Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1867)
- Date
- 1867-09-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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651 —, das ef sich ja ganz besonderszur Aufgabe gemacht, das Gute und Zweckmäßige solcher Anstalten zu loben uno das Verkehrte und Unzweckmäßige zu tadeln und an den öffentlichen Pranger zu stellen — vorzulegen. Ich erzähle diese Episoden aus keiner andern Absicht, als zu zeigen, welche „Krebsschaden im Judenthum" noch existiren und welche Vorsicht bei der Anstellung eines Senimaxlehrers nothwendig ist, wenn das Seminar — wie schon im Worte angedeutet — eine Pflonzschule der Frömmigkeit, der Religiösität und der Charakterstärke werden soll — und nicht eine Pflanzstätte des Jndifferentismus, Materialismus und Neologismus. Doch hören wir: „Es war in den 40er Jahren," so erzählte mein Freund, „als ich mich — schon nicht mehr in allzujugendlichem Alter stehend — dazu entschloß, Lehrer zu werden und zwar aus keinem andern Grunde als D’mn nzro seiy zu können, b. h. Lehrer und Erzieher aus reinster Ueberzeugung und aus edlem Herzensdrang zu werden. Ich hätte ja jedes beliebige andere, mehr lohnende Geschäft — da mich der Herr mit Glücksgütern gesegnet — ergreifen können, aber — um mit dem Dichter zu reden — „ist das Schulmeisteramt das allernützlichste, größeste und beste Werk, und ist noch nicht evident ausgemacht, ob Schul- oder Predigtamt das beste sei." Ich bereitete mich also bei einem tüchtigen Manne — Rector und Lehrer meines Geburtsortes — zum Eintritte ins Seminar in allen deutschen Schulwiffenschaften vor. Was nun die jüdischen Fächer betraf, so erhielt ich bei verschiedenen jüdischen Lehrern meines Orts Unterricht in allen hebr. Fächern in -pn, und verschiedenen andern und hatte ich es in letzlern Gegenständen ziemlich weit gebracht. Was meine häusliche Erziehung betrifft, so war diese eine rein jüdische. Mein Vater — Gott verlängere sein Leben, — jetzt ein Mann von 92 Jahren, strebte nur immer dahin mit Leib und Seele, uns Kinder zu erziehen nttnpn un-nro in Gottes heiliger Lehre, welche ist eine Quelle des reinsten Segens, und welche uns zeigt den Weg des Glückes und des Heiles. Als ich mich nun hinreichend zum Präparanden - Examen vorbereitet glaubte, wurde in einem Familien - Rathe beschlossen, daß ich das Seminar zu Münster besuchen solle. Und so kam es auch. Hätte ich aber zu der Zeit schon gewußt, welchen Standpunkt dieses Seminar einnehme, wie es ganz und gar nicht im Boden des Judenthums wurzele, daß der Zweck desselben sei, die Schüler zu Freidenkern, Läugnern des Judenlhums herapzubilden, so hätte ich mich nie und nimmer dazu entschließen könneu, ein solches Institut zu besuchen. Doch durch Schahen wird man klug! — War es ja gerade um hie Zeit, daß durch die Berufung des vr. S. Friedländer, kurze Zeit vor meinem Eintritte , im Innern dieser Anstalt, schwere. Kämpfe herausheschworen wurden. Der junge, feurige, jedenfalls sehr begabte Dr. Friedländer, hatte Theologie und Philologie studirt, war Prediger der Reform-Gemeinde in Berlin und hatte dem Schulfache fern gestanden. Als derselbe aus wohl bekannten Gründe» feines Prediger-Amtes enthoben wurde, berief ihn der Gründer des Seminars, Profeffor Haindorf — aus Mitleid — an das Seminar, wo derselbe einen Zufluchtshafen fand. Hier übernahm er neben seinem Lehramte zugleich die Predigerftelle der Reformgemeinde in Münster, wo die Gemeinde sich in 2 sich heftig bekämpfende Parteien getheilt hatte. Sein ganzes Streben ging nun dahin, die Seminaristen zu bewegen, seinen reformistischen Gottesdienst zu besuchen. Viele Schüler, ließen sich auch hierzu bewegen, aber ich und noch 2 meiner würdigen College», wir hielten aus, ließen uns nicht einschüchtern und besuchten den Gottesdienst des ehrwürdigen Rabbiners Sutro. Che Fxiedkänder die Stelle antrat, hatten die Seminaristen einen eigenen Gottesdienst unter der Leitung des sehr gelehrten, frommen und würdigen Lehrers Cohn und wechselte das Vorbeten der Reihe nach ab. Auch wurden frrcher die Zöglinge im Cantordienste von dem würdigen Cantor Selig Heimann unterrichtet, um sie für ihren spätern Beruf vorzubereiten — aber alles Dieses wurde anders, als von Berlin aus -die Sonne der Intelligenz und Aufklärung ä I» Holdheim 1 in Münster aufgegangen war. „Das Judenthum muß veredelt werden, die Orthodoxie muß schwinden, Aufklärung ist die Parole des Tages," hieß es auf einmal — und eS schien auf einmal ein ganz anderer Geist in das Seminar in Münster gekommen zu sein — aber doch nur scheinbar, denn im Innern waren die Grundsäulen dieses Gebäudes faul, und der Bau schien dem Einstürze nahe. Wie ganz anders aber wäre es gewesen, wenn man dem bekannten sehr frommen und gelehrten Oberradbinen Sutro das Seminar anvertraut hätte, welche Jünger wären da dem Judenthume entsprossen, welche Führer der Jugend wärm da entstanden und welches Glück und Heil hätte alsdann ein solches Institut gestiftet! Doch das Gute und Zweckmäßige wurde negirt; Frömmigkeit und Tugend, Moralität nnd Judenthum waren in den Hintergrund ge-- drängt; der fromme und gelehrte Oberlehrer Cohn ward bei Seite geschoben — und behielt die Stelle als Oberlehrer nur noch dem Ramm nach — und zwar aus keinem andern Grunde, als daß er die ihm anvertrauten Schüler erzog zur Religiösität und Moralität. Friedländer ward der Held des Tages. Wie weit dieser ging und welche Extravaganzen sich dieser Mann erlaubte, davon will ich nur einige Beispiele anführen. Wir machtm in der erstm Zeit einige Exkursionen mit ihm. Da traf es sich denn auch zuweilen, daß etwas dmirt wurde. Friedländer aß ganz gemüthlich mit seinen Jüngern — dmen noch kein selbstständiges- Urtheil in dieser Sache zuzutraum