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Der Israelit · 1867-09-18 · Heft 38 (18.9.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 38 (18.9.1867)
Date
1867-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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655 chjen muhamedanischen Ländern als gleichberechtigte Bürger anerkannt sind. Asien. Saida (Syrien), im Thamus. Hier in dem alten Zidon wohnen seit uralte« Zeiten Israeliten. Gegenwärtig befinden sich in Saida etwa 80 jüdische Familien, wovon der größte Theil arm ist. pie\e Gemeinde wurde in jüngster Zeit auf das Tiefste gekränkt durch eine Gewaltthat, welche sich ein Araber (Katholik) den Juden gegenüber erlaubte. Der jüdische Friedhof dort gränzt an die Besitzungen des erwähnten Arabers, welcher zu den reichbegüterten Grundbesitzern gehört. Bor ungefähr sechs Monaten fiel es diesem über- 'müthigen Orientalen ein, die Hälfte des Beth hachajim sich anzueignen, und um diesen Raub aut zu bewahren, ließ er bald eine Mauer um das den Juden entrissene Feld ziehen. Groß war die Trauer der Saivaer Juden. In ihrer Bedrängniß wendeten sie sich an die verschiedenen Behörden. Niemand jedoch hörte auf sie, da der genannte Araber englischer Viceconsularagent ist und im Allgemeinen seines Reichthums halber in der ganzen dortigen Umgegend sehr gefürchtet ist. Die türkische Obrigkeit hatte nicht einmal den Muth, zu constatiren, daß das von den Israeliten geforderte Feld deren rechtmäßiges Eigenthum seit vielen, vielen Jahren war, Niemand wollte sich der Juden annehmen. Der Pascha Generalgouverneur von Damascus gab Ordre, Ausgrabungen vorzunehmen, da ein mündliches oder schriftliches Zeugniß für die Israeliten abzugeben Alle Furcht hatten. Nun haben die Israeliten leider kein einziges Document, vermöge desien sie als wirkliche Eigenthümer des erwähnten Stück Feldes anerkannt werden müßten. Um jedoch dieser schreienden Ungerechtigkeit abzuhelfen, hat sich die Gemeinde Sa'ida's an die Alliance gewendet, welche gewiß sehr bald den Juden zu ihrem geheilgten Besitzthume zurückoerhelfen wird. Ebenderselbe Araber hat sich noch immer durch ein judenfeindliches Wesen und Streben heroorgethan. Vergangenen nos hatte er die bekannte absurde Verleumdung ausgestreut, als hätten die Juden ein christliches Kind getödtet. Um dieß glaubhafter zu machen, hatte er die Mutter eines kurz vor dem Feste verstorbenen Knaben zu sich gerufen und sie lebhaft angegangen, ihr Kind in ein jüdisches Haus hineinzuschmuggeln und sodann die fürchterlich boshafte Lüge zu verbreiten, daß die Juden Saiva's ihr Kind ermordet hätten. Auch gab er ihr Geld dafür. Doch die Vorsehung wachte über unsere Brüder, denen es mit Gottes Hilfe leicht ward, ihre Unschuld zu beweisen und die geheimen Ucktriebe jener Familie aufzudecken. Allein, wer richtet in diesem Lande? Ich hoffe, Ihnen bald den glücklichen Ausgang dieser traurigen Angelegenheit berichten zu können. Ich überliefere diese Geschichte der Oeffentlichreit, welche dieselbe zu brandmarken verstehen wird. Ben David. Feuilleton. Aes Königs ßidaw. (Fortsetzung.) XI. Rabbi Menachem und Esther wurden ein glückliches Ehepaar, über dem der Geist der verewigten Gutta segnend zu schweben schien. Die Geburt eines Sohnes und später die Geburt einer Tochter, die sie Gutta nannten, vollendeten das Glück der Gatten. Da zog sich über den Häuptern der Wilnaer Gemeinde ein schweres Unwetter zusammen. Fürst Paul Radzivil, der Oberherr von Litthauen, der erst kürzlich mit seiner jungen Gemahlin von weiten Reisen zurückgekehrt war, legte der . Gemeinde zu Wilna eine Contribution von 100,000 Dukaten aus, um die Kosten der-Ausrüstung der Regimenter, die der Fürst zu dem eben ausgebrochenen Kriege gegen die Schweden stellen mußte, zu bestreiten. Es war der Gemeinde unmöglich, diese für die damalige Zeit ungeheure Summe zu erschwingen. Man stellte das dem Fürsten vor; dieser aber war unerbittlich; er drohte, die Juden auS Wilna zu vertreiben, wenn nicht zur bestimmten Frist das Geld abgeliesert würde. Damals galt nicht das Recht in der Wett, sondern nur die Gewalt, von der die schwachen und wehrlosen Juden stets am Meisten zu leiden hatten. In solchen Nöthen suchten unsere Vorfahren zuallererst Hilfe bei Gott. Fast- und Bettage wurden angeordnet, und die Synagogen wurden nicht leer von vezweiflungsvollen Betern. Man sandte dann Deputationen über Deputationen an den Fürsten, die aber alle unverrichteter Sache znrückkehrten. Frauen hatten sich an die Fürstin gewandt, diese aber hatte erklärt, ihr Gemahl habe ihr streng verboten, sich in diese Angelegenheit zu mengen. Auch im Hause Rabbi Menachem's herrschte tiefe Trauer; gerade die Wohlhabenderen mußten von diesem Unglücke am härtesten betroffen , ja an den Bettelstab gebracht werden. Man erzählte gerade von den vergeblichen Schritten der Frauen bei der Fürstin, ' VT" fragte Esther: „Wie heißt denn die Fürstin und weffen Tochter ist sie?"

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