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Der Israelit · 1867-08-07 · Heft 32 (7.8.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 32 (7.8.1867)
Date
1867-08-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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vm. Jahrgang. Beilage zu Nr. 32 des Israelit. Leitender Artikel. Die bidlischen Verheißungen in Gezug ans die letzten Ziele -es menschlichen Slredens. Von Jnlins Haas. ^Fortsetzung.) IY. Die Gegenwart. Wenn wir mit forschendem Blicke das sociale Leben betrachten, nehmen wir daselbst zwei von einander verschiedene Factoren wahr, die alles Schöne und Erhabene der Civilisation Hervorbringen. Diese sind die Humanität und die Kunst, deren Products sich wesentlich von einander unterscheiden; Sicherheit der Person und des Eigenthums, Rechtspflege, Heilanstalten , Arbeitshäuser, Bilvungsanstalten u. dergl. sind segensreiche Products der erstern. Die ganze Menschheit ist durch sie väterlich versorgt, jeder auf einen für ihn geeigneten Posten plaeirt, wo er für sich und für seine Nebenmenschen vortheilhaft zu wirken vermag. Anders verhält es sich mit den Erzeugnissen der Kunst, hier sind es Egoismus und Neid, die zur Thätigkeit anspornen, da strebt jeder, seinen Nächsten zu überrennen, auf dessen Ruin sein eigenes Glück zu gründen; hier herrscht ein immerwährendes Treiben, es werden allerlei Bequemlichkeiten geschaffen, die Genüsse werden verfeinert, das Alte wird über den Haufen geworfen, um immer Schöneres und Feineres an dessen Sülle zu setzen. Fragt jedoch der vom Flitterglanz nicht geblendete Forscher: Hat die mächtige Entwickelung der Kunst das Wohl der Menschheit befördert, hat dieselbe überhaupt Glückseligkeit auf Erden geschaffen? Da hört er noch immer von Unerreichbarkeit der Glückseligkeit auf Erden sprechen, „Le bonheur,“ sagt Sand, „mot vide de aens pour tout homme de saog froid, image profaD^ par lea passions datis l'ivrease d’un jour, vague esp^rance plant^e comme un phare sur lea*orages de la vie, m6teore capricieux qui fuit ä mesure qu’on approche“. In der practischen Welt sehen wir die Bestätigung dieser Behauptung, denn einem groß n Theil der Menschheit bleiben alle vorhandenen Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten bloß Gegenstände des Verlangens, da er Armuths halber nicht im Stande ist, von ihnen Gebrauch zu machen. Dem Bemittelten steht wohl > Alles zu Gebote, aber in dem trägen Genüsse wachsen die Unheil-verbreitenden Leidenschaften wie Schilf in sumpfiger Gegend, die ihm das Leben verleiden: so läßt der Neid ihn seines Glückes nicht froh werden, wenn sein Nächster von größerem Glücke begünstigt wird; der Stolz macht ihm das Leben bitter, wenn er nicht nach seinem Dünkel verehrt wird; seine Unersättlichkeit bleibt bei noch so großem Besitze unbefriedigt. Es kann daher die Kunst allein keine Glückseligkeit schaffen, wenn nicht die Moral durch Zügelung der Begierden die Zufriedenheit bewirkte. Hierzu aber müßte Tugend im Lande vorherrschend sein: dieses ist aber leider nicht der Fall, wir nehmen im Gegentheile die Verbreitung des Lasters in großem Maßstabe wahr, die jeder Rechtspflege Hohn spricht: der öffentlich strenge Richter ist nicht selten heimlich der Bestechlichkeit ergeben, der eifrige Tugendprediger handelt in dem practischen Leben seiner schönen Theorie schnurstracks entgegen; wie viel schöne Häuser werden durch lasterhaften Erwerb, durch Ehebruch, Wucher, Betrug und Gewaltthätigkeit erbaut? Es ist freilich gleichviel, wodurch dieselben erbaut wurden, sie stehen immer fest da zum Schutze gegen Frost und Sonnenhitze; aber wie hart werden diese Sünden in der Gesellschaft mit Thränen der Armen, mit Elend der Bedrückten und mit Mißmuth der Besitzer selbst gebüßt. Siehe da, ein Weib hat durch seine bezaubernde Schönheit sich Reichthum erworben und so seine Familie aus dem Staube zum Glanze erhoben. Was ist nun die Folge eines solchen Ereignisses? Ehebruch kömmt in die Mode, die Ehemänner ereifern sich nicht mehr wegen der Treulosigkeit ihrer Gattinnen und die Frauen schämen sich nicht, um die Gunst fremder Männer zu buhlen, die häusliche Glückseligkeit wird verbannt und der Wohlstand des Hauses wird auf Schmuck und Schönheitsartrkel verwendet. So bewirkt das scheinbare Glück einer Buhlerin das Unheil vieler Familien. Ein Banquerottirer hat durch trügliche Geschäftsoperationen, anvertraute Güter veruntreuend, sich in kurzer Zeit bereichert; hierdurch wird dem redlichen Kaufmann sein Geschäft verbittert, da sein Fleiß ihm nur kärglichen Haushalt gewährt. Die Redlichkeit wird nunmehr verhöhnt und Uebervortheilung kömmt an die Tagesordnung. Ein Wucherer hat großen Reichthum erworben, nun werden die Kapitalien vertheuert, die Maaren verlieren ihren Preis, weil Jeder baares Geld zu erhalten strebt, der Handwerker muß um halben Lohn arbeiten, damit fein Product dem Markte sich anpasse, Niemand kann mehr auf gefällige Darlehen Anspruch

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