Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1867)
- Date
- 1867-09-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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660 Glases Branntwein tobt zusammengestürzt, und man glaubte manchen Anzeichen nach wahrnehmen zu dürfen, daß hier das Verbrechen einer Vergiftung vorliege. Viele Juden versammelten sich in der betreffenden Straße, die Polizei und der Procuror wurden verständigt und Letzterer ordnete die Versiegelung der Flasche, aus der man dem Schloffergesellea eingeschänkt, und die Transportirung des Todten behufs der Autopsie in das israelitische Spital an. Kaum war jedoch der Wagen, auf dem der Leichnam lag, bis in die Nähe des russischen Consulats gelangt, als eine beträchtliche Anzahl Christen sich dem Zugein den Weg warf und unter Lärmen und Schreien die Ueberführung des Leichnams in ein christliches Spital verlangten. Die ebenso zahlreich anwesenden Juden, von diesem Ansinnen stutzig gemacht, verlangten die strikte Ausführung des staatsanwaltlichen Befehls, und bald wurde man bandgemein. Wie durch einen Zauber sah man aus dem Hofe des russischen Consulats - Gebäudes eine Unzahl von Stöcken und und Stangen herausgelangen, und es erschollen die im russischen Accente gerufenen Worte: „Nieder mit den Juden, haut sie alle zusammen!" Es regnete auf die Juden Hiebe und Verwundungen, und die in zwei Straßen angesammelten Haufen der Kämpfenden drohten die Schlägerei in der ganzen Stadt zu verbreiten. Glücklicherweise erschien noch im rechten Moment zahlreiche Polizeimannschaft und der Exceß wurde beigelegt. Nur fand man es für nöthig aus dem Haufen der Ercedirenden zehn Juden herauszugreifen und ins Criininal-Gefängniß zu sperren, und das Eigenthümlichste der Sache ist, daß selbst zahlreiche Christen schriftlich erhärten, daß nicht einer der Eingesperrten sich am Kampfe betheiligt, daß vielmehr Christen es waren, die denselben provocirt hatten. Der hiesige Polizeipräfekt wollte sich eben wieder vor dem Minister Bratiano auszeichnen und — Juden mußten abermals den Sündenbock abgeben. .Doch den russischen Agenten ward diesmal noch die Suppe zu Wasser. Die an dem Todten vorgenommene Autopsie ergab angeblich Entzündung der Lunge und des Hirns. Die Eingeweide wurden zur chemischen Analyse an den Medizinalrath nach Bukarest eingesendet. Feuilleton. Ale amerikanische Kolonie in Palästina. (Nach der Wiener „Presse".) Im September des vorigen Jahres zog eine Co- Ionie unter der Führung eines Herrn Adams aus j Amerika nach Palästina, zusammen 30 Familien, 150 Köpfe stark und siedelte sich bei Jaffa an. Sie legten unter der Aegide der nordamerikanischen Regierung den Grund für den weiteren Nachschub, setzten sich durch bedeutende Ankäufe von Aeckern in Besitz deS Bodens, und erhalten — was ein Wunder genannt werden kann — mit allen Eingebornen: Türken, Arabern, selbst mit den Beduinen der Wüste ein freundschaftliches Einverftändniß. Auf diese Art bereiten sie den Empfang für die im September d. I. erwarteten anderen 150 Familien vor und diesen wird dann der weitere Nachschub folgen. Die Bahn ist gebrochen. Die Ansiedlung beschränkt sich, vorerst ausschließlich auf die Bodencultur, welche denn auch unter ihren Händen auf der herrlichen fruchtbaren Ebene Saron vom Meere bis zum Gebirge Juda ein wucherndes Gedeihen in Aussicht stellt. Schon das erste Auftreten dieser Ankömmlinge machte allgemeine Sensation. Nach bewerkstelligter Landung suchten sie ihre Unterkunft nicht in der Stadt, wie man erwartete, sondern bezogen in deren Nähe ein Lager am Meeresufer, wo sie unter mitgebrachten Zelten so lange verweilten, bis die für sie angekauften Aecker besichtigt, übernommen und die Plätze zur Ansiedlung ausgemittelt waren. Sie wählten diese letzteren unmittelbar vor der Stadt nnd nicht auf dem nunmehr in ihr Eigenthum übergegangenen Boden, der, sonderbarerweise anderthalb Meilen von Jaffa entfernt, ganz in der Nähe von Lydda liegt, dieser im Alterthum so berühmten Rabbinerstadt, vor deren Thoren die alten hebräischen Schriftgelehrten den künftigen Schauplatz des Kampfes verlegten, der am Ende der Tage staltfinden und in dem der Messias den Erbfeind der Menschheit besiegen wird. Vor den Thoren Jaffas, mitten unter den herrlichsten Citronen- und Orangengärten, erhebt sich ein kleines Plateau — ein ehemaliger vernachlässigter Gartengrund. Diesen nun hat Adams käuflich an sich gebracht, und hier haben sich unsere Amerikaner angesiedelt. Sie haben Alles, selbst ihre Häuser, aus der Heimath mitgebracht; und in der That! diese stockhohen, weiß übertünchten hölzernen Gebäude mit ihren großen Fenstern nehmen sich gar freundlich und einladend aus, und gibt das Ganze bei seiner reizenden Umgebung ein sehr anziehendes Bild, das Jeden, der vor Jaffas Thore tritt, auf das Angenehmste überraschen muß. Leider sind diese Häuser nicht für das dortige Klima geeignet, weil im Sommer die Hitze darin unerträglich wird. Ich habe die Colonie im Februar, also fünf Monate nach ihrer Landung, besucht, und beinahe Alles war fertig, sie Alle waren schon häuslich eingerichtet. Die, man könnte sagen, elegante Nettigkeit, die Ordnung, der Geist, der in dieser Colonie herrschte, machen, namentlich in diesem Lande, einen sehr wohlthuenden Eindruck. Kurz vor mir hatte sie den Besuch einer