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Der Israelit · 1867-09-25 · Heft 39 (25.9.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 39 (25.9.1867)
Date
1867-09-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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668 lege beschämt die das Böse vollziehende Hand auf Heine von Trauer und Kummer beschwerte Wärst» und Meine, weine! Weine darob, haß d« das BOe Methan und das Gute unterlassen hak, daß die Gedanken deines Hauptes übermüthigem Frevel und das Sehnen deine- Herzens sündigen Zriebrn zugänglich ist. Dann aber ermanne dich vnd suche das geschehene Bös - wieder gut zu machen. Gib zurück, was du entwendet, um was du hintergangen oder übervortheilt hast. Kannst du es Einzelnen nicht zurückgeben, weil du sie nicht kennst, so verwende das un.echtmäßig Erworbene zu allgemeinen Zwecken, auf daß es vielen Menjcheu zu Gute komme. Bitte um Verzeihung den, welchen du beleidigt hast, und wenn er nicht mehr unter den Lebenden weilt, so gehe aus sein Grab und bekenne dem Unrecht. Hast du Jemanden verleumdet, so nimm zurück das schändliche Wort, schäme dich nicht und bekenne es offen: „Ich habe gesündigt gegen den Gott 'Israels und gegen Den und Den!" Du aber verzeihe allen Menschen, die dich beledigt haben, vergib denen, so dir Unrecht gethan haben, erlasse, w.nn nur irgend möglich, den Ersatz denen, die dein Eigenthum verkürzt haben; betrachte alle Menschen als deine Brüder und Schwestern, umfasse sie Alle mit liebevollem Herzen, namentlich aber die, so dir nahe stehen. Uno die'es, die ganze Menschheit in Liebe umfassende Herz, das trage empor zu Gott, und bitte Ihn, daß Er auch Dir verzeche und vergebe, bitte Ihn in heißem, innigem Gebet, während deinen Augen Thränenströme entfließen und dich niederdrückt tieferKummer ob der Vergangenheit, große Sorge ob der Zukunft. Und wann dann die bittere Zähre deinem Herzen Lust verschafft und dieses sich erweitert in dem beseligenden Gedanken an Ihn, den Unendlichen, Barm erzigen. Allliebenden, wann dann du gehoben fühlest ein ganzes Wtsen, und inmitten der Erhebung himmlische Beseligung dich überkommt, Befriedigung dich durchströmt, und die Zerknirschung weicht vor der reisten, himmlischen Freude — — — dann, mein Brüder, dann, meine Schwester, hat Gott verziehen deine Schuld, und Seine Vaterhuld belebt dich aufs Neue, und unschuldig bist du wiederum wie ein neugeborenes Kind — o, sorge dafür, daß du auch rein und unschuldig bleibest! — (Schluß folgt.) Der Gedenktag. Posen, im Elulmonat. Der erste Tag im Jahre wird verschieden bezeichnet; eine dieser Bezeichnungen, mit der wir das Fest begrüßen, heißt der Gedenktag. Weder Sprachuches noch Sachliches hindern uns, die Worte „Du hast uns Herr au» Liebe den Gedenktag gegeben" so alckzufaflm, daß wir i» ihnen die Mahnung erhalten, de» Iah es Beginn der Erinnerung zu weihen. Woran sollen wir denken? Auf diese Frage gibt uns der größte der Propheten Antwort: „Denke an die Tage der Wett." Welches sind aber die Gefühle, die in uns eine fdlche Betrachtung wachruft? Giu dreifaches Gefühl ist die unmittelbare Folge jener Geiftesthätigkeit I. Die Hauptaufgabe des Menschengeschlechts ist daS Streben nach Gottähnlichkeit, d. h. nach immer größerer Entfaltung der intellektuellen und sittlichen Kräfte. Die Weltgeschichte ist nur Cukturgeschichte, soll es nur sein; nur als Culturgeschichte schreitet sie wesentlich vorwärts. Wie es nun Aufgabe des Einzelnen ist, an der geistigen Cuttur der Gefmnmtheit mitzuarbeiten, so ist eZ seine Pflicht, nach gewissen Zeilsätzen sich umzu'chauen, nachzudenken, ob die Welt fortgeschritten ist, und wieviel er und die Gesellschaft, der er angehört, dazu beigetragen. Zu einer solchen Betrachtung eignet sich besonders der Jahresanfang. Wenn wir nun von der Stufe der Gegenwart einen Rückblick aus die Geschichte der menschlichen Entwickelmri thun, wenn wir von den Culturgärten der Gegenwart auf die wilden Steppen der rauhen Vergangenheit zurück 'licken, wer will es leugnen, daß Israel, ein treuer Mitarbeiter auf dem Felde einer geläuterten Erkenntniß, anstatt der Dornhecken des Aberglaubens die Rosen einer liefern Anschauung gepflanzt, m die Wüsten der Rohheit die Oasen d?r Gesittung gelegt, den Ström der Wildheit in das Bett der Menschlichst gelenkt und zu dem Tempel des Menschthums mühsam die Äiksteme zusammengetrogen hat? Eine große Aufgabe hatte Israel übernommen. Es sollte mit der Feuersäule des Gotteswortes die Geistesnacht der Völker erhellen und das Sichtbare mit dem Unsichtbaren in engere Verbindung bringen. Die Aufgabe war schwer; denn das Licht, das Israel brachte, galt Anfangs als Finsterniß, die Süßigkeit, die es reichte, als Wermuch. Doch Israel hat die Ausgabe immer mehr der Lösuüg 'entgegenreifen lassen. Die Götter sanken von ihren Höhen, bewußt und unbewußt lernten die Völker, sie erkannten die Wahngestallen, unter deren eisernem Joch der freie Menschengeist lange geschmachtet. Doch dazu konnten die Schüler sich nicht herdeilassen, dem Meister die Krone der Huldigung zu bringen. Die Lilie Saron's wurde als Dornstrauch der Wüste, die Rose Jericho's al» Grftpflanze der Einöde angesehen. DaS Rad der Zeit ist lange, lange gerollt, bevor Nichtisraeliten von Geist und Herz es öffentlich ausgesprochen, daß Israel in der Bilvungsgeschichte der Völker eine Hauptrolle überkommen und übernommen hat. Uud wenn wir die Glücklichen sind, die solche Worte lesen, muß da nicht

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