Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1867)
- Date
- 1867-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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550 Lemberg. Von schwerem Unglücke wurde vergangene Woche Galizien heimgesucht. Große Strecken dieses Landes sind überschwemmt worden, die meisten Flüsse sind ausgetreten. In Premißlo sind 5 Kinder und 1 Polizeidiener ertrunken. Ein jüdischer Gastwirth ging in den Keller, um Bier zu zapfen, kam aber lange nicht herauf und seine Frau, die nach ihm sehen wollte, blieb auch aus. Als man bald darauf nach ihnen forschte, sah man, daß beide ihren Tod im Wasser gesunden haben. (Lemb. Zig.) Italien. Padua. Bereits wurde in diesen Blättern über die Verhandlungen und Beschlüsse des isr. Congreffes in Florenz, unter andern auch, daß das Rabbinerseminar dahier verbleiben soll, berichtet. Man hat sich jedoch nur unter folgenden Bedingungen für Padua erklärt: 1) Die Ausgaben für das Institut, welche den Gemeinden, die ihren Beitritt erklären, aufgelegt werden, dürfen die Summe von 9000 Fr. jährlich nicht überfteigen. 2) Die Studirenden aus diesen Gemeinden müssen den Unterricht unentgeltlich erhalten; als Pensionspreis für Kost und Logis darf nicht mehr als 500 Fr. jährlich von jedem Einzelnen genommen werden. 3) Vier Plätze für je 200 Fr. müssen im College zu Gunsten armer junger Leute aus diesen Gemeinden eingeräumt werden. 4) Der Pensionspreis für junge 2mte aus andern Gemeinden darf für Unterricht, Kost und Logis bis zu 900 Fr. festgesetzt werden. 5) Die Ausgaben für das Institut werden unter den Gemeinden nach Verhältniß ihrer Bevölkerung vertheilt. Frankreich. Paris. Nachstehend theilen wir unfern geehrten Lesern die hauptsächlichsten Ehrenauszeichnungen der Israeliten bei Gelegenheit der Pariser Ausstellung mit. Zum Offizier der Ehrenlegion wurde HerrAldroph, Architekt der kaiserlichen Commission, erhoben. Als Ritter der Ehrenlegion wurden ernannt: Baron Gustav v. Rotbschild, als Mitglied der Jury, Klasse 15. Georg Halphen, Mitglied der kaiserlichen Commission; Myrtil Dupont, Lehrer zu Ars-sur-Moselle für Vervollkommnung der Elsenfabrikation; I. Haas, Hvtfabrikant in Paris; Martin Costrr, Mitglied der niederländischen Commission, für Diamantenschleiferei; Emil Levy, Historienmaler in Paris; Israels, Maler aus den Niederlanden. (Arch. Isr.) Paris. Die schlechten Gesinnungen, der Haß, die vorbedachte Verleumdung gegen die Juden hat selbst in Frankreich, dem Lande der Gleichheit, noch nicht aufgehört. Die Buchhandlung Le Bigre Duquesne in Paris hat einen Catalog über die Ausstellung, versehen mit guten Rathschlägen für die Fremden, welche Paris und den Ausstellungspalast auf dem Marsfelde besuchen wollen, veröffentlicht. Nachdem in demselben die Leser vor den verschiedenen Gaunern und Freibeutern, deren sich bei großen Volksmassen viele vor finden, gewarnt werden, heißt es in dem Catalog Seite 54 weiter: „ Endlich mögen sich die Besucher vor den Juden, die Lorgnetten, schlechte Bücher und sonstige verschiedene Gegenstände, die man gar nicht nennen kann, verkaufen, in Acht nehmen." (Arch. Isr.) Paris. Vor Kurzem fand die öffentliche Prüfung in dem von der man m gegründeten, und unter der Direktion des Herrn Rabbinen Moses Weiskopf stehenden Institute statt. Viele Männer, die für das Gedeihen dieses Institutes großes Interesse zeigen, und denen es ernst ist um eine echt-jüdische Erziehung, wohnten derselben bei, unter andern auch der Oberrabbiner Klein von Kolmar, der eigens deßhalb hierherreifte. Die Kinder, die in den profanen Wissenschaften sowohl, als auch in n'0« eno:» rus^o inpo unterrichtet werden, leisteten in sämmtlichen Fächern Erstaunliches. Alle Anwesenden waren vollständig befriedigt, und können wir es uns nicht versagen, den an dem Institute wirkenden Lehrern unsre vollste Anerkennung hiermit auszusprechen. (Libanon.) Paris, 26. Juli. Nach Mitrheilungen, welche Herr Picot , der jetzt in Paris weilende Sekretär des Fürsten Karl, in der gestrigen Sitzung der Alliance israelite gegeben, sind die Tage des Bratiano gezählt. Der Fürst ist entschlossen, diesen Mann, wenn nicht schon vorher, so doch sicher im Oktober den zu erwartenden Angriffen der Kammer gegenüber fallen zu lassen. Konstitutionelle Einschränkungen aller Art, welche die rumänische Verfassung ihm auferlege, hinderte den Fürsten, sich schon dieses Mannes zu entledigen. Herr Picot, ehemals Auditor im französischen Staatsrath und Protegä der bekannten Milchschwester Napoleons III. und Erzieherin der fürstlich Hohenzollern'ichen Kinder, Madame Cornu, Sekretär des Prinzen Karl, wußte durch diese und ähnliche Aufklärungen die Mitglieder der Alliance isra&ite derart umzustimmen, daß Herr Crömieux, der zwei Tage vorher dem Fürsten einen scharfen Brief geschrieben, sofort nach Bukarest telegraphirte, mit der Bitte, den letzten Theil seines heftigen Schreibens für null und nichtig anzusehen. Gleichzeitig ersuchte man Herrn Picot, der heute abreisen sollte, feine Rückkehr um 48