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Der Israelit · 1867-09-04 · Heft 36 (4.9.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 36 (4.9.1867)
Date
1867-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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623 ehemaligen Gespielen. Das durch die wachgerufene Jugenderinnerungev ohnehin weichaestimmte Gemüth des RäuderS war empfänglich für vqs Wort des Rabbi; der Hauptmann bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und fing an, bitterlich zu weinen. Da trat ein alter Räuber vor und schrie: „Bist Du ein altes Weib, Hauptmann, eine Memme, daß du Dich von diesem Juden beschwatzen lastest? Denk an den Eid, den Du uns, den wir Dir geschworen l" „Brauchst Du mich an meinen Eid zu erinnern, Janos?" fuhr der Hauptmann wild auf. „Schweig, oder mein Dolch wird Dich stumm machen für immer!" Ein finsteres Murren durchzog die Reihen der Räuber; einer von ihnen trat vor und sprach: „Hauptmann, Du weißt wie treu ich Dir bin; dreimal habe ich, den Du nur Deinen treuen Ölesniki nennst, Dein Leben gerettet. Sei kein Kind, Hauptmann, schicke diesen geschwätzigen Juden hinweg, daß er Dir das Herz nicht beschwere." „Es muß sein!" sprach Wratislaw traurig; „ich bin unauflöslich an diese da gekettet und mit ihnen an Raub und Mord. Ich bin ein Verlorener, Sabbathai! Lebe wohl, Du Freund meiner Jugend, und wann Du hören wirft, daß den Räuberhauptmann Wratislaw sein Schicksal erreicht hat, so sende ein Gebet empor zum Allmächtigen, der die Miffethaten rächt, der aber auch barmherzig und gnädig ist. — Olesniki, begleite den Rabbi bis auf die Landstraße. Du bist mir darob verantwortlich, daß ihm bis dahin kein Schaden geschieht." — Ganz erschöpft von den Erlebniffen dieser furcht' baren Nacht, kam Rabbi Sabbathai am andern Morgen in dem Dorfe an, auf besten Höhe noch vor wenigen Stunden das königliche Lustschloß gestanden; noch rauchten die Trümmer. Bald fand Rabbi Sabbathai einen Glaubensgenosten, der ihm von dem Brande erzählte. „Ach," jammerte Samuel, so hieß der Erzähler — „hat doch dieser Brand uns Juden mehr als Andere betroffen. Die schöne Esther, die Gespielin der Prinzessin, ist ein Raub der Flammen geworden!" Wie ein Donnerschlag traf diese Nachricht Rabbi Sabbathai. War, wie er gehofft hatte, Esther sein Kind, so hatte er sie jetzt zum zweiten Male und da auf immer verloren. Die königliche Familie, für die es im Dorfe kein paffendes Quartier gab, war bereits nach einem benachbarten Edelsitze gefahren. Nur wenige Diener waren noch an der Brandstätte beschäftigt, um aus dem Schutte noch manches Unverbrannte hervorzuschaffen. Einen derselb 'n kannte Samuel; zu ihm führte er den Rabbi, und siehe, es war einer von jenen, die bei dem Jagdzuge im Walde und bei der Auffindung Esthers zugegen gewesen waren; er erzählte alle Einzelheiten jenes Ereignisses, und Rabbi Sabbathai blieb kejy Zweifel, daß es seine Tochter gewesen, die am könianchen Hof war erzogen worden. Und nun war sie verloren auf immer ... verbrannt. ... verbrannt. „O, Gott, warum verfährst Du so hart mit Deinem Knechte?" So wollte Rabbi Sabbathai sprechen, aber er sprach nicht so; er schaute empor gen Himmel und rief: Gerecht ist Gott in allen seinen Wegen und liebevoll in allen seinen Thaten; Er ist ein wahrhafter Richter!" Roch einige Tage verharrte Rabbi Sabbathai in der Nähe der Brandstätte, um zu erfahren, ob man die verbrannten Gebeine seines Kindes auffinden würde. Als aber der Schutt hinweggeräumt und keine Spur gefunden war, da wanderte er mit traurigem Herzen dem wiederaufgebauten Städtchen Prinsk zu, betete am Grabe der Eltern und kehrte dann tiefbetrübt nach Holleschau zurück. Als man ihn dort nach dem Ergebniß seiner Reise fragte, sagte er: „Ich habe von meinem Kleinod erst dann gehört, als es schon wieder verloren war. Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gelobt!" Armer, bedauernswerther Vater! Wie froh warst Du, die Höhle der Räuber verlassen zu dürfen! Wäre es Dir vergönnt gewesen, noch eine halbe Stunde dort zu weilen, Du hättest Deine Tochter wiedergesunden! Arme, vereinsamte Tochter! Stieg Dir wohl eine Ahnung auf, als Du in die Räuberhöhle geführt wurdest, daß Dein so sehnsüchtig herbeigewünschter Vater eine halbe Stunde zuvor in demselben Raume geathmet hatte? Denn das Fräulein, von dessen Gefangennahme Wratislaw seinen Untergebenen berichtet hatte, war Niemand anders als Esther. IX. Als Esther von der langen und ungewohnten Wanderung sich zu Tode erschöpft fühlte, da wurde sie plötzlich angerufen. „Halt, mein schönes Püppchen!" rief eine gebieterische, aber wohlklingende Männerstimme, „wohin so allein in stiller Nacht?" Esther blieb stehen und vor ihr stand ein bewaffneter Mann, den Lauf eines Pistols auf sie richtend. Das erschreckte Mädchen sank in die Knie. „Tödtet mich nicht!" rief sie flehentlich. „Wer bist Du?" fragte der Mann. „Ich bin ein armes Mädchen, eine elternlose Waise," entgegnete Esther, die sich lange auf diese Antwort vorbereitet hatte und entschlossen war, um | keinen Preis ihren Aufenthalt am Königshofe zu veri' rathen! „Die Kolacken haben mein Vaterhaus einge- , äschert; seitdem habe ich bei harten, grausamen Ver-! wandten gelebt; ihnen bin ich entflohen."

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