Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-08-14 · Heft 33 (14.8.1867) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 33 (14.8.1867)
Date
1867-08-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447324--05391-2460895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

VÜI. Jahr gang. Beilage zu Nr. 33 des Israelit. Leitende Artikel. Die diblischrn Verheißungen in Äe?ng ans die letzten Ziele des menschlichen Strebrns. Von Julius Haas. (Schluß.) Y. Die Zukunft. Wenn vermöge obiger Betrachtung die Natur uns lehrt, des Menschen Ziel im Leben sei, die Tugend auszuüben, sich zu einem höheren Leben zu qualrficiren; und die Geschichte dem Menschen die Aufgabe anzeigt, durch sein Wirken die Erde in ein Paradies umzuwandeln: Die Gegenwart endlich uns zu er^nnen gibt, daß das Laster allrin es sei, welches die Erde zu einem Jammerthale bildet; so constatirt me Verbindung dieser Erkenntnisse folgende Lehre: Wenn dem wahren Lebensziele, der Tugend, allgemein nachgeslrebt; wenn das Laster, das Mißtrauen der Gesellschaftsglieder gegen einander gebannt würde, so wäre die Aufgabe der Menschheit, die Erde in ein Eden zu umwandeln, vollständig gelöst. Soll nun das Laster gründlich ausgerottet werden, so muß vorher jener Koloß gestürzt welden, der dasselbe seit Urzeiten gestützt. Diese mächtige Stütze des Lasters ist nichts anderes, als die Thorheit. der zufolge der Bösewichl wähnt, sein Geist sei vergänglich. Dadurch wird derselbe zum furchlbarsten Raublhiere der Schöpfung, dessen Raubgier mehr gegen Menschen als gegen Thiere gerichtet ist, da die ewige Verwesung ihn an keine Entgeltung denken läßt. Wird die ausgebildete Menschheit hingegen von der Unsterblich? it des Geistes belehrt sein, dann wird sie die solideste Gesellschaft bilden, aus der dos Laster verbannt sein wird und mit ihm das menschliche Elend. So sagt der Prophet: „Wird die Idee eines ewigen Todes gebannt, dann trocknet der Gedanke an Gott die Thronen von jedem Angesichte. Jesaia, 25. K. nion D’js byn nyoi 'n nnoi nsj1?." Betrachten wir nun den wohlthätigen Einfluß, den die Sittlichkeit auf das sociale Leben verüben könnte und vergleichen wir dieses mit den prophetischen Verheißungen. Es werden der gebesserten Menschheit sich Schätze enthüllen, die sie nie gekannt; anstatt, daß bis jetzt Kinder die Sünden ihrer Väter büßen mußten, daß, wenn der Vater ein Verschwender ober ein Verbrecher war, dessen Kinder, ihres väterlichen Vermögens beraubt, zur Armnth verurrheilt waren; werden redliche Kinder bann, unabhängig von ihren Vorgängern, sich Ex-stenz und Ansehen leicht verichaffen können. „In jenen Zeiten wird nicht mehr gesagt werden: die Väter aßen unreifes Obst und die Zähne der Kinder werden stumpf, sondern Jeder wird für eigene Sünden blos zu leiden baben, wer unreifes Obst essen wird, dessen Zähne werden stumpf werden." Jeremias, 31. K. Das gegenseitige Zutrauen der Gesellschaftsglieder wird den künftigen Erwerb eines sittlichen Individuums, den es als Hypotheke der Gesellschaft anweist, als sickere Landeswährung stempeln, und diese wird dem Lande als Tauschmiltel dienen, bas jeder Geschäftsmann ohne alle Bedenklichkeit honoriren und der Schuldner zur Verfallreit einlöfin wird; denn, wie der Propbet sagt: „der Ueberrest der Gottes gläubigen wird kein Unrecht begehen, wird keine Lüge sprechen und in seiner Sprocke wird keine Heuchelei zu finden sein." Zephania, 3. K. Auf diese Weise wird eine Nationalwährung im Laude gestiftet werd.n, die zu ihrem Fond das wahre Nationalvermögen haben wird, ohne dasselbe an einem Orte präsentiren zu müssen, das gegenseitige Zutrauen, unterstützt von der treuen Rechtspflege, wird bares Gold und Silber überflüssig machen. Das Zutrauen wird nickt im Materiellen, sondern in der Kraft und in der Gerechtigkeit beruhen. „In dieser Zeit wird der Mensch wegschleudern die Sieber- und Goldgötzen." Jesaia, 2. K. Wird einer dieser Gläubiger durch Unglück von der Erfüllung seiner eingegangenen Verbindlichkeit gehindert, so werden dennoch nicht die Geschäfte in Stockung gerathen, denn das ganze Land wird billiger, als einzelne Geschäftsleule wirkliche Unglücksfälle assekuriren können, da diese kleine Prämie jeder Schuldner gerne entrichten wird. Der Träge, der Arbeitsscheue und der Schwelger, welche durch eigene Verschuldung ihre Pflicht nicht ersüllen können, werden aus der Reihe der ehrsamen Geschäftsglieder gestrichen, dem Elende und der Schmach preisgegeben. Auf diese Weise wird jeder redliche Gewerbsmann mit zinslicher Währung versehen, sein Gewerbe nutzvoll betreiben und seine Wohnung sich selbst erwerben können, ohne dem Kapitalisten dafür Tribut zu leisten. „Nicht mehr werden sie bauen und Andere eS bewohnen, nicht mehr werden sie pflanzen und Andere es genießen." Jesaia, 65. K. Der Landbauer wird nicht mehr, aus Mangel an Geld, seinen Acker unvollständig benützen, er wird,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.