Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1867)
- Date
- 1867-09-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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670 So rufen wir denn zum Schlüsse den Lesern dieser Blätter beim Herannahen des Gedenktages zu: „Seid eingedenk und thälig". Dr. W. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. □ München, 15. September. Am vergangenen Freitag traf Sir Moses Montesiore mit großem Gefolge auf seiner Rückreise von Bukarest hier ein und verweilte bis heute, Sonntag Morgens, in unserer Hauptstadt. Herr Josef Stern erhielt hievon Kenntniß, und hatte die Ehre, denselben in dessen Wohnung, — „ Gasthof zu den vier Jahreszeiten", zu begrüßen, und mit ihm sowie Herrn Dr. Löwe Verschiedenes zu besprechen. ES kam auch die Rede auf das Würzburger isr. Lehrerseminar des ehrwürdigen Herrn Rabbiners S. B. Bamberger, wovon Montefiore bereits sehr viel Erfreuliches wußte. Herr Dr. Löwe — ein Schüler des berühmten yps o-hd y'nn war gestern Nsn 's pf'p in der Synagoge, da Sir Moses keinen Sep rratgottesdienst hatte abhalten lassen. Abends besuchte ihn auch Hr. Rabbinowitz. — Einem andern Besucher gegenüber soll sich Montefiore sehr zu Gunsten des Sabbat-Vereins ausgesprochen haben. — Vielleicht übernimmt Sir Moses einmal das Ehrenamt des Präsidiums in diesem Vereine, wie Hr. Cremieux das der Alliance. — □ München, 15. September. Das Ergebniß der diesjährigen Anstellungsprüfung für die Schuldienstexspektanten Unterfrankens ist auf israelitischer Seite folgendes: An demselben betheiligten sich im Ganzen 41 Kandidaten, unter diesen drei Israeliten, welche sämmtlich die erste Note erhielten. — Belgard (Pommern). Einige Mitglieder der jüd. Gemeinde Colbergs führten bei der König!. Regierung zu Coeslm Beschwerde darüber, daß der Gemeinde. Vorstand das Badehaus (mpo) nicht in Stand setzen lasse. Die Beschwerdeführer wurden aber dahin beschieden, daß, solange der Rabbiner des Ortes die Restauration des Badehauses nicht für nothwendig erachtet, sie, die Negierung, sich nicht veranlaßt fühle, den Vvistand zum Baue anzuhalten. Dieser Bescheid müßte doch den Rabbiner umsomehr anspornen, die geeigneten Schritte zu thun, den Wunsch einiger Mitglieder zu erfüllen, da derselbe in der Negierung eine Unterstützung zur Ausführung seines Vorhabens finden würde. Aber wie man an großen Plätzen nur für das äußere Gepränge bedacht ist und nur buhlt um de» Beifall einer andern ReligionSpartei, so auch hier. Was hilft einer Gemeinde die reichgeschmückte Synagoge mit einem rons für 80 Thlr. wenn der jüdisch-religiöse Sinn ganz geschwunden ist? Soll etwa das rons noch dazu dienen, um sich einen Anschein von Frömmigkeit zu geben, oder nur hinter demselben nach Belieben das Religiöse mit Füßen zu treten? Sehen wir uns einmal am Sabbat in dieser Gemeinde um! Das Gotteshaus steht leer, und wehmüthig können wir ausrufen: 'im 'nv ^30 ni^sit »:m; wenn nicht ein Paar jüdische Soldaten und die gerade anwesenden Badegäste das Gotteshaus besuchen, so ist kaum das nöthige pa da. In d n G schäften ist man in voller Thätkgkeit, schneidet, reißt, schreibt, raucht, je nach Verlangen der Kunden odr zu eignem Vergnügen; die Kinder sind in der Schule und thun auch dort, was ihnen gefällt. Deßhalb wirken auch der Knaben- und Mävchenchor mit seinem Chorleiter, einem christlichen Lehrer, nur Freitag Abend im Gottesdienste mit; am Sabbat Morgen nicht, da die Kinder in der Schule sind. So wird dieser heilige Tag nur im Streben nach irdischen Gütern dahin gebracht, so wird die Entweihung desielben schon frühzeitig in das kindliche Gemüth gepflanzt und so ist auch jede Spu'- eine- Sabbats gänzlich verschwunden. — O, wie wird das Seelenheil doch so wenig beachtet uud nicht zu Herzen genommen das Wort des Propheten Jesajas 56, 13, 'ui -p:n nstPD U’ipn dm. „Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhälst, daß du deinem gewöhnlichen Gelüsten nicht nachgehst an meinem heiligen Tage und den Sabbat eine Seelenlust nennst, Gott gedeiliqt und geehrt, und ehrest ihn. daß du nicht nachgehest deinen Wegen, nicht suchest deine Geschäfte, nicht redest leere Worte: dann findest du Seelenruhe in dem Ewigen." Oesterreichischer Kaiserstaat. □ Wien, 8. Sept. In der dritten Hauptversammlung des I österreichischen L hrtages oahier, betrat auch Dr. Stein, Rabbiner und Prediger auS Prag, die Tri üne. Er schickt als Präambulum die Erklärung voraus, daß er, als er hieher gekommen, „die Befürchtung gehegt, er werde „als Gerer unter den Tauben" betrachtet werden." (Heiterkeit und Oho-Rufe) Glücklicherw-re hal'e er st h enttäuscht gegesunden. (Ironische Bravo's k). Redner macht nun durch längere Zeit Miene der Versammlung e ne Autobiographie ^zum Besten zu geben, wird aber, eben im besten Zuge, durch Schlußrufe unterbrochen, und von dem Präsident n — Direktor Bobies — erinnert , daß „ Biographien" nicht aus der Tagesordnung stehen. (Heiterkeit und Bravo) Redner entschließt sich nur mit „schwerem Herzen" die Tribüne zu verlassen. —