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Der Israelit · 1867-08-07 · Heft 32 (7.8.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 32 (7.8.1867)
Date
1867-08-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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554 machen. Auf diese Weise muß die SesMchaft für die Sünden ihrer faulen Glieder büßen. Mit der TngMtzpfleg? ist er Übel destEt; sich selbst überlasten, bleibt sie unbeachtet und niedergedrückt: da arbeitet eine Frau emsig, um ihren vaterlosen Kindern Nahrung zu schaffen, dort hüllen sich Kinder in Lumpen, versagen sich jeden nur entbehrlichen Genuß, um ihren betagten Eltern Pflege reichen zu können; ein Gatte ist mühsam beschäftigt, versagt seinen Gliedern die nöthige Ruhe, um seiner kranken Ehehälfte Heilmittel zu verschaffen. So gibt es viele tugendhafte Menschen, die, von Armuth gequält, oft bitterlich ihr Dasein beweinen, während tugenvlose sich nicht schämen, in Ueberfluß zu schwelgen, ja, sich nicht entblöden, mit Verachtung auf jene herabzublicken. Solche Zustände fordern die Staatsleiter aus, fester in den Gang der gemeinen Geschäfte zu greifen, das Geschick der Individuen nach Billigkeit zu lenken, nicht nur offenes Laster zu strafen, sondern auch heimliches zu verhüten streben, die Tugendpflichten zu ermuntern, zu stützen und in Achtung zu setzen. In der industriellen Welt nehmen wir ein Nebel wahr, das große Verwirrungen in der Gesellschaft veranlaßt und nicht selten Convulsionen im Lande verursacht; es ist dieses das Mißtrauen, welches die Menschen allgemein gegen einander hegen: der Bauer, der Handwerker und der Kaufmann können ihre Geschäfte nicht gehörig betreiben, wenn sie nicht die Vermittlung der Kapitalisten durch theure Zinsen erkaufen. Hierdurch entsteht ein Mißverhältnis in der Gesellschaft: der Gewerbsmann kann seinen Verdienst nicht für sich selbst benutzen, er muß denselben mit den Kapitalisten theilen. Geld ist die Haupterwerbsquelle, während der Handwerker mit zwei Händen erwirbt, arbeiten Hunderte für den Geldmann. Dieser Geldzins wirkt lähmend in allen Schichten der Gesellschaft: der besitzlose Arbeiter bringt oft manche Tage beschäftigungslos zu, die er an Häusern, Straßen und Fabrikenbau nebst anderen nützlichen Werken nützlich verwenden könnte; aber es fehlt den Unternehmern an Geld, der Ertrag eines Geschäftes ist nicht immer hinreichend zur Bezahlung der Geldzinsen, die der Kapitalist für Vorstreckung der Kosten beansprucht; daher bleiben die nützlichen Anstalten zurück, es müssen Viele in hohen Stockwerken oder in tiefen Kellern gedrängt aneinander wohnen, während Raum, Material und Menschenhände unbenutzt bleiben. Ein großer Theil der Armen zieht im strengen Winter unvollständig gekleidet einher, während Kleidungsstoff und unbeschäftigte Handwerker in Menge vorhanden sind. Der Landbauer nimmt von seinem Felde nicht vollständigen Nutzen; es fehlt ihm hierzu an guten Werkzeugen, an Vieh, das den Acker düngen und bearbeiten könnte und Milch und Rahm vielfältig erzeugen würde; Leinwand, Wolle und Seide könnten i« Masse« erzeugt werden, wenn Geldzins nicht störend wirken möchte. Im Staatshaushalte übt der Geldzins nicht minder seinen lähmenden Einfluß aus, Millionen verschlucken die Kapitalisten als Zins für die Gelder, die i der Staat ihnen schuldet, während die Landesvertheij digung viel zu wünschen übrig läßt, die gehörig erj richtet, dem Lande Sicherheit und nützliche Beschäfl tigung dem Volke bringen könnte. Was ebenfalls üblen Einfluß auf die Gesellschaft! verübt, ist das allgemein eingeführte Pachtsystem, dem; zufolge das Feld, die Wohnung und jede Erwerbs- I quelle ihren Wirth oft wechselt. Dadurch entsteht ein I Stück Nomadenleben in der civilistrten Welt, welches! Elend und Kummer auf die Menschen häuft. Es ist! etwas Widernatürliches, daß der Mensch nicht seine! eigene Wohnung besitzen soll, daß er alle drei Mo-; nate genöthigt wird, sich eine neue Heimath zu suchen; | hierdurch bleibt er allenthalben fremd, da er immer j auf einen Interimsschein hingewiesen bleibt, j Der Feldbau, diese stabile Beschäftigung und j sichere Erwerbsquelle, die ihrer Natur nach eine un- : besorgte Menschenklasse bilden sollte, wird durch das Pachtsystem eine bewegliche, unsichere und eine höchst ' sorgenvolle Existenz. Die Miethe muß jedenfalls bezahlt werden, der Gewinnst aber ist zweifelhaft, und! tritt einmal eine Mißernte ein, so wird der Pächter ruinirt, er muß nun die für ihn auf ewig versiegte Erwerbsquelle verlassen, um irgend einen anderen Lebensunterhalt aufzusuchen. Dieses Nebel des Pachtsystems wirkt noch schmerzlicher bei jenen sogenannten Rechten, die schon an und für sich von bedrückender Natur sind, durch die Uebertragung derselben auf Pächter aber eine wahre Blutsauge-Anstalt werden: es sind diese jene Privilegien, denen zufolge Einzelne berechtigt sind, irgend ein Gewerbe ausschließlich zu betreiben, wodurch sie Producenten sowohl als Consumenten nach Gefallen drücken können; diese Rechte nun durch Pacht auf andere übertragen, welche durch die theure Miethe sich genöthigt sehen, ihren Druck bestmöglichst zu vergrößern, verbreiten Armuth um sich her. Das Pachtsystem häuft ferner die Armen auf einander in den Städten, wo sie ohne alle Stabilität den elenden Proletarierstand bilden, der duvch seine herumstreifende Lebensweise, grösstentheils für das Gefühl der Ehre und der Schande gleichgültig werdend, zu jedem Bubenstücke sich gebrauchen läßt und so zum Werkzeuge des Lasters herabsinkt. Es versinkt der tugendlose Mensch in Laster und Elend, bis einst die Tugend zur Macht gelanget und die Erde in ein Paradies verwandelt; so verkünden die Propheten die Zukunft. (Schluß folgt.) » i

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