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Der Israelit · 1867-09-11 · Heft 37 (11.9.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 37 (11.9.1867)
Date
1867-09-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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640 -ie Last abnehme; ich bin bereit, die 3,000 Gulden aus eigenen Mitteln zu tragen!" Ein Gemurmel des Beifalls durchzog die Versammlung. Der Oberrabbiner reichte dem Sprecher die Hand und rief: Gott segne Euch, Rabbi Menachem, und ersetze Euch hundertfach das große Opfer, das zu bringen Ihr io freiwillig übernommen habt." Rabbi Menachem ging nach Hause, um seine Gattin, Gutta, von feinem Entschlüsse zu benachrichtigen und das Geld zu bolen. Gutta segnete ihren Gemahl ob seines großmüthigen Entschlußes. Noch an demselben Tage reiste Rabbi Menachem mit dem Boten der Räuber, um Esther abzuholen. In einem einsamen Wirthshause an der Landstraße fand er den Hauptmann, dem er das Geld überlieferte; dann führte ihm Wratislaw das zitternde Mädchen zu. „Haltet sie gut," sprach der Näuberhauptmann, „sie verdient es." Rabbi Menachem sührte Esther in sein Haus; Gutta empfing sie mit der größten Freundlichkeit. „Armes Mädchen," sprach sie, „so jung, so schön, und hast schon so viel leiden müssen!" „ O," entgegnete Esther, „laßt mich Eure Magd sein. Ihr habt mich gekauft um hohen Preis, und ich bin Euer Eigenthum; ich will Euch dienen wie die Sclavin der Herrin." „Nicht doch," antwortete Gutta, „meine Freundin, meine Schwester, meine Tochter sollst Du sein. Gott hat mir Kinder versagt; ich betrachte Dich als ein werthvolles Gottesgeschenk!" So blieb denn Estber im Hause Menachem's; sie , erzählte wohl von ihrer frühen Kindheit, von der sanften Mutter und dem gelehrten Vater; aber niemals erwähnte sie ihres Aufenthaltes am Königshofe; sie fürchtete noch immer, dahin zmückgeholt zu werden und so sich neuen Kämpfen auszusetzen. Es war ein echtjüdisches Haus, das Haus Rabbi Menachem's, der ein wohlhabender Mann war und! der die Armen zu seinen Hausgenossen machte. Hier! waltete echtjüdische Sitte und der Geist der heiligen ■ Thora, deren Studium Rabbi Menachem stets einige j Stunden des Tages und die halben Nächte widmete, j Dabei war er ein tüchtiger Kaufmann, und Gottes! Segen rußte sichtlich auf allen feinen Unternehmungen. , Seine Gattin Gutta war ein Engel an Milde und | Sanstmuth; sie machte das Hans Rabbi MenachemS j zu einem Tempel der Wohlthätigkeit, zu dem die Be-! -rängten und Bekümmerten wallfahrten, und den sie , getröstet und erquickt verließen. Wie manche Thräne z wurde da getrocknet, wie mancher Roth gründlich ab- > geholfen, wie viele Verzweiflung? volle Herzen dem Lej den und der Freude zurückaegeben! — > Esther fühlte sich sofort heimisch in diesem Hause; oft verglich sie das Leben hier mit dem am königlichen Hose, mit dem Jagen nach Vergnügen und Lust, und niemals sehnte sie sich zurück noch jener eitlen Pracht, niemals sehnte sie sich hinweg aus dem Haute Rabbi Menachem's. Allein der frohe und zufriedene Zustand sollte nicht lange währen. Gutta war zu gut für diese Wett; sie gehörte zu jenen feinbesaiteten Naturen, deren edler Geist in einer zu zarten Hülle wohnt, sie gehörte zu denjenigen Personen, die der Allgütige auf die Erde gesandt zu haben scheint, um uns eine Vorstellung zu geben von Seinen Engeln im Himmel, die Er aber nach kurzem Erdenleben in Seinen Himmel zurückruft. Zwei Jahre waren vergangen, seitdem Esther in das Haus Nabdi Menachem's eingetreten war; sie zählte jetzt vierzehn Jahre und war vollständig herangewachsen. Da nahm Gutta eines Tages Rabbi Menachem bei Seite und sprach zu ihm: „Mein geliebter Mann, ich fühle mein Ende herannahen." „O, sprich nicht so!" rief Rabbi Menachem, das Auge voll Thränen. „Was hilft es," entgegnete Gutta, „sich der Wahrheit zu verschließen? Wann die Blätter von den Bäumen fallen, dann wird man mich hinaustragen nach jenem stillen Ort, wo schon so Viele ruhen. Du, geliebter Mann, stehst noch in jugendlichem Alter, Du darfst nicht ohne Gattin bleiben. O, wähle Dir unsere Esther; sie ist eine Perle, wie es keine kostbarere gibt auf der weiten Erde." Laut weinend umarmte Rabbi Menachem die geliebte Gattin und bat sie, sich der trüben Gedanken zu ent'chlagen. Diese aber suchte Esther aus und erzählte rhr, was sie mit Rabbi Menachem gesprochen und bat sie, den edlen Mann zu beglücken, wann es ihr selbst nicht mehr möglich sein würde. Auch Esther suchte der theuren Freundin den Gedanken an den Tod zu verscheuchen. Ach, Gutta hatte nur zu wahr gesprochen; als die Blätter von den Bäumen fielen, nach dem Ausgange des Hüttenfeftes, trug man sie an jenen Ort, wo die Tobten ruhen, bis der Herr sie in's Lebt» zurückruftn wird. Rabbi Menachem bat seine Schwester, die trostlose Estber bei sich aufzunehmen. Hier blieb das junge Mädchen ein ganzes Jahr, bis die drei Feste des Herrn dahingezogen waren; dann wurde sie Rabbi Menachem's Weib. (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage. Serontrvortliche Aedaction: Dr. Lehmann. Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. — Dampf - Schnellprefsendruck von: I. Gottsleben in Mainz.

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