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Der Israelit · 1867-08-07 · Heft 32 (7.8.1867) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 32 (7.8.1867)
Date
1867-08-07
Page
– (sequence 14)
Language
German
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558 sammen und ging „mit der Stimme Jakobs und mit den Händen wy." — Doch die Männer der gerichtlichen Behörde (Inquisition) antworteten ihm: „Wir können nichts ohne Zeuge thun. Wenn Du Zeugen zu bringen vermagst, so werden wir Alles, was Du begehrst, vollbringen." — Er ging nun umher, um unter den Leuten aus Portugal, die sich damals in Rom befanden, Zeugen aufzutreiben, die mich etwa kannten. Es gelang ihm, solche zu finden, und er brachte sie vor das Gericht. Man setzte nun eine Anklageschrift gegen mich auf, forderte mich vor's Gericht, um von mir selbst zu vernehmen, wie die Sache sich verhalte und worauf ich mich stütze, jetzt mich als neuen Juden zu geben, da ich doch früher ein Andrer war. — Ja noch mehr als Das. — Ich hielte öffentliche Vorträge in religiösen Dmgen, was doch nimmer geschehen dürfe. — Ich zeigte den päpstlichen Freibrief vor, vom Papste seil st unterschrieben und untersiegelt, wie derselbe mir Kraft und Erlaubniß gegeben, nach meinem Gutdünken zu thun, und daß es Niemand mir wehren dürfe. — Voll Zornes rissen sie mir den Freibrief aus den Händen, gingen damit vor den Papst und sprachen aufgebracht: „Warum geht Solches von Dir aus? Wenn Du das Recht trügst, warum setzest Du uns zu Richtern ein?" — „ Ich weiß Alles," versetzte ihnen der Papst, „schweigt! ich habe mit dem Manne eine geheime Sache vor. Wohl ist es nicht nach dem Rechte, aber die Zeit fordert es so." — Als der Mann nun sah, daß er mir nichts anhaben konnte, da nahm er das erste Sendschreiben, welches ich an R. Joseph Taytasak gerichtet — er hatte sich verstoblener Weise eine Abschrift davon verschafft— und übersetzte es in's Lateinische und zeigte es unseren Cardinälen, daß sie sich dessen schämen sollten, was der Pabst gegen ihr religiöses Bekenntnrß dulde, so daß am Ende dieser auf das Andringen so vieler Antreiber und Anstacheler dem Gerichte die Erlaubniß geben mußte, nach den Vorschriften des Gesetzes zu verfahren. Zu mir aber sagte derselbe: „Bleibe hier bei mir, daß D>ch die Leute, die Dir nach dem Leben trachten, nicht treffen; nur um meine Ehre zu schonen, mußte ich sagen: Ergreift ihn und ver! rennt ihn! Es war sonst keine Rettung." — Gott, der Erhabene, aber ließ ihnen in seiner Gnade und Barmherzigkeit einen Mann ausstoßen in meiner Form und Gestalt, gekleidet, wie ich mich zu kleiden pflege, und diesen ergriffen sie in Erle und Uebersall und übergaben ihn dem Feuertode. — Dann gingen sie in den Palast des Pabstes und sprachen: „Der Mann, den Du so geehrt haben wolltest, — er ist verbrannt." — Ich saß indeffen in dem innersten Gemach des Palastes v rsteckt. — Alch ich nun vor dem Pabste erschien, erschrak er, als er mich sah, und berief den oberste« Richter und sprach: „Was hast Du gethan! Hier ist ja R. Salomo bei uns! Du hast einen Andern an seiner Stelle verbrannt! Eile hin und schreibe an die Stätte des Gerichtes, daß der Mann, der verbrannt worden, seinen König und seinen Gott geschmähet und gelästert habe, und laß es nicht ruchbar werden, daß er an der Stelle des R. Salomo verbrannt worden, damit das Volk ihm nicht nachirre." — Man that schleunigst so. — Jetzt sprach ich zu dem Papste: „Du hast mit eignen Augen die Sterne gesehen, deren Erscheinen ich Dir im Voraus verkündet hatte, und Du weißt, was Dir nach der Anzeige dieser Sterne bevor steht; denn hier wird in der Nacht ein Weinen sein und am Morgen ein Jubel. — So laß mich denn ziehen! Es ist mir nicht gestattet, länger hier zu verweilen und Gott zu versuchen." — Er entließ micy also in Frieden und ich ritt in der Nacht31) auf einem flüchtigen Neffe davon, begleitet von einem tüchtigen Gefolge, das er mir mitgegeben. — Alles Das, was ich Euch bisher erzählt, werdet Ihr als die volle Wahrhe t erkennen aus dem Zeugnißschreiben der ange'eh>nsten Männer der Gemeinden Rom's und der Rabbinen, das ich Euch zusende. O, ich könnte noch gar Vieles von den Drangsalen, die mich betroffen, erzählen, ermüdete es mich nicht, Alles niederzuschreiben, denn kaum vermag das Papier es zu fassen. Auch möäcke ich Schonung üben und die Schmach und Schande der Söhne unseres eigenen Bockes nicht aufdecken rücksichtlich der Abscheulichkeiten, die sie gegen mich unternommen; Manches werdet Ihr wohl von Reisenden vernehmen. — Zur Zeit verweile ich hier32) und harre der Zeit und Stunde, von welcher mir Gott die Versicherung gegeben, daß Er in seiner Gnade und Willfahrung Wu der mit mir thun will. — Er möge mit mir sein und miä be' üten, wie Er mir bi her geholfen. Von Jnm wird meine Hilfe kommen, daß ich Alles vollbringe, was mir zu thun obliegt. — Denn noch gibt es ein Gesicht für die bestimmte Zeit33), und eine Zeit gibt es für jedes Ding,wo der Herr verkündet die Macht ferner Werke seinem Volke 3ö) sicherlich; denn sicherlich mit Macht (Koach) vollbringt sich das Werk Gottes in achtundzwanzig Zeiten. — (Fortsetzung folgt.) 31) Im Anfangdes Jahres 1531. — 32) Molcho nennt den Ort nicht, von welchem aus er das zweite Sendschreiben an seine Freunde im heiligen Lande gerichtet; vielleicht Bologna. — 33) Habak. 2, 3. — 34) Pred. 3, 1. — 35) Ps. 11,, 6. — 36) Nach dem Zahlenwerth vom Worte Koach und nach den achtundzwanzig eth in Pred. 3, 1. — Vergl. über letztere auch Midr. rab. und Jalkut. —

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