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Der Israelit · 1867-09-18 · Heft 38 (18.9.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 38 (18.9.1867)
Date
1867-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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653 das bisher die Norddeutsche Bundesverfassung von der kurzen Zeit seit ihrer Proklamation an uns Israeliten gebracht, so können wir mit Genugthuung und Vertrauen auch noch die weitere Hoffnung in sie setzen, daß sie alle Ausnahmsgesetze, die zum Theil noch wie ein schwerer Alp auf dem jüdisch-religiösen Leben Norddeutschlands lasten, beseitigen und alle mittelalterlichen Zöpfe, wie wir es in einer früheren Correspondenz wünschten, radical wegrasiren wird. Im Königreiche Sachsen öffnete sie schon unfern Glaubensgenossen alle Thore, die ihnen bis jetzt verschlossen waren, in Mecklenburg „touchin" sie schon trotz aller „feierlichen Verwahrungen" gewährleisteter Rechte und räumt mit mittelalterlichem Vor - oder Unrath auf, und hoffentlich wird sie auch in Lippe-Schaumburg die Israeliten in ihr Wahlrecht rehabitiliren, ohne darum die progressiven Fortschritte Clios zu hemmen. — Die Wahl zur ersten Legislaturperiode des Nordd. Reichstages war bekanntlich den 31. August, also an -ünem Sabbat. Wenn wir es nun auch nicht für die verschwindend geringe Anzahl jüdischer Wähler im Verhältnisse zu ihren christl. Mitbürgern in Anspruch nehmen können, daß ihrethalben die Wahl auf einen andern Tag verlegt werden sollte, so meinen wir doch, daß an manchen Orten das Resultat der Wahl ein anderes geworden wäre und so mancher Candidat, der nunmehr unterlegen, vielleicht aus der Urne hätte hervorgehen können, wenn man auch die jüdischen Wähler, resp. den jüdischen Ruhetag berücksichtigt hätte. Besonders in Ostpreußen, wo in manchen Städten und Plätzen die zahlreiche Israel. Bevölkerung den Ausschlag gibt, mußte es für alle Parteischattirungen nicht gleichgiltig sein, wenn ihnen neben der bei der dießmaligen Wahlschlacht zu Tage getretenen Gleichgiltigkeit im Wählen (im Verhältnisse zur ersten Wahl machte dießmal durchschnittlich nur der dritte Theil der Wahlberechtigten von diesem ihrem Rechte Gebrauch) auch noch eine nicht unbedeutende Anzahl jüdischer Stimmen des Sabbats halber verloren ging. Und daß sich doch mancher Jsraelite, der ohnedieß gewählt haben würde, durch seinen Ruhetag davon abhalten ließ, läßt sich namentlich von solchen Landbewohnern denken, die einem entfernt liegenden Wahldiftricte zugetheilt waren. Für einen Hamburger Agitator führte aber der sabbatliche Wahltag noch eine ganz andere Art von Unannehmlichkeit mit sich. Auf einem Wahlbüreau kam es nämlich zwischen einem Lassallaner und seinem Gegner zu einem heftigen Wortwechsel, der nachmals zu Tätlichkeiten ausartete. Dabei wurden dem Lassallaner die Kleider derart vom Leibe gerissen, daß er sich vor decenten Blicken in ein nahes Gebüsch flüchten mußte, während sein Gegner sich zum Wege anschickte, dem armen Opfer seiner Parteiwuth ein neues Bemitleid zu kaufen. Aber — da hatte der roff alle in der nächsten Nähe befindlichen Buden der sog. „Kleiderseller" (Trödler) geschloffen und er mußte nun eine« weiten Gang antreten, während dessen sein armer „Sansculotte" sich mehrere Stunden in seinem Verstecke und in der peinlichsten Lage befand „Die Moral von der Geschicht', man wähle an einem Samstag nicht." — Oeffentliche Blätter berichten von der erfolgreichen Amtsthätigkeit des erst seit Ostern nach Rendsburg berufenen Rabbinen und SchuldirectorS vr. Speier. Die von ihm zeitweilig gehaltenen Predigten üben eine vorzüglich gute Wirkung auf die Zuhörer aus und beklagt man es, daß deren Abhaltung nicht in weiteren Kreisen bekannt gemacht wird, da er dadurch gewiß viel mehr Zuhörer haben würde. Di*. Speier, ein geoornsr Kurheffe, verbindet mit der strengsten Orthodoxie talmudisches Wissen und profane Bildung, und dieß berechtigt die Eltern, deren Kinder seiner Obhut anvertraut, gute Erwartungen für die Zukunft derselben zu hegen. — Der bekannte Social-Demokrat I. M. Hirsch in Erfurt ist, wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, verhaftet worden. Der Inhalt der von ihm veröffentlichten Gedichte, deren ganze Auflage confiscirt worden ist, soll die nächste Veranlassung dazu gegeben haben. - Reisende erzählen uns von einem schrecklichen Unglücke, das an pm rat? den Rabbinen Dp. Philipp so« in Dessau betroffen habe. An diesem Tage waren nämlich Festivitäten veranstaltet zu Ehren des Landesfürsten, der gerade das Jubiläum seiner 50jährigen Regierung beging. Eine der Fähren, welche eine kürzere Verbindung einzelner Stadttheile mit dem Schützenhause und dem Thiergarten vermitteln, hatte eine Anzahl von ungefähr 50 Passagieren zur Ueberfahrt aufgenommea; in dem überfüllten Fahrzeuge brach unter dem Anlehnen Vieler die hölzerne Gallerie zusammen, und 14 Personen stürzten in den Muldenstrom, von denen indeß die meisten gerettet wurden; zwei junge Damen jedoch fanden ihren Tod im Wasser. Das eine Opfer der unglücklichen Katastrophe war die einzige Tochter des dortigen Rabbinen Philippson, die noch am Abende vorher durch ihren Gesang beim Festgottesdienste alle Herzen entzückt und im Festzuge als Ehrenjungfrau mitgewirkt hatte In der Festrede soll Herr Dr. Philippson seine Zuhörer noch aufgeforbtrt haben, sich durch die israel. Nationaltcauer um die Zerstörung Jerusalems doch ja nicht von der Betheiligung an der allgemeinen Feier des folgenden Tages abhalten zu lassen; leider sollte er aber nur auf eine zu bedauerliche Werse daran erinnert werden, daß der neunte Tag des Monats Ab ein Tag der Trauer sei. Hätte aber der geistliche Vater feine Tochter der Vorschrift unsere Weisen gemäß am rot? nicht zu Wasser fahren lassen, so hätte ihr wenigstens die Übertretung dieser Vorschrift nicht das Lebe« gekostet. — In Wien im israelitischen Tempel der Leopoldstadt, wurde den 25. August ein von der kathol. Religion zum Judenthum übergetretenes Mäd-

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