Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1867)
- Date
- 1867-09-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 37 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Gericht. Moderne deutsche Belletristik. Die gediegene Beurtheilung des Romans: „Jane, die Jüdin, von P. Galen, Berlin, Otto Janke," in diesem geschätzten Blatte veranlaßte mich, überhaupt einen Blick auf die moderne deutsche Belletristik zu werfen. Von Janke's Verlag wollen wir ganzabsehen; hier scheint es zumeist Buchhändler - Speculation, die immer wieder jüdische Kar—rikaturen vorführt. So begann der erste Jahrgang der in diesem Verlage erscheinenden Roman-Zeitung mit: Hungerpastor von Korvinus (Rade). Kam da schon das orthodoxe Judenthum schlecht weg, so erging es dem modernen noch schlimmer. Zur Ausgleichung begann der zweite Jahrgang mit: Lemderger und Sohn von Alfred Meißner — beiläufig gesagt, einem sehr faden, gehaltlosen Machwerk — wo wieder die neuere Richtung gegen die alte hervorgehoben ist; der dritte Jahrgang hat wieder einen bändereichen Roman: des j Rabbi Vermächtnis. — Ueberhaupt hieße es leeres Stroh dreschen, wenn Man mit den meisten deutschen Roman-Scriblern, die zum Bilden, Belehren und Unterhalten ihrer Leser zu schreiben vorgeben und dabei die stereotype Charactermaske eines Juden, zuweilen noch nach der verbesserten Schablone des Herrn Hofrath Gustav Freitag bringen — erst rechten wollte. Wir können also Namen, wie: Mein hold, Gustav von See, Baron von Maltiz, Griesinger u. a. m. mit Stillschweigen übergehen und es dem immer mehr sich herausbildenden gesunden, klaren Geist des deutschen Volkes anheimgeben, mit ihren Machwerken allein fertig zu werden. Zeigt sich ja dieser immer mehr erstarkende Geist auch bei manchen wahren Volksschriftstellern: so führt uns Otto Ruppius in seinen Juden auch wirkliche Menschen und keine wirre Wahngebilde vor. Wir können dieß nicht bloß seinem mehrjährigen Aufenthalt in Amerika zuschreiben, da Andere, z. B. der Schwabe Griesinger, trotzdem, daß er in Amerika Antiquarhandel und Gastwirthschaft getrieben, sich auch nach seiner Rückkehr als derselbe Judenfresser, der er früher gewesen, kund gibt. Als eine ganz außerordentliche Leistung, wie weit der Judenhaß gehen kann, wüsten wir aber den Roman: Hamlet, von A. E. Brachvogel, denzuerst die Breslauer Zeitung im Feuilleton brachte, bezeichnen. Hier wird von der Ignoranz, die man bei gewöhnlichen Romanschreibern oft zu finden und zu entschuldigen gewohnt ist, ein zu übertriebener, ungebührlicher Gebrauch gemacht. Muß es schon von einem Juristen überraschen, daß er die Erfindung der Wechsel den Juden zum Vorwurf macht; so kann man doch glauben, daß er durch tiefes Quellenstudium dieses sonst noch zweifelhafte Resultat erlangt und ihn um deßfallsige Belehrung ersuchen. Dieß dürfte aber bei John C o m b e, den Brachvogel einen jüdischen Wucherer nennt, nicht angehen. Ein bekannter Wucherer war John Combe wohl, aber von Kindesbeinen als Christ geboren und getauft. Ist ja sogar die witzige improvisiere Grabschrift, die Shakespeare dem Wucherer noch bei Lebzeiten machte, bekannt: „Ten in the hundred lies here ingrav’d; ” „’tis a hundred to ten, his soul is no sav’d: „If any man ask: Who lies in this tomb? „Oh! oh! quoth the devil, ’tis my John-a Combe.“ Das sind aber alles nur Kleinigkeiten gegen folj gende Stelle: „Das Drama — der Kaufmann von „Venedig — gewann demselben — dem Verfasser — „nicht bloß wie der Sommernachtstraum die Gunst „der vornehmen Welt, sondern des Volkes in allen sei- „nen Schichten; es machte das Bürgerrhum zu seinem „Freunde. Dieser allgemeine Beifall lag nicht in der „genialen Behandlung allein, sondern auch in der Wahl „des Stoffes selbst. Shakespeare hatte in ihm eine „Frage angeregt, die namentlich dem bürgerlichen Pu- „blikum tief in die Seele brannte: der Haß gegen „das Judenthum, die Stellung dieser verachteten Elaste „von Fremdlingen in der christlichen Welt und die „furchtbare Rache, welche sie für dieselbe an Gut und „Blut von Hoch und Niedrig damals zu nehmen verbanden". Hat Narzistus Brachvogel wirklich so gar wenig in seiner Jugend gelernt, daß er nicht einmal weiß, wie die Juden im Jahre 1290 ans England vertrieben wurden und bis zum Jahre 1658, wo ihnen erst Cromwell durch Manasseh ben Israel die Rückkehr gestattete, das ungastliche Eiland meiden mußten! In dieser langen Zwischenzeit von fast 400 Jahren kamen die schrecklichsten, blutigsten, bis zum Königsmord gesteigerten Bürgerkriege vor, die alle ohne Aufreizung und Mitwirkung jüdischer Demokraten stattfanden! — Auch zur Zeit der Königin Elisabeth, wo gar keine Juden in England wohnten, wurde es für nöthig erachtet, Münzbeschneider, ebenso