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Der Israelit · 1867-07-31 · Heft 31 (31.7.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 31 (31.7.1867)
Date
1867-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 31 des Israelit. Leitender Artikel. Die biblischen Verheißungen in Aezug auf die letzten Ziele des menschlichen Strebens. Von Julius Haas. (Fortsetzung.) iir. Mo sch eh. Nachdem Israel seine physische Entwickelung in Egypten vollendet hatte, nach Hunderten von Jahren, in denen es wie von der Vorsehung vernachlässigt, in Sklaverei geschmachtet hatte, ließ die alles wohl berechnende Allweisbeit den in der Geschichte einzig dastehenden Mann erstehen — dessen Name schon ihn immer daran erinnerte, daß er von der Vorsehung zur Brechung der Tyrannei an seinen Brüdern bestimmt sei — und beorderte ihn mit einer zwiefachen Mission. Die Eine derselben war politischer Art, nämlich Israel von seinem Tyrannen zu befreien, dasselbe zu einem Volke zu bilden und ihm ein Land zll erwerbet!. Die zweite war moralischer Art, nämlich, der Ueberbringer einer Religion zu sein, die, kraft ihrer Wahrheit, alle andere Religionen vernichten und j sich allein auf Erden ausbreiten solle. Diese gewaltigen Aufträge sind einem Manne geworden , der, seiner Angabe nach, weder Held noch Redner war, sondern alles Große und Furchtbare, kraft des sich offenbarenden allmächtigen Gottes, vollfuhrte. Bei jedem bedeutenden Ereignisse, bei jeder eintretenden Noth, bei jedem Angriffe von Außen, bei jeder Empörung von Innen wandte Moscheh fick unmittelbar an Gott. Oft fiel er gar auf sein Angesicht hin, als wäre schon Alles verloren, als wäre er auf so etwas gar nicht vorbereitet gewesen. Und doch rechnete er auf sichere Hilfe. Dieser Zuversicht zufolge stand er nicht an, den wildesten Leidenschaften des aufgeregten Volkes sich muthig entgegenzustellen; so gab er dem Stamme Levi den Auftrag, das vielmal stärkere, vom Götzendienste hingerissene Volk anzugreifen und an ihm die Execution zu vollziehen, Exodus 22, gab er ferner den Volks oberen auf göttliche Anordnung den Befehl, einen großen Theil des von den Töchtern Moabs zur Unzucht verleiteten Volkes aufzuhängen, Rum. 22. Dieses würde er durchaus nicht gewagt haben, wenn er nicht der göttlichen Hilfe sicher gewesen wäre. Aber er war der bescheidenste Mensch auf Erden, er I machte für sich gar keinen Anspruch, alle Ehre und! allen Dank nur dem Allmächtigen zueignend. Noch bei seinen Lebzeiten ernannte Moscheh, mit Uebergehung seines ganzen Stammes, seinen Nachfolger. Mit feinem Tode treten seine Nachkommen gänzlich aus den Blättern der Geschichte, da er ihnen gar keine Würde verlieh; er ließ von seiner eigenen Person keine Spur zurück; selbst ferne Grabstätte hat uns Gott verheimlicht, damit dem großen Manne von der Nachwelt nicht irgend eine göttliche Ehre zu Theil werden möge. Das Volk führte Moscheh bis an die Grenze des verheißenen Landes, rief aber Himmel und Erde zu Zeugen auf. daß es dasselbe nur so lange besitzen werde, als es dem wahren Gott treu bleibe. Das sociale Leben ward ganz dem höheren Lebenszwecke gemäß geordnet; der Erwerb nämlich konnte blos das Leben, nickt aber den Besitz selbst zum Ziele haben, da die Anbäusung großer Reichthümer, in Folge des strengen ZinSgesetzes und des eingeführten Jubeljahres, in welchem gekaufte Gründe ohne Lösegeld zu ihrem ehemaligen Besitzer zurückkehrten, fast zur Unmöglichkeit wurde. Da nun der Israelit nur die Mittel zu seiner Existenz zu erwerben hatte, so konnte ein großer Theil des ganzen Lebens höherem Ziele gewidmet werden. Der siebente Theil der Zeit war vorzüglich Gott geweihet rüttf, der zwölfte Theil! des Volkes, der ganze Stamm Levi, war vom Güterbesitz ausgeschlossen, blos mit dem Kultus beschäftigt. Dreimal in jedem Jahre verließ jeder Israelit Haus und Geschäft, um in der heiligen Stadt gemeinschaftlich die Hauptseste zu feiern, alle sieben Jahre trat der Länderbesitz zu dessen ursprünglichen Eigenthümern zurück; der zeitliche Besitzer hatte kein besonderes Recht an ihm, sondern die gesammte lebende Welt hatte gleichen Antheil daran. Auf diese Weise zeigte das allgemeine Leben hinauf auf das ewige Lebensziel und bewährte sein ewiges Dasein. Moschehs Lehre von Gott läßt die göttliche Inspiration gar nicht bezweifeln; denn keine beschränkte Vernunft vermag eine Gottheit sich zu denken, auf deren Geheiß Himmel und Erde sammt allen ihren Heeren entstanden, in deren Vergleich der Mensch sich in ein Sonnenstäubchen verliert, die dennoch an der Liebe dieses Wurmes Gefallen hat und dessen Opfer entgegennimmt. Dieser auf solche Principien gegründete Staat hätte ewig sortbestehen müssen; jedoch war dieses nicht der Fall; weil die Religion wohl göttlich ist, aber ihre Leiter doch nur Menschen sind; und unwürdigen Beherrscher Israels wähnten sich berechtigt, mü

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