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Der Israelit · 1867-09-04 · Heft 36 (4.9.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 36 (4.9.1867)
Date
1867-09-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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621 fast zerstört worden, — es wurden förmliche Breschen in dieselbe geschossen — sondern auch Gräber sammt Len Leichensteinen wurden arg verwüstet. Es wurden alljährlich in den Sommermonaten nicht nur Andächtige von dem Besuche der Gräber ihrer theuern Verstorbenen abgehatten, sondern auch christliche Passanten waren beschädigt, mitunter sogar schwer verletzt worden. Diese Thalsachen hat nun Hr. Commissionsbureau-Jnhaber Seligmann Lazarus Skutsch dahier in einer Eingabe Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Karl, Feldmarschall von Bayern, ehrfurchtsvollst vorgelegt und damit die Bitte verbunden: um Entfernung dieses Kugelfangs und Verlegung der Schießübungen aus das (ohnedies sterile) Lechfeld bei Augsburg. Auf diese Eingabe d. d. 2. Juni 1863, abge sandt an Se. Kgl. Hoheit nach Tegernsee wurde Hrn. Skutsch schon am 13. Juni desselben Jahres eine Antwort zu Theil, und am 23. Juni durch die kgl. Polizeidirection München Folgendes eröffnet. <L. St.) Abschrift. Die Königl Kommandantschaft der Hauptstadt München an die Königl. Polizeidirection München. Die Schießübungen auf dem Artillerie - UebungSplatze bei Augsburg betreff. Der autorisirte Commissions- und Schreibbureau- Jnhaber Seligmann Lazarus Skutsch (Schommergasse Nr. 0/2) dahier hat in einer, unmittelbar bei meiner Königl. Hoheit dem Feldmarschall Prinzen Karl eingereichten und mit emem Fascikel Schriftstücken an das kgl. Kriegsnnnisierium gelangten Vorstellung vom 2. ds. um Entfernung des zunächst dem israelitischen Friedhofe zu Kriegshabcr bei Augsburg gelegenen Artillerie Kugelfangs die Bitte gestellt, „zu deren Berücksichtigung eine Veranlaffung um so weniger gegeben ist, als nach den jüngst an das Artillerie-Corps- Commando ergangenen Weisungen auf den Garnisons- Schießplätzen der Artillerie nur mehr auf ganz kurze Distanzen geschossen werden darf, daher Beschädigungen an Personen oder Privateigenthum voraussichtlich nicht mehr Vorkommen können. Der Unterzeichnete stellt daher aus Grund kgl. Kriegsministerialreskripts Nr. 6088 vom 10. l. M. an die kgl. Polizeidirektion das dienftfreundliche Ersuchen, den Seligmann Lazarus Skutsch hievon verständigen und ihm die beifolgenden Schriftstücke aushändigen lasten zu wollen. Wegen Beurlaubung des Stadtkommandanten Stephan, Generalmajor. Auf diese unbefriedigende Eröffnung hin hat sich nun Herr Skutsch unmittelbar an Se. Maj. den König Maximilian II. gewendet und in seiner Eingabe d. d. 25. Aug. 1863 die obige Bitte wiederholt. Der Erfolg derselben war, daß die Kugelfänge aus eine anbete Seite des Platzes aufgeführt wurden, und daß zu Schießübungen mit grobem Geschütze ausschließlich das Lechfeld benützt wird. Diese Entschließung wurde Herrn Skutsch durch die Stadtkommandantschaft Augsburg eröffnet. Wegen Beschädigung der Mauer rc. hat die Gemeinde selbst Klage gestellt und Entschädigung erhalten. Lübeck, im Ab (Privatmitth.) In Berlin scheint man noch lange nicht den rechten Weg zur Wahrheit gefunden zu haben. Dort will man die Andacht beim Gottesdienste heben resp. erwecken, anstatt aber zum rechten Mittel zu greifen und einen wirklich jüdischen, andachterweckenden Gottesdienst herzustellen, greift man zu Schetnmannövern, läßt siebzig Knaben aus der jüd. Gemeindeschule in den untern Räumen der Synagoge sich in verschiedenen Gruppen aufstellen und als Vorbild der Synagogenbesucher das Amen anstimmen.! Man ist sich aber recht gut bewußt, daß all diese Pfläfterchen das Uebel nicht heilen, und manchmal dringt so eure Stimme in die Oeffentlichkeit, wie wir sie neulich in der Nr. 352 der Berliner Börsen-Zeitung zu Gesichte bekamen. Ein Herr K. Rüger inserirte nämlich über die „verbefferte Einrichtung in der neuen -Synagoge, Oranienburgerstraße, und das betreffende Inserat wirft eine zu krasses Licht auf die neuen Verhältniffe Berlins und die Thätigkeit des Herrn vr. Aub, als daß wir uns nicht versucht fühlen könnten, betreff. Inserat hier mit- | zutheilen. Dasselbe lautet: ffiit ganz besonderem Danke muß anerkannt werden, daß unser verehrter Oberrabbiner Herr Dr. Aub unablässig bemüfyt ist, in der! neuen Synagoge die Andacht zu heben, oder — rich-! tiger gesagt — eine solche zu erwecken. Schon seit! längerer Zeit hat oer ehrwürdige Seelsorger zum öf-! teren von der Kanzel herab mit gerechtem Unwillen! daraus hingewiesen, wie, abgesehen von der weit größeren Menge der Synagogenbesucher, welche nur als Neugierige kommen, um das Prachtgebäude anzusehen, die höchst geringe Zahl derjenigen, welche als quasi Andächtige erscheinen, theilnahmslos dasitzen und sich gar nicht am Gottesdienste betheillgen, daß also eigentlich nur die Orgel und der Chorgesang die Träger des Gottesdienstes sind." Nun wird noch der oben angeführten neuen Einrichtung mit den 70 Knaben erwähnt, dann fährt der Einsender fort: „Wir haben aber Ursache zu fürchten, daß auch dieses Experiment gleich allen bisherigen fruchtlos bleiben wird und kön- 1 neu nur unser tiefes Bedauern darüber aussprechen, daß die langjährigen echt religiösen und frommen Bestrebungen des verehrlichen Gemeindevorstandes so we-

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