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Der Israelit · 1867-09-11 · Heft 37 (11.9.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 37 (11.9.1867)
Date
1867-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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636 men. Die Redaction selbst wird die Gefälligkeit haben, zu bezeugen, daß der Correspondent ihr glaubwürdig genug erscheine, um über das Fabrikat bei E. Seelig, welches durch I. Strauß Söhne beaufsichtigt wird. dieses Zeugniß auszusprechen. *) Erst durch Herrn I. Strauß Sohn sind die diesseitigen Rabbinate auf die Cichorienfabrikation aufmerksam geworden, und ecu nachdem Herr Seelig die Einsichtnahme und Ueberwachung seiner Fabrik für jüdische Zwecke in dankenswerther Weise gestattet hatte und dies veröffentlicht worden war, gestanden auch andere Fabriken zu, daß eine Beaufsichtigung auch bei ihnen nothwendig und eingesührt worden sei. Es ist recht und zweckmäßig, wenn in andern Orten mit der gleichen religiösen Strenge bei der Fabrikation verfahren werden sollte wie hiev, um den Bedarf nach jeder Seite hin zu decken; aber es darf dem concurrirenden Eigennutz nicht erlaubt sein, den Wahn zu verbreiten, nur in Seelig's Fabrik werde Schweinefett verwendet und nur dessen Fabrikat bedürfe einer Aussicht. Die Reisenden dieser Häuser sind bei Kunden und Konsumenten dem Jrrthum begegnet, als ob Seeüg's Cichorie, auch wenn sie als koscher declarirt ist, dem Israeliten verboten wäre, während dieselbe besonders auch in dieser Beziehung eine Garantie bietet, wie sie nirgends bester sein kann. Dieses zur Steuer der Wahrheit, t3-n ntpjp. ’hdn Ntergentheirn. Dro Bewerber um das hiesige Bezirksrabbrnat, mit welchem neben freier Wohnung, den Gebühren von Casualfällen und sonstigen Emolumenten dermalen ein fixer Gehalt von 650 fl. verbunden ist. werden aufgefordert, sich unter Angabe ihrer persönlichen und Familienverhältnisse und ihrer Bildungslaufbahn binnen drei Wochen bei der K. israel. Ober-Kirchenbehörde zu melden. Ern Circularerlaß der Ober - Kirchenbehörde hat den Rabbinen die tröstliche Mittheilung gebracht, daß das K. Cultusministerium die Ausbesserung der Rabbma.sgehalte im Staatsetat vro 1867/70, der demnächst den Landständen zur Genehmigung wird vorgelegt werden, vorgesehen habe. Eine wesentliche Aufbesserung aber wird nur dann erzielt werden können, wenn. entsprechend den Uebersiedelungen vom Lande in die Stadt und den vermehrten Eisenbahnverbindungen, die Zahl der Rabbinatsbezirke vermindert und damit einem längst und oft ausgesprochenen Volkswillen entsprochen werden würde. Nordstetten. Am 13. Aug. d. I. starb hier der Nestor der »urttemb. Lehrer, der pensionirte Schullehrer Frankfurter, ein Bruder des verstorbenen Predigers in Hamburg,»und einstiger Lehrer des berühmten Auerbach. Gelingen. Das K. Oberamt hat entschieden, daß die Gemeinde Eßlingen schuldig sei, den Jsrae- *) Geschieht hiernit. — Red. liten einen besonder» Begräbnißplatz, worüber in diesen Blättern seiner Zeit Bericht erstattet wurde, einzuräumen, weil ihr CultuS ihnen verbiete, von dem Anerbieten Gebrauch zu machen, ihre Tobten auf dem für alle hiesigen Einwohner eingeräumten Friedhof zu beerdigen. Der Gemeinderath hat den Recurs gegen diese Entscheidung angemeldet. Sollte die Entscheidung des K. Oberamts auch von den höheren Instanzen bestätigt werden, so hat dieselbe für die übrigen Gemeinden des Landes, wenn nicht rückwirkend, so doch für die Zukunft finanziell wichtige Folgen. Aus Kurhessen. Habe ich Dich, geehrter Leser, in Nr. 32 dieses geschätzten Blattes mit den unerquicklichen jüdischen Zuständen der Provinz Westphalen bekannt zu inachen gesucht, habe ich Dir gezeigt, wie daselbst Neologismus, Jnoifferentismus und Materialismus gleich Giftpflanzen mächtig emporblühen und das Judenthum scheinbar zu ersticken suchen, so soll es für dieses Mal meine Aufgabe sein, Dir etwas Näheres über das ehemalige Kucfürstentyum — jetzt preußische Provinz Hessen — und seine jüdischen Zustände mitzutheilen. Die Provinz Hessen bildet in vielen Beziehungen das Gegentheil von Westphalen. Während z. B. in Westphalen das Judenthum schernbar tobt daniederliegt, blüht es in Kurheffen mächtig empor; während in Westphalen Materialismus, Neologismus und Jndifferentismus zu Hause find, finden wir in Kurhessen noch trmen Glauben an unsere heilige Religion, strenges Festhalten an den heiligen Gesetzen und Lehren, während wir in Westphalen bei einer jüdischen Bevölkerung von circa 12,000 Seelen nur einen Rabbinen wirken sehen, finden wir in Kurhessen bei einer jüd. Bevölkerung von circa 10,000 Seelen deren 8, unter denen sich Männer befinden, welche der Stolz des Judenthums sind, Männer, die da wachen als jonj nyn — tceue Ritten über Gemeinden und Schulen, welche das Volk belehren und ihm überall mit gutem Beispiele oorangeyen sowohl durch Worte als durch Thrten. Wir erinnern nur an die ehrwürdigen Herren Rabbinen Wetzlar in Gudensberg, Dr. Enoch (ehemaliger Herausgeber des ZionSwächter) in Fulda, Dr. Frankel inWitzenhausen, Schwarzschild in Schlüchtern rc. lauter Männer von Energie und Kraft. Wahrlich eine Provinz, die solche Männer aufzuweisen hat, verdient vor allen Dmgen uniere besondere Beachtung. Die Provinz Hessen umfaßt em Areal von etwa 210 ll! Meilen mit 750,000 Einwohnern, unter denen sich — wie schon oben bemerkt, — circa 10,000 Israeliten befinden. Bis zum Jahre 1846 waren auch die Juden hier — wie fast überall in Deutschland — vielen Ausnahmsgesetzen und Beschränkungen unterworfen, konnten zu keinem öffentlichen Staatsdienste gelangen, waren bei Verheirathungen vielen Extravaganzen unterworfen; die Schulen waren keine öffent-

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