Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1867)
- Date
- 1867-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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605 Oesterreichischer Kaiserstaat. Szerdl«hely, im August. Geehrter Herr Redacteur! Gestützt auf die heilige Aufgabe Ihres geschätzten Organs, die darin besteht, die wahre unverfälschte, aber nicht die schwärmerische chassidäische Orthodoxie zu vertreten^, erstatte ich Ihnen Bericht über einen Vorgang in unserer Gemeinde, der in Ihrem vielgelesenen Blatte Raum finden möge. Sie werden gewiß durch die Veröffentlichung deffelben Nützliches, Heilsames in unserer Gemeinde schaffen. Ich sollte eine Schilderung des hiesigen Gemeindewesens vorausschicken; das würde mich jedoch zu weit führen, und ich müßte am Ende leider nur ein sehr trübes Bild davon entwerfen. Bedenken Sie nur, was das heißt: In einer Gemeinde von cirka vierhundert Mitgliedern befindet sich keine Anstalt, in welcher die Jugend für das wahre Judenthnm berangebildet werden könnte, das will sagen, kerne Schule, horribile diotu! Ist dies von S^ite der wahren Orthodoxie zu billigen? Haben unsere Talmud-Lehrer auch so gedacht? Haben auch sie auf die Schulen so wenig Rücksicht genommen, sie so sehr in den Hintergrund gedrängt? — Dies nur en passant — zur Sache. — Vor kurzer Zeit kam ein Hörer der Philosophie, der srüher "iele Jabre an den berühmtesten Talmudschulen studirte, ein Sohn einer sehr achtbaren Familie aus Besuch nach Hause. Ueber die gediegene Kenntniß dieses jungen Mannes auf talmudischem Gebiete und in andern Wiffenschaften will ich nicht sprechen, da derselbe nicht erst meines Lobes bedarf. Dieser glaubte, auf Wunsch seiner Eltern und Verwandten, und nach Sitte des Ortes, daß jeder aus auswärtrj gen Lehrschulen heimkehnirde junge Mann eine ntt-n j aus rosnn und nun bestehend, im Hause der Eltern! abhält, den Gebrauch, den er schon mehrmals als nu j unter großen Ehren mitmachte, nicht verletzen zu dür-! fen, und that es kund, daß er am Samstage eine so j geartete nmn abhalten werde. Nun haben einige! Leute — nomina sunt odiosa — von deren Charakter ich nichts mehr sagen kann, als daß meinen 'n nun und orthodoxe Juoen zu sein, während sie es nicht sind, dagegen ein Zetergeschrei erhoben und beschlosien zu dieser nann nicht zu gehen; nicht etwa, weil dieser junge Mann sich auf irgend eine Weise gegen die Orthodoxie vergangen hätte, sondern aus dem Grunde, weil er an einer Universität studirt. Auf Änftiften dieser Leute sind auch einige nun 'n, über die man besser zu denken gewöhnt ist, ausgeblieben. Auf dem Wege, der zu dem betreffenden Hause führte, standen einige junge Wächter, die selbst nicht wiffen, wie spät es um die Zeit ist, um die dahinftrömende Menge zurückzuhalten; vorzüglich muß erwähnt werden, daß auch einige der einheimischen D'unn, die ja zu gewissen Zeiten gerne deutsch sprechen, sich von dm fanatischen Wächtern bethören und zurückhalten ließen, damit sie frei vom Verdachte seien, als ließen auch sie sich von dem Golde des jüdischen Fortschrittes anlocken. Nichtsdestoweniger aber waren die Beffergesinnten, Friedliebenden, ich möchte sagen die Koryphäen unter den nun ija, mit Stuänafyme der geehrten owh, die man bei solchen Gelegenheiten nie sieht, bei der nann anwesend; ebenso ward sie von einem zahlreichen Publikum besucht, das wohl nicht zu den nun ’JD, aber zu den wahren orthodoxen Juden zahlt. Ich will mich jetzt jedes Urtheils über die gelungene nttnn des jungen Mannes enthalten; ich frage nur: Ist das im Geiste des orthodoxen Judenthums gehandelt, daß man einen Menschen, weil er sich auch mit andern Wiffenschaften beschäftigt, beleidigt und verurtheilt? Haben unsere Talmudheroen, die Vorbilder unseres Lebens, auch so gedacht? Haben auch sie das Judenthum l und die Aufgabe deffelben verkannt? Haben, snirr 'n I «du p ,no« 'n ,-vn ,»füi p pnr'n wiwn auch! eine solche Auffassung vom Judenthume gehabt? Ist! von Seite des Talmuds auch jede andere Wissenschaft, i wenn sie zum Ruhme und zur Verehrung des Juden-! thums führt, verboten? Oder haben etwa unsere größ- > ten Denker im Mittelalter uns solche Vorschriften gej geben? Fließen etwa solche Grundsätze aus den Werken des Maimonides, Iben Ezra. Abarbanel, Aldo u. s. f.?! Wird durch ein solches Verfahren der Friede in einer j Gemeinde gefördert? Frankreich. Pa^is Ein kaiserliches Decret vom 24. Juli hat Herrn I. B. Jodkowitz zum Sachwalter am Tr-bunal zu Metz ernannt. Herr Emil Jonas, Secretär der französischen Militarcapellen, und Herr Julius Cohen wurden mit dem Orden der Ehrenlegion decorirt. Herr Baron Alphons von Rothschild wurde mit großer Majorität zum Mitglied der allgemeinen Rathsversammlung der Leine und Marne für den Kanton Lagny erwählt. Herr Adolph Borchard hat das Exequatur als Consul des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin in Bordeaux erhalten. " (Arch. Jsr.) Paris. Das Haus Blin und Bloch in Bischweiler (Frankreich) hat eine silberne , Herr I. Rooff in Neapel eine goldene Medaille bei der Ausstellung erhalten. Unter den preußischen Ausstellern wurden zwei Israeliten mit goldenen Medaillen ausgezeichnet: Herr Dr. Adolph Frank aus Straßsurt (derselbe erhielt außerdem auch eine ehrenvolle Erwähnung) und Herr Jacob Mayer aus Bochum. (Arch. Jsr.)