgliedes und beharren bei der thatsächlich bereits geschehenen Ausstellung der Orgel in dem Tempel. Auf die von der Minorität der Gemeinde-Mrtglieder beim hresigen königlichen Statthaltereirathe diesfalls eingereiäte Klage hatte der letztere vor kurzer Zeit entschieden, daß dis zur endgiltigen Entscheidung der Frage die Orgel im Tempel nicht auszustellen ist. Da aber durch ein Versäumruß (?) irgend eines Magistrats-Beamten drese vorläufige Stallhalterei - Entscheidung dem verklagten Theile zu spät intimirt und somit die Orgel, wie schon erwähnt, thatiächlich im Tempel ausgestellt wurde, so ist man auf den fchließlichen Ausgang dieses sonderbaren Procesies nicht nur in den beteiligten, sondern auch in den übrigen Kreisen der Landeshauptstadt mit Recht sehr gespannt. Groß-Wardein. In hiesiger Stadt wurde Jüngst eine Jude von einem Fiacker überfahren und blieb aus der Stelle todt. Als man den Kutscher arretiren wollte, erhoben sich dagegen die zwei Pastaiere (ein Geistlicher und ein Stuhlrichter,) indem sie ie rohen Worte sprachen: Was schreit man da, er war doch nur ein jüdischer Junge. Im Ra aber Komitat fiel es einem Stuhlrichter ein, den Branntwein in den jüdischen Schenken chemisch untersuchen zu lasten. Der Branntwein wurde für ganz rein erklärt. Trotzdem hat der für das allgemeine Wohl so besorgte Stuhlrichter die jüdischen Wirthe gezwungen, acht Gulden sür die Untersuchung zu zahlen. (Lemberger Zeitung.) Pr»g, Herr vr. Schlessinger in Prag erhielt bei der Preisvertheilung der internationalen Hilfsvereine jn Paris eine silberne Medaille. Dcbreezin. Ein Erlaß der ungarischen Regierung trägt ver Repräsentanz der Stadt Debreczin auf, die Israeliten in die Geschwornenlisten auszunehmen. (Frdbl.) P-sth. Wie man vernimmt, wird der ungarische Kultusminister nach den israelitischen Festtagen eine israelitische Synode emberusen, und hiezu auch eine Anzahl ungarischer israelitischer Notabilrtäten aus dem ganzen Lande laden. Die diesbezüglichen Vorarbeiten sind bereits eingeleitet. Se, Exeellenz der Herr Minister wird hei diesen Versammlungen perlöwtich präsidiren (Frdbl.) Balaffa-Gya rnath, (Ungarn), 7. Sept. Der Synauogenbau schreitet rüstig vorwärts, zum I jüdischen Neujahrslage totrö er bereits der feierlichen j Andacht dienen Es ist Z it, daß das bisherige finstere Gotteshaus Verlusten wird, um seine Andacht in lichthelleren Räumen verrichten zu können. Es ist aber auch ein Prachtbau dieser Tempel, der in unserem Vateriande, was Schönheit und Erhabenheit anbelangt, wohl der zweite fein dürste. Die hiesigen Israeliten, die mit sehr wenigen Ausnahmen alle der streng orthodoxen Rrchtung huldigen, haben bewiesen, was vereinte Kräfte zu wirken im Stande sind; um fabelhafte hohe Preise find die einzelnen Tempelsitze veräußert worden und Geld floß so viel ein, daß das Baucomile bei der völligen Abrechnung wahrscheinlich noch einen kleinen Uederschuß haben wird. Die im Tempelraume angebrachten Lustres kommen aus 4— 5000 Gulden. Ern gewisser Dr. Hoffmann, der vor Jahren das Zeitliche segnete, hat m seinem Testamente 10,000 Gulden zum Tempelbauiond hmterlasten; jetzt steht dererls der Tempel fertig, besten Idee eigentlich er anregte. England. London. Eine 110 Jahr alte Jüdin in London, Namens Deborah Levy. wurde kürzlich von einem Fuhrwerk überfahren und starb bald, nachdem man sie ins Spital gebracht hatte. (Jew. Chron.) Rußland. Naftow. Zwei Meilen von der Stadt Rastow wurde auf der Straße ein Jude gesunden, der ermordet worden war. Als man ihn aus dem Begräbnißplatze eines benachbarten Dorfes begraben waW, fand man in seiner Tasche nachstehenden mit Bleistift geschriebenen Brief: „Als ich auf der Straße einsaW dahinzog, begegnete mir ein Mann (Christ) mit finsterem Aussehen, der mich mit fürchterlicher Stimme anrief: „Jude, gib dein Geld her" und in der Angst gab ich ihm meine ganze Baarschaft, ungefähr 4 Rubel; er nahm das Geld und ging weiter. Als er 4—5 Schritte weiter gegangen war, kehrte er plötzlich zu mir zurück und sprach: „Ich kenne, Jude, deine Gedanken, daß du mir Böses zufügen willst, ich weiß, daß wenn ich jetzt weiter gehe, du mix die große Wohlthat, dir das Leben geschenkt zu haben, nicht danltzs wirst, darum habe ich beschlossen, daß du sterben mußt, verfluchter Jude" und mit diesen Worten schlug er so lange auf mich, bis ich ganz entkräftet nieder-