Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1867)
- Date
- 1867-08-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VIII. Jahrgang. Beilage zv Nr. 35 des Israelit. ^eiteni)0t ’Ärtifeh Die Gidel und die Naturwissenschaft. Wiewohl wir Juden seit dreitausend Jahren und darüber schon kein Schweinefleisch essen, sind doch erst in der neuesten Zeit von Virchow die Trichinen aufgesunden und somit der «Brno zur Wahrheit geworden: 'im -Pinn*? Tnyp?mn idb' *npj no^; mancher stark an Magenaufklärung labori rendc sogenannte Jude wird in dieser Beziehung wieder altgläubig geworden sein. Glauben wir nun auch nicht, daß mit der Ent deckung der Trick inen vollständig die Ursache des mosaischen Verbotes des Schweinefleisches entdeckt ist, so zw istlr wir andrerseits nicht, daß bei jedem biblischen Ge- und Verbote dem unb.fcngenen Forscher sich ein wahrzurrhmender Zweck zum Wohle des Menschen dar bietet, wie ja die b'ilige Schrift saat: einQDn wn o D’cyn ^y1? oarwai. Es war»- bolur sehr zu wünschen, wenn neuere Forscher n^ln auf die Bibel. als bisher geschehen, zu- , rück- — rrchllgei: vorwärts — gehen wollten. So z B. ist es wieder Vrrchow, der darauf aufmerksam n acht, wie bei Verwandtschaftsehen häufig! Kinder geborn werden, die schwachsinnig., blind oder taubstumm st-, ö und hier! ei auf das Verhältniß bei den Juden nach der Statistik der Städte Paris, Berlv re. hiuweift; doch ist dieser wahre Mann der Wissenschaft ehrlich genug, auf den Widerspruch aufmerksam zu machen, wie gerade wieder bei Thieren sogar bei verwandtschaftlicher Paarung auch die ausgezeichnetsten Exemplare Vorkommen. Ebenso rein wissenschaftlich objectiv und ohne jede confessionelle Färbung spricht Dammerow zur Statistik der Pr. Jrrenheil- und Pflege-Anstalt bei Halle: „Noch größere Zahlendifferenzen zeigen die Religionsverhältnisse, da um das Doppelte weniger Katholiken und um die Hälfte mehr Juden ausgenommen! worden sind. Allein der Modus, nach welchem die verschiedenen Consessionen ihre Kranken unterzubringen geneigt sind, giebt diesem Ergebnisse nur eine relative Bedeutung". Nach Liebreich kam in München die Retinitis pigmentosa, die gegen das 40. — 50. Jahr beinahe immer zur Erblindung führt, vorzüglich bei Kindern ausVerwandtschaftsehen — daherbeinahe immer nur bei Juden vor. Wyt geht noch weiter und will in Holland die Juden fast alle schwächlich und hinfällig gefunden haben, weil sich zumeist Verwandte heirathen. i Bei einigem Nachdenken hätten aber diese Letzte-! ren sich ermnern mögen, wre diese Verwandtschaftsehen! schon so lange bei den Juden Vorkommen, daß, wenn in ihnen wirkich allein die Ursache jener Uebel liegen sollte, dieser Volksstamm, der sich noch immer einer ziemlichen geistigen und körperlichen Kraft, statistisch aber sogar einer größeren Lebensdauer zu erfreuen hat — längst schon ausgestorben sein müßte. Die Statistik ist aber noch zu neu und noch zu wenig im Ganzen und Großen zusammen- und aufgesaßt, um sie als maßgebend betrachten zu können. Wir wolle:: dre Resultate derselben in den Hauptstädten keineswegs bezweifeln, denselben aber die Thatsache gegenüber stellen, wie durch lange Jahrhunderte und noch heute in wahrhaft jüdischen Gemeinden, wo das religiöse Leben noch nicht von dem modernen überfluthet ist, das nummerische Verhältniß bei den genannten Uebeln viel zu Gunsten der Juden ausfäüt. Sollte da die Erklärung dieses scheinbaren Widerspruches nicht nahe liegen: daß die biblisch gestatteten Ehen zwischen Verwandten nicht bloß keinen Nachtheil haben, sondern zum wahren Segen gereichen, aber freilich nur dann, wenn auch alle die übrrgen genau vorgeschriedenen Aeinigungsgesetze genau beobachtet und befolgt werden? —n. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. UWürzburg, 15. Menachem. Heute ist nach jüdischem Kalender der Jahrestag der Beschießung unserer Stadt durch die Preußen. Zur Erinnerung daran und zum Danke für die Rettung aus dieser schweren Gefahr fand gestern Abend tu hiesiger Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Nach beendigtem Minchagebete wurden bei festlich beleuchtetem Hause die Psalmen 16, 46, 91 vom Vorsänger und Chore recitirt. Darauf betrat der ehrwürdige Herr Distrikts- Rabbiner Bamberger die Kanzel und trug die sehr ergreifende Festrede vor. An Psalm 46, 9, 10 anknüpfend hob er die Pflicht des denkenden Menschen hervor, das Andenken überstandener Gefahren in sich stets neu zu beleben. Darauf schilderte er mit lebhaften Farben die Schrecken des Krieges und dessen entsittlichende Folgen, sowie die schwere Gefahr, in welcher insbesondere unsere Stadt schwebte. Hieran