Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1867)
- Date
- 1867-09-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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634 Bettler an der Heerstraße und nicht alle die Millionen, die den Rangunterschied ausfüllen zwischen jenen — ein Jeder kann erzählen von seiner Leü>en Fülle, von den Unglücksschlägen, die ihn mnd die Seinen betroffen haben, von dm Unruhen und Besorgnissen, die ihn daniederwarfen, von den Gefahren, denen er mit Mühe entronnen. So lebt der wie eine Blume geht er auf und — welkt, M> Vdr Wind entblättert die verwelkte Rose und verweht die welken Blätter, so daß keine Spur zurückbleibt, oder er flieht gar wie der Schatten des die Lüfte durchziehenden Vogels. Und trotz dieser Schwäche, trotz der durch so viele Leidenschaften getrübten, durch Kummer, Noth und Elend verdunkelten, kurzen Lebenszeit, ist der Mensch so stolz, daß er meint, das ganze Universum kreise um ihn, die Sonnen und die Sterne, die Länder und die Meere, die Thiere des Waldes und die Vögel der Lüfte, ja die eigenen Mitmenschen alle seim nur seinetwegen da, um ihn zu bedienen, ihm zu nützen, ihn zu erheben. So ringt er unaufhörlich nach Besitz, um desto mehr zu genießen, nach Ehre und Ruhm, nach Macht und Reichthum, um sich zum Mittelpunkte des Weltalls zu machen. Er glaubt nur Rechte, keine Pflichten zu haben, denkt nur dann an Gott, wenn feine Pläne mißlingen, nicht aber, wenn ihm Alles gedeiht; da ist er selbst der Urheber seines Glückes, seines Reichthumes, seiner Macht, seines Ruhmes. Unsere mir Stolz gepaarte Schwäche ist es, die uns die Erreichung unserer hohen Aufgabe verfehlen, ja, die uns dieselbe oft gar nicht erkennen und in den Tag hineinleben läßt wie das Zugpferd, das seinen Karren zieht von Ost nach West, um ihn wieder von West nach Ost zurückzuschleppen, das von der Peitsche des Karrenführers angetrieben wird und das die Zwischenstation, an der die Abfütterung stattfindet, mit freudigem Wiehern begrüßt. Danken wir dem Allgütigen dafür, daß er uns Tage und Zeiten ausersehen hat, in denen wir einen prüfenden Blick auf un'er Leben, Sein und Denken werfen, uns aus der Niedrigkeit des Alltagslebens erheben, uns zu Ihm, dem Urquell alles Seins emporrichten, uns zur Rückkehr zu Ihm erwecken und ermuntern sollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. □ München, im August. Meinem Berichte über die neuen Gesetzentwürfe kann ich jetzt die erfreuliche Thatsache beifügen, daß die präjudiciellen Beschlüsse des Social - Gesetzgebungsausschuffes an dem Regierunasentwurfe Nichts geändert haben, was auf die Israeliten Bayerns Bezug hat. — Das Militär-Gesetz, die Schulordnung u. s. w., von denen daselbst die Rede, werden sämmtlich den beiden Kammern unmittelbar vorgelegt werden. □ München, im August. Aus dem mir vorliegenden RechenschaftS - Berichte des Vereines rron □'mix no:sn zur Unterstützung auswärtiger israel. Armen für das Jahr 1866 theile ich den geehrten Lesern dieses Blattes Einiges mit: In Folge mannigfacher Hindernisse war es dem Ausschüsse nicht möglich, denselben früher zu liefern, doch ist Vorsorge getroffen, daß er künftig pünktlich am Jahresschlüsse erscheine. Der Verein erfreute sich auch im verflossenen Jahre wieder einer regen Theilnahme; die Zahl der Mitglieder — circa 280 — ist so ziemlich die gleiche geblieben. Diesen sowohl, die den Verein mit ihren Beiträgen unterstützten, als auch denjenigen, die ihn mit Schenkungen und Spenden bedachten, wird der wärmste Dank ausgesprochen, und möge sie dafür das schöne Bewußtsein lohnen, zur Linderung des Elendes ihrer Brüder und Schwestern beigetragen zu haben. Den Ausschuß bilden dermalen wie im Vorjahre 1865 die HH. Anton Schumann, Moritz Weil und I. Levinger, Ignatz Wedeles als Schriftführer und Nathan Oberndörffer als Kassier. Die subscrrvirten Beiträge der Mitglieder beziffern die schöne Summe von.fl. 4350. 21 kr. Darunter sind hervorzuheben: die Beitr. von Hrn. Josef v. Hirsch jährl. fl. 250. — kr. Samson Oberndörffer sel. Wwe. „ „ 100. — „ Herrn Lippmann Marx „ „ 60. — „ u. s. w. Die Spenden betragen in den 12 Monaten „ 165.36,, und die Gesammteinnahmen . . „ 4731.31 „ Unter den Ausgaben siguriren: I. Auszahlung an Arme . . . . fl. 3173. 7 kr. H. Kostbillete.„ 207. — „ III. Honorar des Sekretärs und Vereinsdieners, Druck des Berichts rc. „ 196. 32 „ Summa fl. 3576.39 kr. DerBaaroortrag für 1867 beträgt somit fl. 1154. 52 kr. Wüvzburg, 24. Menachem. Dem aufmerksamen Beobachter der Vorgänge innerhalb des Judenthums ist längst kein Zweifel mehr darüber übrig, daß die Schuld an dem Verfall der Religiösttät (besonders auf dem Lande) in sehr vielen Fällen denjenigen Lehrern zuzuschreiben ist, welche, theils weil sie nur geringe Kenntnisse in den Religionslehrgegenständen und eben darum noch viel geringere Liebe zu diesen, besaßen, theils weil sie unter laxen, oft irreligiösen Anschauungen aufgewachsen waren, nicht nur den religiösen Unterricht vernachlässigten, sondern auch den