Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1867)
- Date
- 1867-08-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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548 fälscht haben, indem Sie ihn verkehrt stellen: Derselbe verheißt nämlich Zion und Jerusalem Heil und fordert sie zur Freude und zum Frohlocken auf, indem er weiter sagt: aani ’jy «in yttnji pna id wa» *pt>a rm man by. Erröthen Sie nicht und hören Sie nur ruhig zu. Was würden Sie einem Exegesen erwiedern, der die Geschichte Jerusalems von der christlichen Aera an bis an den heutigen Tag kennt, und Ihnen sagen würde, daß seitdem dieser Vers geschrieben worden, schon mancher aus einem Esel durch Jerusalems Thore gezogen sei? Fassen Sie das •oy als „arm" auf, da wird die Zahl Derer viel größer, doch das wird zu einem „stegreichen König" nicht gut passen, sie werden das >jy wie Jonathan mit puy „ein Bescheidener" übersetzen müssen, so werden die Leute fragen, wer verhinderte den siegreichen Bar-Kochba daran, seinen Einzug in Jerusalem auf einem Esel in bescheidener Erniedrigung zu begehen? Sie haben den Esel, aus uns unbekannten Gründen, mit „Thier des Friedens" genannt, nun das w'rd Ihnen Niemand verargen; da die messianische Zeit doch Friede haben muß, so lassen Sie wenigstens die Esel den Frieden, von dem die übrige Welt noch nicht viel zu erzählen weiß, genießen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten »nd Correspondenzen. Deutschland. Akeicherrhall. Die seit vergangenem Jahre hier errichtete jüdische Restauration des Herrn Kutz ist eine wahre Wohlthat für die hiesigen israel. Curgäste; dieselbe wird sehr stark frequentirt. Schon im Anfang der Saison kamen täglich ca. 100 Gäste. — Viele derselben waren früherhin gezwungen, verbotene Kost zu genießen, oder auf den wohlthätigen Einfluß unserer berühmten Heilquellen zu verzichten. Berlin. Dahier wurde eine Commandit-Gesellschaft auf Actien mit einem Grundkapital von 500,000 Thaler gebildet, welche den von Herrn A. Salomon herausgegebenen und verlegten Talmud in 8° zur Fortführung rety. Vollendung bringen wird. Köln, 25. Juli. In der hiesigen Synagoge ist in der verflosienen Nacht Feuer ausgebrochen, welches erst spät bemerkt wurde und große Zerstörungen angerichtet hat. Kostbare Teppiche und Vorhänge sind verbrannt, desgleichen ein Theil der Gallerie und der unten befindlichen Synagogenenstühle; sehr werthvolle heilige Gefäße fand man ganz zerschmolzen vor Dazu ist die schöne Stückarbeit in der Kuppelwölbung hcrabgefallen und die in dem Heiligthume angebrachten Malereien und sonstigen reichen Verzierungen haben durch Rauch und Flammen so gelitten, daß ihre gänzliche Wiederherstellung sehr lange Zeit in Anspruch nehmen wird und der schöne Anblick des Innern des Tempels, der bekanntlich zu den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt gehört, dem Publikum auf längere Dauer entzogen bleibt, abgesehen davon, daß das religiöse Andachtsbedürfniß der Mitglieder der isr. Gemeinde, welche nur auf diese eine Synagoge angewiesen ist, wenigstens vor der Hand gewiß sehr empfindlich berührt wird. Den Gesammtschaden kann man nur nach Tausenden schätzen: doch schwanken in dieser Beziehung die Muthmaßungen noch zu bedeutend, um eine Summe bezeichnen zu können. Ueber die Ursache des Brandes, auf welchen man erst durch den aus den Eingangsthüren hervorgequollenen Rauch aufmerksam wurde, verlautet noch nichts Bestimmtes. Die Feuerwehrmänner rühmen, es sei ein rührender Anblick gewesen, mit welcher Hast und Unerschrockenheit die Israeliten auf die Rettung der Gesetzesrollen bedacht gewesen seien. (Köln. Ztg.) Aus VZestphalen. Es ist doch etwas schönes und herrliches um die orthodox-jüdische Presse! Seitdem sie existirt, ist Vieles, sehr Vieles in Israel anders geworden. Viele Gemeinden, von denen man früher kaum dem Namen nach etwas wußte, sind durch dieselbe ans Tageslicht gezogen; viele „Krebsschaden im Judenthum" sind durch dieselbe aufgedeckt worden; viele nützliche Vereine sind durch dieselbe ins Leben gerufen; viele Arme und Nothleidende sind durch dieselbe von Elend und Untergang gerettet worden, und Ihnen, Herr Redakteur, ist es durch Ihr gesch. „Blatt" ganz besonders gelungen, in den wenigen Jahren seines Bestehens, Segen und Heil in Israel zu stiften. Was war es voch noch mit der jüdischen Presse vor etwa 10—15 Jahren?-Sie ruhte meistentheils in Händen reformistischer Rabbineu und Gelehrten, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht zu haben schienen, das Judenthum zu germanistren, den Neologismus und Jndifferentismus öffentlich zu predigen; nach ihrem Gutdünken und nach ihrer Bequemlichkeit die heiligen Gesetze und Rechte — die uralt und das Element des Judenthums sind — zu bekritteln; die religiösen Ceremonien (ohne welche es kein Judenthum gibt) ä la mode einzurichten; den Gottesdienst durch Orgel und Gesang zu verschönern (l), statt des Schofar an den heil. Neujahrstagen Instrumentalmusik (wie Geiger und Consorten) einzuführen; den Sabbat ä la Holdheim auf den Sonntag zu verlegen und die Gebete nach Gutdünken abzukürzen und zu beschneiden, kurz, wer vermag die Schönpflästerchen alle zu nennen! — Anders aber ist es heute schon theilweise geworden. Blätter, die früher sich brüsteten mit der Phrase: „das Judenthum muß veredelt und gereinigt werden;" „Reformen find zeitgemäß und nothwendig," haben nach und nach ihren Einfluß verloren, sind theilweise verstummt, oder ihr Wirkungskreis erstreckt sich doch nur noch auf sehr wenige Individuen. Ja, es ist an-