Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1867)
- Date
- 1867-09-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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652 war, Butterbrot» nebst Wurstauflage — in unsrer Gegenwart — und wir, die wir wie versteinert da standen, schamroth wurden und leider Solches zusehen mußten, wurden mit den Prädikaten Orthodoxen, O.und Heuchler beehrt. Ein jüdisches Buch in unfern Händen zu sehen, war ihm in der Seele zuwider. Wenn wir nun trotzdem ruvo *pn u. s. w. studirten und derselbe dazu kam, so ging das liebe Leben an. „Ja, da sitzen sie wieder, die Orthodoxen, und lernen rn»wo, von dem sie Nichts verstehen, als wenn ihnen das was nützen könnte beim Examen. Aber wenn Ihr das nicht unterlasset, so werde ich beim Examen durch mein Zeugniß darauf hinwirken, daß Ihr Alle durchfallet" — dieß waren alsdann seine Worte. Das Lernen beim Oberrabbinen Sutro oder bei sonst einem Privatgelehrten wurde uns aufs Strengste untersagt, und diejenigen.. welche dawiderhandelten, wurden durch Stichelreben, Drohungen, Anspielung auf ihre Zukunft, Stellung rc. gezerrt und alsdann bei den Schulgegenständen immer und immer allein gefragt, und wußten sie ihr Pensum nicht, geschimpft und gequält. Es war gerade damals, daß Friedländer den iSrael. Geschichtsunterricht übernahm. Seine erste Stunde brachte er damit hin, uns unschuldigen Pflänzlein die Ideen des Reform. - Judenthums beizubringen — und zwar in einer solchen krassen Weise, daß mir noch — nach 20 Jahren — die Haare zu Berge stehen, wenn ich zufällig daran denke. Da war die ganze israel. Religion ein Machwerk, von Glauben war keine Rede, die 10 Gebote waren da ebenso menschlich, wie — um mich eines trivialen Ausdruckes zu bedienen — ein Mährchen aus 1001 Nacht. Da war Alles und Alles Materialismus und Neologismus, da gab es keine Auferstehung und keine Unsterblichkeit der Seele u. s. w. u. s. w. Kurz, wer vermag die Facten alle aufzuführen 1 Machte nun irgend Jemand von uns Bessergesinnten Einwendungen dagegen — so war die Erwiederung des geehrten Herrn: „Ich sehe ein, daß an Euch Orthodoxen — die Ihr zu Allem und Allem fähig seid — Hopfen und Malz verloren ist!" Ich aber nahm mir dieses Alles zu Herzen, packte meine Siebensachen ein und verließ dieses Institut schon nach einem Jahre. Ich hatte genug gelernt — und zwar Solches, was man nicht lernen und nicht wissen sollte. Dieses gab mir für mein ganzes Leben eine gute Lehre mit auf den Weg — und sollte sich irgend Jemand bei mir befragen, welches Seminar man zum Eintritte wählen solle — so ist meine Antwort: „Nur nicht nach Münster. Wählet Würzburg, Düsseldorf oder Hannover, wenn Eure Kinder edle Menschen, fromme dhi."p „und Arbeiter im Weinberge des Herrn" im wahrsten Sinne des Wortes werden sollen." Und ihr, die ihr fromme Anstalten (wie z. B. das Würzburger Seminar) bei jeder passenden Gelegenheit mit eurem Geiser beschmutzt, was saget ihr nun, "ll'Ovs ddk ip D’Tjy n&N m oaanna Itröyon 'tw dp,, welche Anstalt verdient nun das meiste Lob, eine solche, in welcher die Schüler ausgebildet werden zu wahrer Frömmigkeit, zur Sittlichkeit, zu treuen D'-nrv, zu moralischen Menschen u. s. w , oder eine solche, in der von all diesem das Gegentheil geschieht? Und ihr, ihr Vorstände, Gemeinden und Behörden, seid vorsichtig in der Wahl eines Seminarlehrers und wisset, was eS heißen will, Büdner und Erzieher von Lehrern zu feinl Lasset euch nicht leiten von momentanen Sonderinteressen, sondern erwäget und prüfet und das Beste behaltet! Sch. I. O. L..... Lübeck, im Elul. (Prroatmitth.) In unserem Referate in Nr. 34 d. Bl. berichteten wir, wie sich in unserem Nachbarland Mecklenburg-Schwerin jetzt schon die Folgen der erst kürzlich publicirten ReichSoerfassung des Norddeutschen Bundes zu Gunsten unserer Glaubensgenossen dortselbst geltend gemacht durch den Erlaß der Gebühren, die Juden für Ministerial- Concessionen zur Erlangung des Bürgerrechts in Städten in jenem Lande noch zu erlegen hatten. Wir sind heute wiederum im Stande, einen witeren Fortschritt, den die mehrerwähnte Reichsverfassung zur Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen herbeigeführt, zu regisiriren. Ein Regierungsreicript hat nämlich dem hohen Rathe der Stadt Rostock aufgegeben, binnen drei Wochen darüber zu berichten, aus welchen Gründen die Aufnahme der Juden daselbst noch verweigert werde. Ein hoher Rath hat sich in seiner Sitzung vom 26.August für die Aufnahme der Juden erklärt und ebenso init weitaus überwiegender Majorität das zweite Quartier; das erste Quartier war nicht beschlußfähig, da sich nicht die hinreichende Anzahl von Mitgliedern eingefunden hatte, doch steht nicht zu bezweifeln, daß sich auch dieses Quartier mit der Abschaffung jenes mittelalterlichen Gesetzes, das d-m Juden den Aufenthalt in Rostock verbietet, einverstanden erklären wird, zumal es im eigenen Interesse der Stadt liegt und für den Wohlstand Rostocks von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein wird. Auch in Wismar hat man sich fchon int längerer Zeit mit dieser wichtigen Frage beschäftigt, unv können wir gier die erfreuliche Mittheilung machen, daß der Bürger-Ausschuß der Stadt Wismar vollkommen die Ertheilung von bürgerlichen Rechten an die Juden billigt und sich sogar mit einer hierauf bezüglichen Eingabe an Einen Hohen Rath gewendet hat. Letzterer hat nun zwar keine direct zustimmende Antwort ertheilt, allein nach zuverlässigen Quellen können wir erklären, daß der Niederlassung von Juden überhaupt und der Zulassung derselben zum bürgerlichen Nahrungsbetriebe, sowie zur Erwerbung von Grundbesitz in Wismar bei sonstiger Qualification nichts im Wege stehen würde. Fassen wir nun in Kurzem all das Gute in's Auge»