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Der Israelit · 1867-07-31 · Heft 31 (31.7.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 31 (31.7.1867)
Date
1867-07-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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536 i wiesen, so hat doch der Sitz unsere- Herrn Rabbiners in derselben bei verschiedenen Gelegenheiten sich als von höchster Jmportanz für die israel. Bewohner unseres Freistaates erwiesen. Daß Herr Rabbiner Adler es durchgesetzt hat, daß die israel. Schüler der hiesigen Volksschulen an Sabbat und Festtagen vom Schulbesuchs dispensirt werden, und daß dies harte Kämpfe gekostet, haben wir schon früher die Gelegenheit wahrgenowmen zu berichten. Wir wollen nun auch noch auf einen anderen Gegenstand zu sprechen kommen, der zwar im Allgemeinen und im Grunde genommen von secundärer Bedeutung, doch auch nicht minder der Beachtung der weiteren Kreise verdient. Wie in allen übrigen deutschen Staaten, io wurden hier in amtlichen Aktenstücken unsere Glaubensgenossen mit dem Namen „Juden" bezeichnet. Es ist nun zwar diese Bezeichnung historisch als richtig begründet, und hat für uns so Bezeichnte keine anderweitige Bedeutung als die es wirklich haben soll; doch haben wir ja schon oft die Erfahrung machen müssen, daß sich ein ganz nichtjüdischer Begriff in den Namen „Jude" eingeschlichen, oder vielmehr eingeschleppt worden durch judenfeindliche und tendenziöse Lexicographen, *) so daß man, anstatt jeden Juden, der Wucher trieb, „Wucherer" zu nennen, man jeden Wucherer „Jude" nannte. Um nun eben einen solchen irrigen Begriff nicht Platz greifen zu laffen, hat es unser Herr Rabbiner in der Bürgerschaft dahin gebracht, daß in allen amtlichen Erlassen und Actenstücken statt des Namens „Juden" der ebenso bezeichnende und minder verfängliche Ausdruck „Israeliten" in Anwendung kommt. — Auf Anregen des Herrn Rabbiners Adler hat sich dahier ein v"^-Verein gebildet, woselbst der Herr Rabbiner jeden Morgen einen 'pjspd p-is und allabendlich einen 'nDJ 'i'iyw vorträgt. — nbv nens benützte Herr Rabbiner Adler die Kanzel dazu, um für den natp ^nw-Verein Propaganda zu machen. Voraussichtlich werden seine beredten Worte dem neuen Vereine auch aus unserer Gemeinde ein erkleckliches Contingent von Mitgliedern zuführen, worüber wir seinerzeit berichten werden. — Der Hamburger Reformtempel in der Poolftraße wäre in der Nacht vom 18—19 Juni beinahe ein Raub der Flammen geworden. Eine Gasflamme scheint nicht gehörig geschloffen gewesen zu sein und das dadurch ausgeströmte Gas sich an dem Tön -o vor dem anpn jn» entßnbet zu haben, wodurch es explodirte, glücklicherweise aber weiter keinen Schaden anrichtete, als einige Glasfenster zertrümmerte und den Gyps und einige Holztheile der 1) So finden wir in Krafts d. l. Wörterbuch wörtlich folgendes: Jude, Judacus, uneigentl. statt Wucherer, Generator iniquus; ebenso bei Heinsius; Jude rc. rc. uneigentl. ein karger Wucherer und ein Betrüger im Handel und Wandel; Judelei, jüdische Gewinnsucht, auch eine einzelne daraus entspringende Handlung; ebenso „Jüdeln." Decke herunterschleuderte. — Bon unserem Hamburger Glaubensgenossen Herrn Albert Gowa, dem augenblicklich in London weilenden Cellisten, freut es uns, recht Günstiges berichten zu können. Im „Morning Star" vom 18. Juni lesen wir: Beim letzten Concert der Schubert-Gesellschaft machte ein junger deutscher Cellist, Herr Albert Gowa, sein Debüt vor einem englischen Auditorium und erregte unbegrenzte Bewunderung. Er ist ein Zögling des Herrn Grützmacher, welcher selber in den hervorragendsten und besten Concerten dieser Saison mitwirkte. Herr Gowa wurde mehrmals gerufen und mußte mehrere Piecen repetiren; seine Talente werden ihn bald an die rechte Stelle neben Piatti, Joachim, Halle und alle unsere besten Musiker bringen, und mit Freuden begrüßen wir das Erscheinen eines ersten Künstlers auf jenem schwierigen, aber sympathischen Instrumente, dem Cello. — In Altona soll nächstens der Grundstein zu den von Herrn Benj. Leja gestifteten 50 Familienfreiwohnungen gelegt werden und zwar in der großen Bergstraße; vor längerer Zeit schenkte H. Leja 20,000 Thaler an die Armen. Ein H. Leja greift in der zu New - Orleans erscheinenden „ Deutsche Zeitung" die Wohlthätigkeit des Herrn Benj. Leja in gar bitterer Weise an, wirft Rückblicke auf dessen frühere Geschichte nach der Belagerung in Schweden u. s. w. und kündigt eine besondere Brochüre darüber an. Man weiß ja, „es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen"; aber eS macht doch einen sonderbaren Eindruck, daß, wie eS scheint, ein naher Verwandter den andern öffentlich so bitterlich verfolgt. — Aus Paris meldet man vom 22. Juni: Seit gestern Abend cireulirte hier eine in finanzieller Beziehung äußerst wichtige Nachricht: es hat zwischen dem Barone James v. Rothschild und seinen ehemaligen Commis, den Herren Pereire, heutzutage Directoren des Credit-Mobilier, eine Versöhnung stattgefunden. — .vb rvao lv'dr O österreichischer Kaiserstaat. Wie«. Die Neck. vrs. Schlesinger und Böhm in Wien sind mit dem sächsischen Albrechtorden ausgezeichnet worden. Karlsbad. Der hiesige Brunnenarzt Dr. Leopold Fleckles erhielt m Anerkennung seiner Verdienste um die praktische und theoretische Heilkunde den russischen Stanislaus-Orden. Palästina. Jerusalem. Die große Cisterne, von der in diesen Blättern bereits mehrfach die Rede war und die geeignet ist, dem oft drückenden Wassermangel einigermaßen abzuhelsen, geht ihrer Vollendung entgegen.

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