Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1867)
- Date
- 1867-08-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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612 Uche Feststellung der Thalsachen, womöglich durch eine internationale Commission, verlangt. Hätte es noch eines Beweises bedurft, daß der Prinz Hohenzollern der von ihm übernommenen Aufgabe ganz und gar Nicht gewachsen ist, so wäre derselbe dadurch gegeben, daß sich der Fürst mit einer Regierung indentificirt, auf welche die civilistrten Länder Europas mit Entrüstung und Verachtung blicken, und Männern die Leitung der Staatsgeschäfte überläßt, welche trotzdem, daß sie sich Demokraten nennen, mit einer Willkür und Gewisienlosigkeit handeln, welche im neunzehnten Jahrhundert beinahe unglaublich erscheinen muffen. Klüger als des Fürsten Karl Verfahren ist das des Hrn. Cretzulesco, welcher sich im Frühjahr des Jahres verleiten ließ, dem Namen nach das Präsidium über das gegenwärtige Ministerium zu übernehmen, denn Hr. Cretzulesco hat, als er die Stützen der gegegenwärtigen Regierung im In- und Auslande zusammenbrechen sah, feine Demission gegeben und weigert sich, dieselben trotz der dringenden Bitten des Fürsten zurückzunehmen. (Pr.) Türkei. Konftantinopel. Es ist bekannt, baß in dem Stadtviertel Haskeny in Konstantinopel eine jüdische Gemeinde von Karaiten der europäischen Türkei besteht, welche ungefähr 90 Familien zahlt Sämmtliche Mitglieder sind der „Alliance JSr. Univ." beigetreten uni) haben, da die Zahl der Mitglieder eine beträchtliche ist, ein Localcomits gebildet. (Arch. Jsr.) Feuilleton. David WuLeni und Fl. Salomo Wolcho. HVon ibralmm Tencllau., ((Schluß.) XIY. Salomo beschloß jetzt, mit dem Kaiser selbst über die Sache des Glaubens in klarer und wohlgeordneter Rede zu sprechen. Kaiser Karl Y. befand sich in Regensburg; 58) Salomo begab sich deshalb dahin und 59) Nach Schalschel. Hatlab. hätte Salomo mit dem Kaiser in Mantua gesprochen. Derselbe berichtet auch, man wisse nicht bestimmt, was er mit dem Kaiser gesprochen; er soll aber denselben, so wie dm König Franz I. von Frankreich aufgefordert haben, das Jndenthmn anzunehmm. Jedmfalls wisse man, daß Karl V. hierauf noch erbitterter gegen die Juden geworden, als er bisher gewesen und heftig erzürnt dm Befehl gab, Salomo sprach vor dem Kaiser. Aber des Kaisers Herz blieb ungerührt und er gab ihm. schon wegen der bedrängenden Zritumsiände, kaum Gehör. Ja, er befahl sogar, vaß man sowohl ihn, als auch seinen Freund, den Fürsten David, so wie seine Leute alle einkerkern soll, und es geschah so, und sie blieben einige Zeit im Gefängnisse. — Als hierauf Kaiser Karl, nachdem der Türke gewichen. wieder größere Freiheit zum Handeln erlangt hatte, zog er von jenem Orte ab und kehrte nach Italien zurück. Er ließ die Eingekerkerten unter Bewachung zu Wagen nach Mantua bringen und Gericht über sie halten. Sie wurden zum Merlode verdammt.— Eines Tages nun, da legte man Salomo einen Zaum in den Mund — wohl weil man seine Reden befürchtete, oder gar er möchte sich einer Beschwörungs formel bedienen und entfliehen und führte ihn hinaus auf den Richtplatz. Die ganze Stadt gerieth in Aufruhr; der Scheiterhaufen stand schon vor ihm in Feuer. Da sprach einer der Diener des Kaisers: „Nehmt ihm den Zaum aus den Zähnen! ich habe ein Wort des Königs mit ihm zu sprechen." — Man tfyat so. — „Der Kaiser," begann der Diener zu ihm, „hat mir befohlen, Dir zu sagen, wenn Du von Deinem Wege ablastest und zurückkehrst, so sollst Du Verzeihung finden und am Leben und selbst hochgeehrt an seinem Hofe bleiben; wenn aber nicht, dann ist Dein Untergang beschlossen." — Salomo wich und wankte nicht. Wie ein Heiliger, wie ein Engel Gottes sprach er: „Daß ich früher in den Wegen jenes Gesetzes gewandelt, beklagt und betrauert mei« Herz hmte noch? — So thut denn, wie es Euch gut dünkt. Meme Seele wird in das Haus ihres Vaters zurückkehren, so, wie in ihrer Jugendzeit Damals war ihr ja bester als jetzt" — Da wurden sie voll Zorns und warfen iyn auf den brennenden Holzüoß. vv) und brachten ihn dem Herrn als Brandopser dar, das ganz in Rauch aufging, und der Herr nahm den Geruch wohlgefällig auf und nahm seine reine Seele zu sich, auf daß sie, mit Ihm vertraut, vor Ihm freudig sei allzeit. — Seine Diener aber holte man aus dem Gefängniste und ließ sie ihres Weges ziehen; nur seinen Freund Rubeni hielten sie wohlbewachr in ihren Schlingen, und als der Kaiser sich nach Bologna begab, brachte man ihn gefestelt nach Spanien; dort verblieb er lange Zeit und starb endlich im Gefängniste. — Viele aber in jenen Tagen glaubten fest, daß R. seine Kühnheit mit dem Feuertode auf dem Scheiterhaufen büßen zu lasten. — Karl fürchtete wohl, wie schon bemerkt, die begeisterten Worte Salomo's möchten eine noch größere Aufregung, ein noch größeres Widerstreben und vielleicht gar eine Erhebung der Juden und besonders der Neuchristen Hervorrufen. — 60) 1532. —