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Der Israelit · 1867-09-18 · Heft 38 (18.9.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 38 (18.9.1867)
Date
1867-09-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 38 des Israelit. Leitender Artikel. Dir Colonisation von Palästina betreffe»-. Herrn Hirsch Kalischer, Wohlgeb. in Thorn. Aachen, 2. Sept. 1867. Hochgeehrter Herr! Seit vor einigen Jahren durch Herrn vr. Lorje in Frankfurt a. O. der Versuch angeregt wurde, das „heilige Land" aus der Verwüstung dadurch emporzuheben, daß jüdische Ansiedler dort dem Landbaue und anderen Gewerben eine Stätte hoher Cultur gründen, haben Sie in Ihrem heiligen, schönen Eifer Sich unsäglich vielen Bemühungen deßhalb unterzogen. So weitaussehend der Plan auch Vielen erscheint, so hat sich doch kräftige Betheiligung vom Publikum für die zukunftsreiche Idee durch die frommen Reisen des Herrn Licht aus Jerusalem vermitteln lasten. Sie kennen die Einzelnheiten, welche darn theils fördernd, theils hemmend gewirkt haben, auf das Allergenaueste, da Sie vom Anbeginn bis jetzt nicht aufgehört haben, in selbstloser Aufopferung für die große Angelegenheit zu wirken. Sie haben dabei das Wenige meiner K^nntniß des Ackerbaues und der Volkswirthfchaft zu Ratbe zu ziehen die Güte gehabt und in Ihrer Verstandesschärfe das Zweckmäßigste wohl gewürdigt, was in der Vorrede zu dem Subscriptionsbuche oes würdigen Herrn Licht angedeutet ist. Nun finde ich jetzt in einer Nummer des „-pjon" wieder den Gegenstand dahin angeregt, daß jüdische Familien dadurch zum Ackerbau in Palästina unterstützt werden sollen, daß man ihnen ein Joch i Rindvieh und was dazu gehört gewähre. Ich muß hiegegen sehr dringend Einspruch thun. Um Ackervieh zu ernähren, um solches auch zweckmäßig zu benützen, dazu gehört ein großes Capital nicht allein an baarem Gelbe, sondern auch an erworbener landwirthschastlicher Erfahrung, ein großes Capital von Kenntuiß des Handhabens großer Grundstücke und des mannigfachsten Jnventariums an Gebäuden und beweglichen Werkzeugen. Wo das dann erforderliche baare Capital hernehmen? wie eS vor Vergeudung, vor Veruntreuung bewahren? und im günstigsten Falle ist der großen Zahl von bedürftigen Individuen gegenüber die Hilfe nur die allerbeschränkteste. Ein Anderes ist es, wenn denAnstedlern kleine Landstücke zum Anbaue überwiesen werden, wobei ca. 2 lHMorgen preußisch kaum überschritten «erden dürfen. Für ganz Arme, die doch hier meistens in Be-! tracht kommen, ist das sehr viel. Erwägt man, daß 1 solche Landstücke mit dem Spaten sich bearbeiten lassen, so folgt daraus von selbst, daß fast Jedermann mit wenig Mühe leicht und mit den geringsten Kosten dazu angelernt werden kann. Ein preuß. Hi Morgen bringt in guten Mitteljahren schon Hierlands 100 Scheffel, das ist ca. 5000 Kilogramm oder 10,000 Zollpfund Kartoffeln, und der andere Ackertheil kann Kohl und sonstige klimatisch zweckmäßige Pflanzen durch die Spatencultur liefern, so daß die Familie, außer was dieselbe selbst verzehrt und zum Gelderwerbe verkauft, noch reichlich so viel übrig behält, um ca. 4 Ziegen zu ernähren. Diese 4 Zicgen ersetzen eine Kuh reichlich und sind viel genügsamer und weniger wählerisch im Futter als Kühe. Haben sich die Leute erst in diesen Ackerstand ein wenig eingelebt, so ist zunächst auf Baumanpslanzen, z. B. von Maulbeerbäumen, von Weinreben u. s. w. Bedacht zu nehmen und Seiden- und Weinbau sind nicht allein sehr lucrativ, sondern lassen auch im Verlauf des Jahres viel Zeit zu Geistesbiloung min -no^n und anderer Arbeit übrig, welche letztere als „Handwerk" in den verschiedensten Gewerben ausgenutzt werden kann. Der oberste Grundsatz muß sein, wenig Land den Leuten zur Verfügung stellen, aber mit der vollen Freiheit, solches an Kinder und Verwandte nach freiem Ermessen so weiter überlasten zu dürfen, daß jede Parzelle ihren Weg unbehindert habe. Sehr rathsgm wäre es, daraus Bedacht zu nehmen, daß bei 8 oder 10 jüvischen Familien immer 1 k 2 Familien von Moslems oder auch Christen, mit Unterstützung von jüdischer Seite, sich ansiedeln. Die Grundstücke müssen anfangs den Wasserbedarf nicht zu mühsam decken können. Der nöthige Dünger läßt sich dann auch sehr leicht erwerben, wenn man weiß, welche wunderbare Dungkraft der Urin hat, wenn solcher 5- oder 6fach mit Waffer verdünnt wird. Anverer Stoffe nicht zu gedenken und bei dem jetzigen Stande der AgricultnrChemie können außerdem durch den Handel die den Pflanzen erforderlichen, im Boden nicht reichlich genug gebotenen Stoffe leicht und billig beschafft werden. Die entsetzliche Maffen-Armuth, welche gegenwärtig in Jerusalem und Palästina unter den bedauernswerthen dortigen Juden herrscht, läßt sich nur allein auf dem hier angedeuteten Wege mit den verhältnißmäßig geringsten Mitteln, welche doch nur allein zu Gebote stehen, in Behäbigkeit und in leibliches und geistige- Wohlergehen bald verwandeln: p« “pn oy min aio p* p^oni ,rnin p nop p ot* Die amerikanische Colonie in Jaffa, über deren Ackerbau und sonstige Gewerbsamkeit mir indeffen nichts

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