Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1867)
- Date
- 1867-09-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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661 Tommission aus ihrem Mutterlande, welche Alles in Augenschein zu nehmen und neben manchen Ausgleichungen weitere Anstalten für die Nachzufolgenden zu treffen hatte, denn die Ankömmlinge sollten nicht so harmlos und nicht ohne eine Art Kampf Besitz von ihrem neuen Vaterlande nehmen dürfen. Ein dortiges Landgesetz verordnet nämlich, daß nur Derjenige, der türkischer Untertban geworden, Bodenbesitz in der Türkei erlangen könne. Ein anderer Conflict erhob sich aber aus dem Kaufe selbst. Nach den dortigen Satzungen muß beim Verkaufe von Realitäten eine gewisse Taxe von der Kaufsumme - an die Regierung gezahlt werden, weßwegen man in den betreffenden amtlichen Vertrags-Instrumenten die Kaufsumme bedeutend niedriger anzugeben pflegt, als sie in der That ist. Die wahre Geldquote ist sodann etwas schwer zu eruiren. Die Colonisten, die ihr Besitzthum in Amerika zu Gelbe machten, um dafür ein neues in Palästina zu erwerben, und die davon die Kosten der weiten langen Reise bestreiten mußten, halte gewisse Ursachen, sich für überoortheüt zu halten; es entstand ein Proceß zwischen ihnen und ihrem Agenten, der jedoch dahin ausfiel, daß ihnen eine gewisse Summe zurückersetzt werden mußte. Ebenso gelang es ihnen, auch den vollen Rechtstitel zu ihrem Bodenbesitze zu erhalten und dabei freie Bürger Amerikas unter ihrem heimathlichen Schutze zu verbleiben. Der erste Sieg war glücklich errungen, ahov ein anderer, ein viel bedeutenderer Sieg sollte ihnen noch >zu Theil werden, nämlich der Sieg über die Eingebornen. Gleich nach ihrer Landung strömte die ganze Bevölkerung aus Jaffa und der Umgegend herbei, um die Ankömmlinge, von denen man so Vieles gehört, in Augenschein zu nehmen. Eine Menae Volk sam^ melte sich täglich um ihre Zelte und später an ihrem Ansiedlungsorte wo sie mit ihrem Häuserbau beschäftigt waren. Man ward nicht müde, immer wieder zu kommen, Alles zu betasten und zu bewundern, Alles an diesen Amerikanern war ihnen ja neu, ja die Bevölkerung war zuletzt so hermisch, daß sie m die bereits fertigen Häuser trat, die Emrichtungsstücke, die Geräthschaften musterte, über Alles durch Mienenspiel Auskunft verlangte, durch geöffnete Fenster dem inneren Gebühren der Familien stundenlang zusah u. s. w. Die Leutseligkeit, mit welcher die Colonisten diesem beständigen Andringen begegneten, gewann ihnen alle Herzen, und es fehlte nicht an erfreulichen Kundgebungen. Als bei Bestellung des Ackers einem Colonisten rin Sack Getreide abhanden gekommen, erschien am anderen Tage in der Colonie vor Adams der Scheich von Lydda mit einem Araber, er das gestohlene Gut auf seinem Rücken zurückbrachte, und bat, diese Unbill, die nie mehr stattfinden soll, diesmal zu verzeihen. Der Dieb entging aber nur auf Fürbitte AdamS einer exemplarischen Strafe. Von dieser Zeit an können die Colonisten auf ihren entferntesten Aeckern, was sie wollen, über Nacht zurücklaffen, und sie finden eS am anderen Tage unberührt wieder: eine in Palästina gewiß ganz unerhörte Sache, wo selbst unmittelbar bei Jerusalem eingefriedigte Christengärten von den Arabern geplündert und zerstört werden. Adams hatte sich bei Türken, Arabern und Beduinen so in Gunst gesetzt, daß sie bei ihren Streitigkeiten ihn zum Schiedsrichter wählen, und dieser Mann kann sich doch nur durch einen Dolmetsch mit ihnen verständigen. Zuweilen sieht man sogar mehrere Scheichs nomadischer Beduinen aus der Wüste mit ihrem Gefolge bei seinem Hause vorreiten; sie kommen. um Freundschaftsbündnisse mit ihm zu schließen, sein Ruf habe sie veranlaßt, seme Bekanntschaft zu suchen. Nicht so glücklich ist Adams mit den anderen christlichen Secten, die, aufs Höchste gespannt, sich bei seinen Predigten einfanden — die Colonie hat mitten in der Ansieolung ein eigenes Bethaus, das auch als Schule verwendet wird — an diesen Predigten aber ein solches Aergernisi nahmen, daß sie die ganze Colonie je eher je lieber über alle Meere wegwünschen. Sie machen Adams verantwortlich für die Gefahr, in die Palästina durch ihn gerathe, ein zweites Babel zu werden und der Welt das neue Schauspiel einer allgemeinen Verwirrung religiöser Begriffe gleich der einstmaligen Sprachverwirrung zu Babel geben; auch muffen die christi. Araber die Colonie vermeiden. Nichtsdestoweniger beehrte der katholische Patriarch von Jerusalem, MonsignorBalerga, die Colonie mit seinem Besuche. Seine Eminenz stieg bei Adams ab und verweilte in mehrstündiger Unterredung in seinem Hause. Adams ist von mittlerer Größe, untersetzt, zwischen 40 bis 50; Haar und Vollbart, ursprünglich schwarz, sind bereits mit Grau untermischt, sein volles blases Gesicht ist ausdrucksvoll, sein schwarzes Auge durchdringend, seine ganze Erscheinung eine einnehmende. In seiner Gegenwart fühlt man gleich, daß man keinen gewöhnlichen Menschen vor sich hat. Er ist ungemein thätig, voll Leben und Energie, sein practischer Verstand versteht es, alle Schwierigkeiten zu überwinden. Die Colonie ist ihm denn auch aufrichtig, ja fanatisch zugethan und sein Ausspruch gilt ihr als unverbrüchliches Gesetz. Ebenso verehren ihn auch die dortigen Juden. Wien, 27. August 1867. W. v. Z.