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Der Israelit · 1867-08-07 · Heft 32 (7.8.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 32 (7.8.1867)
Date
1867-08-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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556 Zuschauer jener Gräuelscenen waren, sich stützende Protest darüber bewe.st. ES liefern solche Thatsachen nur den Beleg, daß die Cwilisation, mit welcher „Rumänien" zu prunken liebt, nur auf dem Papiere steht, aber noch nicht einmal die höchsten Schichten, viel weniger die niederen berührt hat. Daß übrigens meist nur die Regierungsorgane dergleichen verüben, beweist, daß beim Anblick des jüngsten unmenschlichen Vorganges Rumänen geweint haben, während der Officier und seine Soldaten hohnlachend ihr Werk ausführten. Pesth, 26. Juli. In der vorgestern Nachmittags abgehaltenen Generalversammlung der Pesther Stadtrepräsentanz brachte Herr Joh. Szabo folgenden Antrag ein: „Die Generalversammlung soll durch einen Beschluß aussprechen, wonach der Repräsentantenkörper der Stadt Pesth den Zeitpunkt für gekommen erachte, daß die im ungarischen Staate wohnenden Israeliten an allen politischen und bürgerlichen Rechten auf der Basis voller Gleichberechtigung Theil nehmen können, und daß derselbe wünscht, es möchte der gesetzgebende Körper Ungarns diese Rechtsgleichheit der Israeliten je früher aussprechen und in den Gesetzbüchern eintragen." Der Antragsteller begründet seinen Antrag in objektiver geistvoller Weise, wird aber von der geehrten Versammlung fortwährend durch Murren und Toben unterbrochen, trotzdem er erklärte, nunmehr seinen Antrag zurückziehen zu wollen. Franz Pulsky macht den Antrag zu dem seinigen, indem er es lächerlich findet, von einer Pression auf den gesetzgebenden Körper zu sprechen, und erklärt vielmehr, daß es Ehrensache der Stadt Pesth sei, in der Emancipationsfrage die Initiative zu ergreifen. (Lauter Widerspruch und Lärm von mehreren Seiten.) Im weiteren Verlaufe seiner Rede wird Pulsky fortwährend lärmend unterbrochen, und wird vom Präsidenten sogar zur Ordnung gerufen. Die Versammlung geht schließlich über den Antrag zur Tagesordnung über. (Frmdbl.) Brodi. Eine hiesige isr. Frau wurde auf eine Schuld von 300 fl. verklagt, und wurde zuletzt zur Execution geschritten. Drei Sesiel in der Synagoge (1 Herren- und 2 Frauensesiel), die derselben angehörten, wurden verkauft. Der Käufer war ein christlicher Bauer. Man glaubte, daß sie derselbe auf Spekulation gekauft habe; wie war man aber erstaunt, als der Bauer mit seiner Frau und Tochter in der Synagoge erschien und nach Beendigung des Gottesdienstes erklärte, er habe die Sesiel gekauft, um jeden Samstag und Feiertag die Synagoge besuchen zu können. (Lemb. Ztg.) Türkei. Konstarrtirropel, 18. Juki. In voriger Nummer haben wir berichtet, daß die Israeliten in Konsiantinopel neuerdings von den Griechen verfolgt werden. Heute wird uns von befreundeter Hand das in Konstantinopel erscheinende französische Journal „La Turquie“ zugeschickt, dem wir nachstehende Details über diese Verfolgung entnehmen: „Jedes Jahr wurden die Israeliten beim Herannahen der jüdischen und griechischen Osterfeiertage von Seiten der Griechen, welche der Fabel, die Israeliten nehmen zur Bereitung ihres ungesäuerten Brodes Christenblut, blinden Glauben schenken, hart mißhandelt. „Als im Jahre 1804 die Israeliten zu Smyrna mehr als gewöhnlich durch diese systematische Verfolgung zu leiden hatten, trat Herr Sophronius, welcher damals den patriarchischen Stuhl inne hatte, energisch dagegen auf und veröffentlichte eine Encyklia, in Folge deren das Osterfest bis auf diesen Tag nicht mehr gestört wurde. „Aber wenn auch einerseits diese absurden Vorurtheile aufgehört haben, so genügt es jetzt, irgend eine Verläumdung, so unwahr sie auch sei, zu erfinden, um gewissen Leuten, Freunden der Unordnung, die Gelegenheit zu geben, den Haß und die Uneinigkeit zwischen Christen und Juden zu vergrößern. „Ich theile Ihnen in dem Folgenden zwei isolirte Thatsachen mit, welche ein Helles Licht auf die beklagenswerthen Ereignisse, die dieser Tage stattgefunden haben, werfen, und welche heute noch die israelitische Bevölkerung unserer Stadt in steter Angst hält. „Die vergangene Woche, als der hohen Negierung die Nachricht von der Einnahme von Sphakia auf Candia erhielt, gab das Bureau der Presse den Journalen der Hauptstadt hiervon Mitthellung. Das israelitischeJournal veröffentlichte diese Waffenthat, indem es zugleich seine Leser aufforderte, sich mitzufreuen. „Das war mehr als ein hinreichender Grund, um den Zorn einiger Griechen in Pera und Galata, (Vorstädte von Konstantinopel) und in anderen Stadttheilen zu erwecken und alsobald begann die Verfolgung gegen die Juden. „Aber heute hat ein merkwürdiger (?) Anlaß die Agitation der erregten Geister auf's Höchste getrieben. Die Details, die ich Ihnen hiermit gebe, sind vollständig der Wahrheit gemäß. „Ein jüdischer Krämer wollte in seinem Hühnerhof zum Schutze gegen einen Marder, der diesem Hofe sehr oft seinen Besuch abstattete, eine Scheuche, wie dies auf Kornfeldern zu geschehen pflegt, aufstellen, indem er zwei Stöcke kreuzförmig mit einander verband und daran einige Lumpen hing. „Aber die Griechen in diesem Stadtviertel wollten die Sache anders verstehen, sie betrachteten die Scheuche als eine Profanation ihres Glaubens, rissen dieselbe um und von einigen griechischen Spritzenmännern un-

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