Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1867)
- Date
- 1867-08-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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555 Jeituvgsnachrickten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Im Jahre 1866 sind in der Provinz Brandenburg 38 Inden, darunter 27 aus Berlin, zum Christenthum, und 11 Christen, sämmtlich aus Berlin, zum Iudeuthum übergetreten. Das von der preußischen Regierung errichtete Monument zur Erinnerung an die im vorjährigen Kriege bei Langensalza Gefallenen, wurde daselbst auf dem sogenannten „Judenberg" aufgestellt. Auf demselben soll vor mehreren Jahrhunderten ein jüdischer Begräbnißplatz gewesen sein. Schweiz. Aus der Schwerz, 13. Juli. Aus dem Antwortschreiben sämmtlicher Kantone geht hervor, daß Beschränkungen des jüdischen Gottesdienstes in der Schweiz nicht bestehen, der Bundesrath gibt hiervon dem schweizerischen Bevollmächtigten in Sachen des niederländischen Handelsvertrages Kenntniß. (Es war laut geworden, ^daß solche Beschränkungen beständen, und wurde deßbalb seitens der Niederlande eine Recherche veranlaßt, die das obige Resultat ergab. Andernfalls hätte man das Zustandekommen des Vertrags von der Wegräumung dieser Beschränkungen abhängig gemacht. (Gegenwart.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 22. Juli. Heber den empörenden Vorfall in Galacz verbreitet sich mehr und mehr Licht. Die „N. fr. Pr." liefert heute den actenmäßigen Beweis, daß die zehn Juden nicht von den Türken, sondern von rumänischer Seite in die Donau gejagt wurden. Die barbarische Thal ward auf Befehl der Localbehörde unter Leitung eines Osficiers verübt. Die rumänische Negierung, welche nach allen Weltgegenden telegraphiren ließ, daß die zehn Juden von den Türken ins Wasser geworfen wurden, war der Unwahrheit ihrer Behauptung sich so wohl bewußt, daß sie allen Privat-Telegrammen, welche den Vorfall der Wahrheit gemäß meldeten, die Annahme und Beförderung Seitens der Telegraphenbüreaux verweigerte. Das Blatt theilt heute den Protest mit, welchen die dortigen Konsuln gegen die Gräuelthat erhoben haben. Das Actenstück lautet:' „Galacz, 15. Juli. Herr Präfect! Die Unterzeichneten Konsuln haben soeben durch die öffentliche Stimme und durch genaue Ermittlungen die traurigen Vorgänge erfahre«, welche gestern sich im Hafe« von Galacz ereignet haben. Nemr oder zehn Juden w«rde« letzten Samstag auf Befehl der Localbehörde aus dem Lande getrieb-n. Die Gendarmen bracht n sie in einem kleinen Fahrzeuge aws türkrscheUfer. Unter diesen armen Leuten befand sich auch ein Greis, der so schwach war, daß zwei Soldaten ihn aufrichten mußten, um ihn in das Fahrzeug zu stoßen. Statt jedoch die Unglücklichen dem türkischen Wachposten in Satoka zu übergeben, führten die mit der Ausführung der Befehle der! Verwaltungsbehörde beauftragten Soldaten sie auf I die Galacz gegenüber gelegene unbewohnte und von Wasser überspülte Insel und warfen sie, wie sie es früher sckon gethan hatten, in den Sumpf. Die türkischen Soldaten nahmen sie Samstag Abends auf und führten sie gestern nach Galacz. wo sie dieselben der vor dem Hafen-Capitanate statio"irt?rr Wache übergeben wollten. Anstatt die von Ermattung ganz erschöpften Unglücklichen, die, wie man uns versichert, moldo - walachische Unterthanen sein sollen, aufzunehmen, trieben die Soldaten sie mit Kolben- und Bajonnetstößen ins Wasser. Zwei Juden, der eine jener kranke Greis, d^r andere ein junger Mensch, suchten, durch die Bajonnete bedroht, sich auf das türkische Fahrzeug zu flüchten; dieß glückte ihnen aber nicht, und fortgerissen von der Strömung, ertranken sie. Von Seiten der rumänischen Wache wurde nicht der geringste Versuch gemacht, um die zwei Leute zu retten, die vor ihren Augen ertranken, und zwar ganz nahe am Ufer, während die türkische von drei Zuaven geführte Barke sich schleunigst entfernte. Ein Nachen des Dampfschiffes „Merkur" von der österr. Donaudampfschifffahrt- Gesellschaft ward ausis Schnellste bemannt, kam aber doch zu spät an, um sie zu retten. Die andern Individuen wurden schließlich ausgenommen und in Arrest gebracht, nachdem man sie einige Zeit, der brennenden Sonnenhitze ausgesetzt, im Wasser gelassen hatte. Wir wissen nicht, ob sich unter den Israeliten ein fremder Unterthan befindet; aber in Anbetracht der notorischen Verfolgungen, deren Gegenstand die Israeliten in diesem Lande sind, halten wir es für strenge Pflicht, nachdrücklich im Namen der Negierungen, welche wir hier vertreten, gegen diesen Act der Barbarei zu protestiren und die ganze Verantwortung dafür gegenüber der civilisirten Welt auf Sie, Herr Präfect, und die höhere Behörde zu wälzen. Genehmigen Sie u. s. w." Der Berichterstatter der „N. fr. Pr." fügt dem entsetzlichen Factum die Bemerkung hinzu, daß es in Galacz kein Gehcimniß sei, daß weit mehr solcher Morde geschehen, als bekannt werden, weil die Behörden Alles thun, um zu verhindern, daß sie in die Oeffentlichkeit gelangen, und die osficiellen Blätter solche Anklagen wegen Judenhetzen auf das Eifrigste und mit wohlgeheuchelter Entrüstung in Abrede stellen. Sie seien darum nicht weniger authentisch, wie der vorstehende auf beeidigte protokollarische Aussagen und die Zeugenschaft von Hunderten von Menschen, welche