Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-08-14 · Heft 33 (14.8.1867) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 33 (14.8.1867)
Date
1867-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447324--05385-2460889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

567 Äns der Weltausstellung. (Schluß.) Al- Resum6 Ihrer Forschung setzen Sie zum Schluffe dem Werke die Krone auf, indem Sie sagen: „Wir glauben hiemit gezeigt zu haben, daß die neutestamentliche Anfangsgeschichte, welche in den Evangelien erzählt wird, ihrem innersten Wesen nach die Versöhnung Israels und der ganzen Menschheit bezweckt und daß in diesem Werke der Versöhnung sich keine unvermittelt und zusammenhangslose, sondern eine durch die alttstamentliche Geschickte hindurch in Wort- und Thalweissagung vorbereitete Thalsache vollzogen hat. Die altteftamentliche und neutestamentliche Geschichte decken sie wie zwei Hemisphären. Ueber der einen scheinen die Sterne und über der andern die aufgegangene Sonne. In dem Lickte dieser Sonne wandeln wir alle mehr oder weniger, auch ihr, Brüder von Israel, die ihr es so ungerne gesteht". Dieser Schluß nun, Herr Professor, ist meisterhaft und paßt zu dem großen Ganzen ganz ausgezeichnet. Ihren gelehrten Forschungen nach ist ja Jscaels Me sias schon längst erschienen, das „Thier des Friedens" hat seine Rolle gespielt, ergo ist das „goldene Zeitalter" da, Hund und Wolf weilen friedlich nebeneinander, der Panther und das Lämmlein freffen ruhig nebeneinander ihr Gras und die Menschen bedient man bereits mit — Stroh. Wisst« Sie denn noch, Herr Prnstffor, was Sie da sagten, daß, wie Sie gezeigt haben, in der Versöhnung der ganzen Menschheit eine planmäßig in Wort- und Tbatweiffagung vorbereitete Thatsache sich vollzogen hat. Wie schön klingt das/ Schade nur, daß die Wi-klichk it hinter Ihrem schönen Bilde etwas bescheiden zurückbleibt, daß gerade in der neuesten Zeit die Söhne Montezuma's ihrenKaiser erschossen haben, daß sich Türken und Griechen ganz gemütblich einander medersäbeln, daß die Völker Ostosiens sich einander die Zöpfe abschneiden , und daß, wenn der Herr Profeffor einmal einen Abstecher zu den lieben-swürdi en Maoris nach Neuseeland machen wollte, er sich überzeugen könnte, wie diese ihn sa-mmt seiner Gelehrsamkeit und sammt seinen Ansichten über die friedliche Menschheit ausfressen würden. Glauben Sie mir, mein Herr Profeffor, ich habe die Wahrheit gesprochen, ich rann es Ihnen mit viele« Zeugen beweisen, bleiben Sie also kie^r zu Hause und beglücken Sie ferner die englische Missionsgesellschast mit den Productionen -Ihres Scharfsinns. Die „zwei Hemispären", die Sie mrs dem alten «ttd neuen Testament zusummrnschmieden, wollen nm uns tn ^Halbkugeln" übersetz«»; du« purer Vorliebe für Preuße», unserVoiterlaud, beziehe« wir diese »Halbkugeln" «beim alten BttvgermePor Mtrgdoiawgs und verschließen in die Halbkugeln einzelne Wörter wie Thatweiffagung, gipselhast, geblänkte Pfeile rc. rc. und laffen diese Worte solange darin, bis wir zu den „Gebildeten im jüdischen Volke" gehören, die dem Herrn Professor Alles glauben und seine brüoerliche Liebe begreifen. Bis dahin Gott befohlen. — Nackdem wir die obige Schrift des Herrn Professor Delitzsch einigen Betrachtungen unterzogen haben, können wir nicht umhin, bei dieser Gelegenheit nock einige Worte pro domo, die MissionsgeseUschafl selbst, hinzuzusügen. Wir müssen gestehen, daß diese Missionäre ibr Geschäft nicht schlecht betreiben. Sie bringen Werke ihres fii steren Treibens, Netze zum Seelenfang zur Weltausstellung und benennen diese Schnitzereien und Photographien m t dem verlockenden Namen: hebräische Alterthümer Den Besuchern ihrer Ausstellung verabreichen sie, wie immer, einige Schriftchen, die, wie wir gesehen haben, jedoch nur den Unwissenden täuschen können. Unseres Wissens haben sie ihre Unverschämtheit jedoch noch nicht so weit getrieben, wie diesesmal, wo sie den Juden die Statuten der Gesellschaft in die Hand geben, um dieselben zum Beitritt zur Missionsgesellschaft aufzufordern. Wir heben aus diesen Statuten nur Einiges hervor. Mit seltener Frechheit wird da behauptet: „Die wichtigste Arbeit der Gesellschaft war die, den Juden ihre eigene heilige Schrift zugänglich zu machen". Wir haben nicht nöthig, über diese lächerliche Phrase nur ein Wort zu verlieren. — Auch Freunde der jüdischen Wissenschaft sind die Missionäre, denn sie behaupten: „die talmudische und rabbinische Theologie hat die klarsten Schriststellen, besonders diejenigen , welche auf die eigenthümlichen Lehren des Christenthums Bezug haben, so verdunkelt, daß es nöthig war, die Meinung und Beziehung solcher Stellen gegen Mißverständnisse und Entstellungen zu vertheidigen". — Nun, über Entstellungen der Schriststellen haben wir bereits gesprochen, und wir heben den Muth, unsere wenigen Worte gegen die 2.160,000 Tractate, die die Mlssionsgesellschaft seit dem Jahre 4809 vertheilt haben will, kühn zu vertheidigen. Wir müssen gestehen, wir legen all dem Treiben der Missionäre nur wenig Gewicht bei, wir schätzen ihre Gesammtagitation auf Erwachsene durch Verbreitung der Mlssionsschristen und Bibeln sehr gering, ja wir behaupten, daß der größte Theil der Proselyten, die auf diese Weise gewonnen werden, verlaufenes Gesindel ist, cm dem das Judenthum lücht viel verliert und die Mission wenig gewinnt. Wichtiger und weit gefahrvoller erscheinen uns jedoch die Angriffe auf dir unverdorbene Irgend, mie sie in den Missionsschulen planmäßig betrieben werden. ZN dem uns vorliegenden Bericht der MijstonSgesellschast Heißt es: „Die Gesellschaft hat in London <f*a-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.