Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1867)
- Date
- 1867-08-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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610 reihte sich die Aufforderung, dem Helfer aus allen Nöthen für die Beseitigung dieser Gefahr und die Wiederherstellung des größten aller irdischen Güter, des Friedens, zu danken, waS am besten geschehe durch pünttliche Uebung aller religiösen und bürgerlichen Tugenden, welche sich keineswegs, wie irrige Auffaffung «ahne, gegenseitig beschränken, vielmehr im Judenthume eine unzertrennliche Einheit bilden. Nun folgte das Gebet für Seine Majestät den König, nyiem jnun, das Seelengebet nvn njn für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Krieger und zum Schluffe die Recitation der Psalmen 100, 111, 150. Die einfache und prunklose, aber von religiöser Innigkeit durchwehte Feier hat wohl bei allen Theilnehmern den tiefsten Eindruck zurückgelaffen. Stuttgart. Sir Moses Montefiore, welcher seinen bedrängten Brüdern in Rumänien zu Hilfe kommen will, weilte während der neun Nationaltrauertage, von Donnerstag an bis nach 282 nj/^n, in unserem „neuen Jerusalem" im Hotel Marquardt hier mit einem Gefolge von 16 Personen, worunter sich Rabbiner, Schochei und Koch, Dolmetscher und Leibarzt, Capitän und Curier rc. befinden. Die Israeliten aller Schattirungen beeilten sich, dem großen Manne ihre Aufmerksamkeit zu bezeigen, ihm Gottes Segen zu seinem menschenrettenden Werke zu wünschen und die Ehre zu haben, den berühmten Gast zu sehen und zu sprechen. Auch das hiesige Kirchenvorfteherarnt machte am Freitag Nachmittag um 4 Uhr seine officielle Aufwartung und Kirchenrath Dr. v. Maier sprach am sirn ci2L? nach der Predigt ein Gebet in unserer Synagoge, daß die Fürbitte unseres vierten rwo bei dem Fürsten und seinen Großen Erhörung finden und der hochbejahrte Greis vor bösen Zufällen bewahrt bleiben möge. Den Stuttgarter Synagogenbau hat Sir Montefiore zwar mit Wohlgefallen betrachtet, allein einem Gottesdienste hat er, ein streng-orthodoxer nnöD, nicht angewohnt, sondern im Hotel seine Gebete mit verrichtet, ohne einen Jehudi von Stuttgart dazu bitten lasse« zu müffen, da sein jüdisches Gefolge hiefür ausreichte. Der Dolmetscher des berühmten Mannes, der gelehrte vr. Löwe übersetzte die Conversatton zum besten gegenseitigem Berständniß Satz für Satz, da Sir Montefiore nicht deutsch spricht. Der hohe Reisende hat sich auch nach den religiösen Zuständen Württembergs, überhaupt insbesondere Stuttgarts, recht angelegentlich erkundigt. Im Namen des Sir gab dabei der Dolmetsch die tröstliche Versicherung, daß Israel niemals verwaist sein werde und die laxen Zustände in vielen von Deutschlands jüdischen Gemeinden durchaus nicht maßgebend seien. Die tiefe Innerlichkeit und der wahre Character echten Judenthums, wie er sie in Marokko, in Polen und anderwärts angetroffen, wo noch erfüllt werd rWi ddp o rwm und mit dem emo fiä) and) nwyo verbinde, hatte den Glauben an die Unendlichkeit des Judenthums in seiner ganzen Stärke aufrecht. Unter dm Jehudim, die dem ncon mpv;pr ihre Aufwartung machten, sind zu nennen: die Herren Grünewald, S Leoy, Gundelfinger, Haarburger, Löwmthal, Lehm. Maier von Freudenthal u. a. Diese begleiteten Sir Moses bis zum Bahnhofe, wo vr. Löwe im Namen des Sir für die Begleitung freundlich dankte und Herr L. Maier den Reisenden D'Jtd ro-o nachsagte. O österreichischer Kaiserstaat. Wien, 8. August. Die neuesten, sehr verläßlichen Nachrichtm aus Bukarest stellen es fast in bestimmte Aussicht, daß die Judenverfolgungen in der Moldau-Walachei, die noch immer ihren Fortgang nehmen, sich zu einem ernsten Conflict nach außen hin zuspitzen. Die betreffende Untersuchungscommission von demselben Minister (Bratiano) nach Galacz entsendet, auf deffen Instructionen hin der dortige Präfect gehandelt, ist bei so bewandten Umständen begreiflich zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Auffchreitungen gegen die Juden lediglich den Türken zur Last fielen und der in dieser Weise weißgewaschene Präfect hat den Consuln alsbald schriftlich mit dürren Worten erklärt, das ihre anders lautende Berichte von Entstellungen wimmelten, und daß sich überhaupt in Dinge gemischt hätten, die sie nichts angingen. Zu derselben Zeit hat (wie bereits bekannt) Fürst Karl die von den Vertretern der fremden Mächte zum Behuf gemeinsamer Vorstellungen nachgesnchte Collectiv- Audienz abgelehnt und nur den russischen General-Consul empfangen, der ausdrücklich angewiesen war, eine besondere Audimz zu verlangen. Die Repräsentanten der Mächte haben unter Darlegung dieses Sachverhalts weitere Verhaltungsbefehle erbeten, und der türkische General-Gouverneur Mihat Pascha hat gegen die Ergebnisse der oben gedachten commissionellen Untersuchung auf der Stelle formellen Protest eingelegt und eine unparteiische Erhebung der Thatsachen, allenfalls durch eine internationale Comiffion, gefordert." — Englische Blätter theilen aus parlamentarischen Actmstücken über die Judenverfolgung in den Donausürstenthümern eine Unterredung mit, die der britische Consul, St. Clair, am 27. Juni mit dem nach Jaffy gekommenen Fürsten Karl hatte. Er trug dem Fürsten vor, daß am 24. Juni mehr als 200 Juden geschlagen und mißhandelt worden, und daß einige dreißig, die Spuren der Unbilden an sich tragend, Haare und Bart versengt und zerzaust, bei dem britischen Consulate erschienen seien. Der Consul sah eine Jüdin, die von einem Soldaten einm Bajonnetstich in den Arm erhalten, weil sie ihn zu verhindern suchte, ihren Gatten zu mißhandeln. Fürst Karl versicherte, er sei entschlossen, dem Treiben Einhalt zu thun und die Schuldigen streng zu bestrafen. Am 28. Juni schreibt der Consul, die betheiligten Officiere seien in