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Der Israelit · 1867-09-11 · Heft 37 (11.9.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 37 (11.9.1867)
Date
1867-09-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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639 Amerika. New - Aork. Bereits haben wir unfern ge-, -ehrten Lesern mitgetheilt, daß unsere Glaubensgenossen in den Vereinigten Staaten mit der Idee umgehen, ein israel. College zu gründen. Neuern Nachrichten zufolge ist die Idee schon zur That geworden. Das Etablissement, welches MaimonideS College heißt, wurde in Philadelphia von einer Anzahl Israeliten aus den Vereinigten Staaten in Verbindung mit der isr. Erziehungsgesellschaft zu Philadelphia errichtet. Vorerst werden demselben sieben Administratoren vorstehen; in einem fünfjährigen Cursus sollen die profanen und religiösen Wissenschaften gelehrt werden. Rabbiner (?) und Vorsänger werden in demselben ausgebildet. Auch wird zu diesem College eine Borbereitungsschule gegründet. Das College soll den 28. Oktober d. I. eröffnet werden. Afrika. Tunis. Leider kann ich Ihnen heute keine gute Nachrichten mittheilen; noch immer wüthet die Cholera dahier und fordert mit jedem Tage mehr Opfer. Bis zum 26. Juli starben 2000 Israeliten, ebensoviele Christen und noch weit mehr Muhamedaner an dieser Krankheit. (Libanon.) Jeuilletpn. Des Königs Hidam. (Fortsetzung.) X. Seit Jahrhunderten ist Wilna eine Haupt- und Mutterstadt in Israel; dort wohnen mehr als 30,000 jüdische Seelen , nicht, wie einst in Deutschland, le^ diglich dem Kleinhandel, sondern fast allen Künsten und Handwerken ergeben. Hier wird ein Haus gebaut von jüdischen Zimmerleuten und Maurern, welche die Schaufäden an rhren Arbeitskleidern tragen; dort beschlägt ein jüdischer Hufschmied die Pferde und ein jüdischer Grobschmied läßt hart den Hammer auf den Ambos fallen. An der Spitze der Gemeinde standen von jeher große, berühmte Rabbinen, denen ein Rabbinatscollegium beigegeben ist. Es muß wohl etwas Wichtiges Vorgehen in der Gemeinde, denn man sieht die Rabbinen wie die Vorsteher nach dem Gemeindehause eilen; die Handwerker unterbrechen einen Augenblick ihre Arbeit, um die Vater der Gemeinde ehrerbietig zu grüßen. Da das Collegium versammelt ist, eröffnet der Oberrabbiner die Sitzung. „Meine Brüder," redet er die Versammelten an „ich habe Euch um einer großen und heiligen Sache willen versammelt. Es ist ein Bote von dem berüchtigten Räuberhauptmann Wratislaw an mich gesandt worden. Die Ränder haben ein jüdisches Mädchen gefangen und verlangen ein Lösegeld von 3,000 polnischen Gulden.*)" „Kennt Ihr," fragte einer der Vorsteher, „den Namen des Kindes und den seiner Eltern? " „ Ich kenne ihn nicht," antwortete der Rabbi. „Das Mädchen behauptet, eine elternlose Waise und von grausamen Verwandten entstohen zu sein, die es zwingen wollten, sich taufen zu lassen; es weigert sich aber hartnäckig, den Namen seiner Verwandten zu nennen!" „Und für eine Unbekannte," nahm der Vorsteher das Wort, „sollen wir 3,000 Gulden zahlen, während die Gemeinde in Folge der Kosackenkriege verarmt ist? Ihr wißt doch, Rabbi, was die Weisen lehren: Man soll die Gefangenen nicht höher als um ihren Sclavenwerth auslösen, damit die Räuber nicht Geschmack daran finden, Juden zu rauben und um hohen Preis zu verwerthen l Ich schlage vor, daß man den Räubern 500 Gulden biete, und im Weigerungsfälle das Mädchen seinem Schicksale überlasse." „Erlaubt mir, Herr Vorsteher," entgegnete der Rabbi, „Euch zu bemerken, daß die von Euch erwähnte Vorschrift der Weisen auch Ausnahmen kennt, in denen es geboten, größere Opfer zu bringen. Wie mir der Bote berichtet hat, würden die Räuber den geringsten Anlaß gern ergreifen, das wunderbar schöne Mädchen bei sich zu behalten und für ihren Hauptmann zu bestimmen. Er warnte mich ausdrücklich davor, zu feilschen oder zu mäkeln." Dann erzählte der Rabbi ausführlich, was er von dem Boten vernommen; er erzählte von dem gefangenen Rabbi, in dem der Hauptmann einen Jugendgespielen erkannt hatte; er erzählte von dem Heldenmuthe des Mädchens und von seinem glühenden Eifer für den heiligen Glauben der Väter. Alles war hingerissen von den beredten Worten des Rabbi, nur der erste Vorsteher nicht; er blieb dabei, daß die verarmte Gemeinde nicht im Stande sei, so große Opfer zu bringen. Seufzend mußten die | übrigen Vorsteher ihm Recht geben. , Da erhob sich der Jüngste in der Versammlung, Rabbi Menacham hieß er; er war erst unlängst in daS Collegium der Gemeinde eingetreten. „Ehrwürdige und geehrte Herren," sprach er, „erlaubet mir, daß ich in diesem Falle der Gemeinde *) Ein polnischer Gulden — V« Thlr.

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