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Der Israelit · 1867-09-04 · Heft 36 (4.9.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 36 (4.9.1867)
Date
1867-09-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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527 hara angetroffen, zu erhalten. RohlfS hat nämlich die gefahrvolle Wanderung von Tripolis quer durch die Sahara und Sudan bis Lagos am Guineabusen endlich glücklich zurückgelegt. Auf zwei Oasen der großen Wüste, auf Tefilat uno Draa, hat er vier Dörfer (sein arabischer Begleiter ergänzte, es seien fünf Dörfer gewesen) mit einer rein jüdischen Bevölkerung gefunden, die sich von der anderen Bevölkerung jener Gegenden durch eine weiße Hautfarbe merklich unterscheidet. Die Juden, von Handwerk und Handel sich nährend, leben in sehr gedrückten Verhältniffen, da sie sehr häufig von den räuberischen Beduinen beunruhigt werden und von denselben viel zu leiden haben. Sie suchen daher soweit als möglich von ihren nichtjüdischen Nachbarn sich fern zu halten und jede Verbindung mit ihnen zu meiden, weshalb auch ihre Dörfer von einer Festungs mau er umgeben sind. Vor einigen Jahren, durch die Gewalt der Beduinen aus ihren Wohnungen getrieben, wurden sie bald nachher durch die Hilfe der kaiserlichen Regierung Marokkos, unter deren Hoheit sie stehen, zr-rückgeführt und in ihre heimathlichen Stätten wieder eingesetzt. Man kann sich wohl denken, daß unter solchen Umständen von einer geistigen Regsamkeit und Energie nicht die Rede sein kann, doch fand Rohlfs bei unseren dortigen Glaubensgenossen noch geschriebene Gesetzesrollen und Bücher vor, über die mir leider der christliche Gelehrte — Rohlfs ist Mediciner — Näheres nicht berichten konnte. B. Belgard (Pommern), im August. In der Gemeinde Körlin wurde am 2. Tage vn n"-) ein Fest begangen, das seiner Seltenheit wegen öffentlich erwähnt zu werden verdient, besonders, da dasselbe sich einer außergewöhnlichen Teilnahme zu erfreuen hatte. An jenem Tage feierte nämlich der dortige Lehrer und Cantor Herr Hopp sein 50 jähriges Jubiläum. Vier und dreißig Jahre hindurch verwaltete derselbe sein Amt in Körlin und 16 Jahre in der Schwestergemeinde Kolberg zur größten Zufriedenheit der Gemeinde. Der gedachte Jubiläums-Tag wurde daher von beiden Gemeinden Ähnlichst erwartet, um dem Jubilar ihre Erkenntlichkeit für die Dienste, die er denselben erwiesen hat, an den Tag zu legen. Mit dem ersten Morgenzuge erschien eine Deputation aus Kolterg, bestehend aus den 8 Vorstehern der Gemeinde und dem Rabbiner derselben, Herrn vr. Goldschmidl; diese gratulirten dem Jubilar und überreichten ihm einen schweren silbernen, inwendig vergoldeten Suppenlöffel. Hierauf begab sich der Vorstand nebst den Repräsentanten in die Behausung des Jubilars und überreichten einen sehr schönen Sessel, um dadurch auszudrücken, wie sehr sie es wünschen, daß derselbe sich von nun an von seinen Anstrengungen erhole. Nachdem Gratulationen von allen Seiten stattgefunden hatten, begab sich die ganze Versammlung, worunter fremde Gäste, der Bürj germeister, Stadtverordnete mrd andere Rotabilitäten I der Stadt nach dem festlich geschmückten Gotteshause. , Schreiber dieses leitete das Fest mit dem hiesigen SynagogenÄor v it einem Gelange, Psalm 92 und 93, ' ein. Hierauf hielt der Rabbiner Goldschmidt eine er- | greifende Rede über des Jubilars mühevolles Walten | und segenreiches Wirker in den beiden Gemeinden. Dann bestieg der Jubilar, ein Greis von 74 Jahren, die Kanzel und dankte zunächst Gott in schlichten und rührenden Morten, daß er ihn bisher erhalten und so wunderbar geleitet mit den bescheidenen Worten unseres Stammvaters Jakobs: ciHDnn 'pdd tue»? ':n n^y -ut'K no^n dann i'vnn unty n:n ny ':i umy. Thränen des Dankes stoffen bei diesen- Worten über seine Wangen, als er dabei erwähnte, wie ihn Gott so wunderbar bis jetzt geschützt hat. Hierauf dankte er der Gemeinde für alles Gute, das er in ihrer Mitte genossen und ganz besonders für die Ehrenbezeugungen, die ihm heute geworden. Nachdem nun von ^Seiten des Herrn Dr. Goldschmidt die Vorzüge des Jubilars hervorgehoben und von diesem der Dank für gehabte Wohlthaten der Gemeinde gegenüber ausgesprochen wurde, fand es der Unterzeichnete noch für nothwendig, ein Wort an den Vorstand der Gemeinde zu richten mit der Bitte, die Last von den Schultern des greisen Jubilars abzunehmen und sie auf die eines jungen thatkräftigen Mannes zu legen. Denn ohne dem Jubilar zu nahe zu treten, muß ich erwähnen, daß sich die Religionsschule in Folge der Schwäche ihres Leiters in einem traurigen Zustande befindet. Zwölf-, dreizehnjährige Knaben können nur nothdürstig hebräisch lesen; an Bibel-Uebersetzung, Religion, Grammatik, jüdische Geschichte ist gar nicht zu denken. Was hat man von einer solchen Heranwachsenden Generation zu erwarten? Nichts Anderes, als Gleichgiltigkeit gegen unsere h. Religion und schließlich auch gänzlichen Abfall von derselben fn. Diese Mängel führte ich dem Vorstande vor, und dieser versprach mir auch, nach Kräften dafür zu sorgen, den Herrn Hopp zu pensioniren und einen zeitgemäßen, dabei auch frommen Lehrer anzustellen. Bis jetzt ist aber noch nichts geschehen. — Das Gebet u’by beschloß die so schöne Feier, die auf Jeden der Betheiligten einen unauslöschlichen Eindruck gemacht hat. Die Gemeindeverhältnisie in Kolberg sind unter dem Regiment des Herrn I)r. Goldschmidt etwas besser geworden, als sie früher gewesen sind. Die Religionsschule ist, wenn auch nicht stark srequentirt, (den« 10—12 Gemeindeglieder schicken ihre Kinder gar nicht hin) doch in gutem Zustande. In der Synagoge wird oft und viel gepredigt, aber leider vor leere« Bänken. Trotzdem die Gemeinde in K. an 60 Mitglieder stark ist, so ist es dem vr. G. doch nicht gelungen, dahin zu wirken, daß das Badehaus mpo in

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