Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1867)
- Date
- 1867-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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638 Tausstg aus Trebitsch, als Staatsdiener für die Bausektion in Gegenwart des Predigers Dr. Jellinek beeidet worden. (Frmdbl.) Prag, den 28. August. Die Prager Cultusgemeinde-Reprüsentanz geht jetzt eifrig an's Werk, ein neues Cultusgemeindestatut auszuarbeiten, welches ganz genau die Competenz des Rabbinats, der Repräsentanz und der verschiedenen Gemeindebeamten normiren soll. Ein engeres Comit6 mit dem Obmann Herrn Professor Di*. Wessely hat die Aufgabe, das Material zu sichten und einen paffenden Entwurf auszuarbeiten. Es soll durch dieses Statut das jetzt unbestimmte Verhältniß der Synagogengemeinden zur Hanptgemeinde gehörig bestimmt werden, wodurch für die Zukunft unliebsamen Eonfiicten vorgebeugt werden dürfte. Vorige Woche verschied hier der Chef des Bankhauses Herr Leopold Ritter von Lämmel im hohen Alter von 77 Jahren. Die großen Verdienste des Verewigten um die Prager Judengemeinde fallen in eine Zeit, wo dieselbe sich noch unter den drückendsten Verhältniffen befand. Es war vor 30 Jahren, als von Seiten der Behörde der Plan angeregt war, den alten jüdischen Friedhot, wo die berühmtesten Rabbinen und Gelehrten ihre Ruhestätte gefunden, zu kassiren und den gewonnenen Raum in Baustellen zu parcelliren, um die Judenftadt auf diese Weise zu erweitern. Man kann sich denken, welche Bestürzung dieses Projekt in der Gemeinde bervorrns. Herr von Lämmel, der schon damals bei den höchsten Autoritäten großes Ansehen genoß, vermittelte, und das Ganze lies dann auf eine Regulirnng der Einfriedigungsmauer hinaus. Der Wohltbätigkeitssinn des Verstorbenen war allgemein bekannt, und die Armen fanden stets an ihm eine reiche Stütze. Im Jahre 1861 wurde er von Wählern der Iosepbstadt zum böhmischen Landtagsdeputirten gewählt, welches Mandat er ebenfalls in ehrenvoller Weise dazu benützte, die Nationalen für das Interesse seiner Glaubensgenoffen zu gewinnen; wegen Kränklichkeit legte er die Deputirtenstelle nieder. Zugleich wer er Mitbegründer der von seinen Eltern hier gestifteten Versorgungsanstalt für alte, arme Leute. An dem Begräbniß betheiligten sich sämmtliche Bürgercorps mit der Musikkapelle, die Stadtverordneten, Hand» lskammern, Eisenbahnverwaltung, auch die k. k. Statthaltern war repräsentirt Der prachtvoll dekorirle Leichenwagen war mit den verschiedenen Ordensinfitznien, deren Besitzer der Verewigte war und mit dem Tsako und Degen eines Ofsizieres der k. k. Bürger-Scharfschützen, geschmückt. Am Friedhof hielt in Abwesenheit des Proseffors Or. Kämpf Herr vr. Stein die Leichenrede, bei welcher auch die Herren vr. Rieger und Palatzky anwesend waren. Heute fand in der Synagoge der „Persorgungs- Anstalt" eine Trauerfeier statt, die ebenfalls von vr. Stein abgehalten wurde und von allen Avverrvandterr und einem gewählten Publikum besucht war. PreHbrrrg. In dem bei Schütt-Szerdahely (Preßburger Komitat) liegenden Dorfe Tökös lebte, wie der „Pr." geschrieben wird, seit vierzig Jahren eine israelitische Familie, die feit jeher im Dorfe ein Wirthsgeschäft betrieben und in allgemeiner Achtung! stand. In der Nacht des 23. August wurde nun die i ganze Familie, die sich im Hause befand, in schändlii cher Weise ermordet. Die Familie bestand aus einer i 76jährigen schwachen Frau, der Mutter des eben bei! ihr wohnenden Sohnes, ferner der Frau des Letzteren, und einem dreijährigen Knaben und noch einem Kinde, i welche olle das Opfer der elenden Mörder wurden.! Die Ermordung der Unglücklichen geschah in der grauj samsten Werse; dem dreijährigen Kinde, das doch mit einem Streiche den Tod haben konnte, wurde eine Hand abgehackt und eine Auge ausgestochen. Als man dem Stuhlrichter in Szerdahely Morgens die furchtbare Thal anzeigte, soll er nicht besondern Eifer gezeigt haben, um die Verbrecher zu eruiren. Er soll bei der Anzeige bemerkt haben, „er könne jetzt die Geschichte nicht ausnehmen, weil er eine Exekution vorzunehmen habe;" der zweite Stuhlrtchter, an welchen man sich dann wendete, erklärte, das Dorf Tökös gehöre nicht in seinen Bezirk, auch habe er Tagsatzungen vorzunehmen. Erst Nachmittags entschloß sich der erste Stuhlrichter, nachdem er den Vorsteher der Judengemeinde um einen Wagen ersuchte hatte, an den Ort des Ver-! brechens sich zu begeben. Daß bei dieser gemüthlichen i Justiz die Mörder noch nicht in den Händen der Bei Hörde sich befinden, ist nur zu begreiflich. In Szer-! dahely selbst ist die Stimmung gegen die Juden ohnej dies keine derartige, welche erwarten laffen könne, daß die Bevölkerung auch ohne Energie der Behörde sich von Gewaltthaten zurückhalten laffen werde/ In die-! dem Orte cirfulirfe in Beziehung auf den furchtbaren! Mord unter den Bauern bios das herzlose Wort: l „Nost Tökesen tiz kraiczi»r6n raernek a Zsido hüst,“ zu deutsch: „Jetzt wägt man in Tökös um zehn Kreuzer das Judenfleisch!!" Frankreich. Paris. Zur Errinnerung an die glückliche Errettung der Kaiser von Frankreich und Rußland, von dem Attentate im Boi» de Boulogne hat Herr Günzburg, Banqvier in Paris, eine Summe von 40,000 Fr. zum Ankauf von 3 procentigen Renten bestimmt, deren Zinsen alljährlich zur Erziehung von vier armen Arbeiterinnen verwendet werden sollen. Herr Günzburg hat bei derselben Gelegenheit zwanzig Wohlthätigkeitscomilvs die Summe von 10,000 Fr. zur Verkeilung an die Armen übergeben. (Univ.. Jsr.)