Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1867)
- Date
- 1867-08-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447323--05364-2460867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
547 Äus der Weltnllsstrllllng. (Fortsetzung statt Schluß.) Der Glanzpunkt aller Hypothesen, das non plus ultra alles Possierlichen, welche dieses Werk uns austischt, ist jedoch die Behauptung, daß der christliche Religionsstifter als solcher — man höre und staune — vom Talmud anerkannt sei. Wer wollte diese Behauptung, die kühnste, ja die lächerlichste, die vielleicht je aufgestellt wurde, entkräften? Niemand, der eben nur den geringsten Begriff über dieses Werk hat, und wenn er selbst diese Kenntniß einem Conversationslexicon entnommen hat, wird diese Behauptung des Herrn Professors glauben, wir wollen daher mit solchem Wahne auch nicht streiten. Der Leser könnte jedoch vielleicht glauben, der Herr Professor Delitzsch sei in Bezug auf die jüdische Literatur so unbewandert, daß er solche absurde Dinge zur Weltausstellung bringt. Im Gegentheil wissen wir recht gut, daß Professor Delitzsch ein sehr begabter Orientalist ist, wir kennen ihn und seinen europäischen Ruf in der Gelehrtenwelt. Jedoch hindert dieses uns nicht, die Ungereimtheiten, die dieses Werkchen enthält, an den Pranger der Lächerlichkeit zu stellen, und es Anderen zu überlassen, darüber zu entscheiden, ob dieselben absichtlichen Verdrehungen oder oberflächlicher Behandlung des Stoffes zuzuschreiben sind. An einer anderen Stelle sagt der Herr Professor: „Schon im alten Testamente deutet es sich an, wie wir gesehen haben, daß der künftige Sieg über das Böse nicht ohne scheinbares Erliegen des Siegers erlangt werden kann, und es hat tiefe heilsgeschichtliche Gründe, daß sich gerade im Exil, in welchem das berufstreue Israel eine mehr durch geistliche als ceremonielle Bande zusammengehaltene Confessoren- und Märtyrergemeinde war, die christologische Erwartung mit der Erkenntniß bereicherte, daß der künftige Mittler des Heils sterben müsse, um das Heil seines Volkes und der Menschheit zu werden." <Äe sprechen von einem Exil, in welchem Israel eine Märtyrergemeinde war; nun wir glauben nicht, daß Sie das babylonische Exil darunter verstehen, denn da war doch Israel keine Märtyrergemeinde, dort gab es nur einen Haman und der wurde bekanntlich gehängt, und die übrigen Fürsten und Völker der damaligen Zeit verstanden sich nicht auf Auto's-da-se, diese Erfindung dürfen wir trotz Nebukadnezar den spanischen Mordbrennern nicht absprechen, wenn wir bei der Wahrheit bleiben wollen, — doch das hat ja vielleicht auch „Heilsgeschichtliche" Gründe. Also müssen wir selbstverständlich das jetzige Exil, das in der nachchristlichen Zeit begonnen, darunter verstehen, und da wurde die christologische Erwartung mit der Erkenntniß bereichert, daß der künftige Mittler des Heils sterben müsse! Welche Unkenntniß der Geschichte muthen Sie da in „Gebildeten im jüdischen Volke" zu? Sie sprechen von dem nachchristlichen Exil noch von einem künftigen Messias; Sie vergessen ja ganz, daß die Leidensgeschichte von Ihnen selbst schon im alten Testamente in dem U’ntODi gefunden worden! Sie sprechen von geistlichen Banden der Religion, und versetzen die ceremonielle in den Hintergrund und merken in Ihrem Eifer gar nicht, daß Sie dabei in das Fahrwasser der jetzigen Tagesphilosophie dilettantischer Weltmänner gerathen; abgesehen von dem Punkte, daß im Exil die ceremoniellen Bande qualitativ nicht abgenommen haben, obschon der Qpferdienst — trotz niDD — weggefallen ist. Nachdem Sie alle diese schönen Beweise ausgestellt haben, blicken Sie zurück auf die Häupter Ihrer Lieben und sagen mit Beftiedigung: „Sind das nicht klare und, wie man meinen sollte, unausweichbare Weissagungen von einem leidenden und sterbenden Messias? Und doch weiß die moderne Exegese, welche Christum im alten Testament überall lieber tilgt als findet, auch hier die Wirklichkeit in bloßen Schein aufzulösen." — Nun, von Ihren Beweisen haben wir so ziemlich gesprochen, wir haben nichts im alten Testament getilgt, und dennoch haben wir nicht das gefunden, was Sie so klar und hell sehen. Als letzten schlagenden Beweis haben Sie noch einen ausgehoben, den Sie gleich nach obigem Citat anführen: „Aber immer noch bleibt uns die Weissagung, Zach. 9, 9., wo Der, welcher nicht auf stolzem Schlachtrosse, sondern aus dem Thiere des Friedens in Jerusalem einreitet, ’jy „ani we-noscha“ heißt. Daß der König, der diese sonderbaren Beinamen führt, der Messias sei, kann auch diese im Verneinen so starke Exegese nicht verneinen." Ihnen zu Liebe wollen wir, weil Sie gerade auf diesen Vers so zuversichtlich rechnen, gegen unsere ftüher ausgesprochene Erklärung, nach welcher wir Ihre Bibelverserklärungen auf die Krupp'schen 400 Pfänder verweisen, diesen ein wenig ins Auge fassen. Abgesehen davon , daß bald auf diesen Vers ein anderer folgt, der denselben Inhalt behandelt und heißet: c>L2pr< Dnyn pND dtiobth Dsupw or6 np“>PN: „Ich will sie zurückführen aus dem Lande Egypten, aus Aschur sie herbeiholen," und dieses bekanntlich noch nicht geschehen ist, so haben wir demnach noch andere Bedenken über Ihre Beweisführung, die wir Ihnen ganz offen sagen wollen. Sie haben nämlich ganz recht, daß der König, der diesen sonderbaren Beinamen führt, der Meisias sei, und wir glauben selbst die Exegese wird Ihnen für diese Stelle willfahren. Doch dürfen S>e es der Exegese und anderen vernünftigen Menschen, die Sie zum Nachdenken über diese Stelle auffordern, nicht verargen, wenn sie diese Stelle aufschlagen und richtig betrachten. Sie werden alsdann auch sehen, daß Sie den Vers absichtlich ge-