Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1867)
- Date
- 1867-08-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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eu Arrest und sehen ihrer Bestrafung entgegen. Er habe dem Fürsten jedoch die Besorgniß auSgedrückt, daß nach dessen Abreise nach Jassy die Sache «Leder ihren früheren Gang gehen werde: die Behörden seien schwach oder pflichtvergessen und das Volk keineswegs für eine importirte europäische Constitution geeignet. (Ungarn). Wie in vielen Städten Ungarns hat sich auch hier erst in jüngster Zeit eine israel. Gemeinde gebildet; während vor 15 Jahren hier erst ein Jude wohnte, haben wir jetzt einen Rabbinen, Herrn Fabian, eine Synagoge, eineMik wah, die jedoch unlängst durch Feuer zerstört wurde. Die hiesigen Gemeindeglieder zeichnen sich in jeder Beziehung, namentlich durch Rechtschaffenheit und Frömmigkeit aus. Als vor einigen Wochen der Gemeindediener starb, wurde auf Anregung unseres ehrwürdigen Herrn Rabbinen an der Bahre eine Collecte für die Hinterbliebenen veranstaltet, die den glänzendsten Erfolg hatte. Vor wenigen Tagen wurde auch eine Chebra Kadischa gegründet, die heute bereits 32 Mitglieder zählt; so ist das jüdische Leben nach allen Seiten hin im Aufblühen begriffen. W. Blumberg, Schullehrer. Italien. Bologna. Bekanntlich hat m unsere Gemeinde, die ehemals durch ihre alten Einrichtungen und durch die Morlarageschichte einigen Ruf erlangt, die isr. Bevölkerung in Folge dieses traurigen Ereignisses sehr abgenommen. Freilich hat sich eine gewiffe Anzahl von Israeliten bemüht, sie zu heben und ihr neue Kraft zu verleihen; aber wenn es diesen Leuten auch nicht an gutem Willen fehlt, so mangeln doch die nöthigen Mittel, um eine Synagoge für den Gottesdienst zu bauen. Es wurden Sammlungen in der Stadt veranstaltet, und einige edle Spender haben auch bedeutende Summen gegeben, so daß sich die Einnahmen auf 10,000 Francs belaufen. Allein das reicht noch lange nicht aus. Ein eifriger Glaubensgenosse aus Bologna, Herr Alexander Canpiha, der an der Civilverwaltung unserer Stadt Antheil nimmt und der eben zum Mitglied der Municipaljunta der Statistik ernannt worden ist, hat es unternommen, einen neuen Aufruf an die reichen Israeliten Jtalien's und des Auslandes zu erlassen, um sie für unfern Bauplan zu gewinnen. (Arch. Isr.) Donaufürstenthümer. Bukarest, 31. IM. Johann Bratiano scheint dem Ausspruch eines bekannten italienischen Staatsmannes: „c’est notre faiblesse qui fait notre force“ adoptirt zu haben, und gestützt auf denselben, den Gesammtmächten Europas ,muthig ins Gesicht zu schlagen. Nicht allein, daß der Fürst Karl, welcher in den Händen seines Ministers zu einer Marionette geworden zu sein scheint, den Vertretern der Schutzmächte die erbetene Collectiv-Andienz verweigerte, falls sie ihm andere Dinge, als die Versicherung ihrer tiefsten Devotion vorzutragen wünschen sollten; nicht allein, daß die aus den HH. Papiu, Hilariano, Michalesco uud Jarca bestehende Commission., welche die Galatzer Vorfälle untersuchen sollte, zum Hohne sämmtlicher Konsuln und vieler tausend Augenzeugen den Ausspruch that, daß der Präfect von Galatz, Hr. Lupaschko, nach seiner Pflicht gehandelt habe und alle Schuld beim Ertrinken der unglücklichen Israeliten nur die Türken treffe; nicht allein, daß Herr Lupaschko hierauf an die Consuln in Galatz ein anmaßendes und absertigendes Schreiben als Antu ort auf ihren Protest schrieb, in welchem er ihre Berechtigung zu letzterem bestreitet; nicht allein, daß das Organ des Hr». Bratiano, der „Romanul," die Galatzer Affaire in einer Weise bespricht, welche darin gipfelt, daß der Artikel behauptet, die Consuln hätten ihre Befugnisse überschritten und müßten widerrufen, wenn sie in den rumänischen Staaten noch länger ihre Functionen ausüben wollten, sondern die Grausamkeiten und Unmenschkeiten gegen die von dem Minister Bratiano außerhalb des Gesetzes gestellten Israeliten nehmen noch ihren Fortgang. In Galatz wurde neuerdings ein des Diebstahls beschuldigter Jude, welcher sich angeblich der Behörde, (deren Verfahren dem Unglücklichen hinreichend bekannt zu sein schien) durch die Flucht zu entziehen suchte, von einem Soldaten ohne Weiteres niedergeschossen und in Jassy wurde einem anderen Juden der Schädel von einem Moldau-walachaischen Offlcier mit dem Säbel gespalten. Wird und kann die beleidigte und verhöhnte Civilisation Europas einem solchen Treiben noch länger zusehen, ohne auf andere Weise, als in Noten zu interveniren, welche Hr. Bratiano lächelnd in seinen Papierkorb legt? Dt er wollen die europäischen Mächte abwarten, bis die zur Verzweiflung getriebenen Moldauer sich um Schutz und Hilfe an Rußland wenden, damit dieses mittelst asiatischer Truppen den Humanitätsprincipien in Europa Geltung verschaffe? Der russische General- Consul in Bukarest war der Einzige, welcher von seiner Regierung die Instruction erhielt, sich nach der verweigerten Collectiv - Audienz beim Prinzen Hohenzollern eine besondere Audienz auszubitten, um die Vorstellungen des Petersburger Cabinets nichtsdestoweniger zu übermitteln. Gegen die sogenannte „amtliche Erhebung" der Brattano'schen Commisston über die Ereignisse in Galatz protestirt übrigens bereits mit lauter Stimme der General-Gouverneur der „Pforte" in Bulgarien, welcher eine zwette, unpartei-