Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1867)
- Date
- 1867-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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528 uns sofort Bescheid, daß man nur das Opfer von uns verlange, dieses Büchlein zu — lesen und zu beherzigen. Der Herr Professor sagt nämlich am Schlüsse seiner salbungsvollen Anrede: „Die folgenden Blätter zeigen, daß euch in dem Glauben an Ihn (den Stifter der christl. Religion) kein Abfall vom alttestamentlichen Gottesworte angesonnen wird. Nein/ ein Gerechter wie Er, der für sein Volk starb, um es mit sich zur Herrlichkeit emporzuheben, ist das Ziel des ganzen alten Bundes. Leset und prüfet!" Haben wir also Erbarmen und folgen dem Herrn Professor. Doch müssen wir bemerken, daß es uns durchaus nicht in den Sinn kommen wird, die alten abgedroschenen Deductionen, die der Herr Professor seinen vielen Vorgängern auf dem Felde der Proselytenmacherei nachschreibt, zu besprechen, dieses ist bereits auf so vortreffliche Weise vor uns geschehen und sind diese Verdrehungen der Bibelstellen zu absurd, als daß man damit „Gebildete in Israel" angeln könnte. Nur einiges Neue, was uns Herr Professor Delitzsch sagen will, wollen wir mit wenigen Worten beleuchten. Vor allen Dingen fühlt sich der Herr Professor veranlaßt, die christl. Idee der Sühne im alten Testament oder doch wenigstens im Judenthume zu begründen, indem er sagt: „Es gibt kein Volk der Erde, in dessen Bewußtsein die Idee der Versöhnung so t efe Wunden geschlagen hat (?), wie das jüdische. Ein Niederschlag dieser Erfülltheit des jüdischen Bewußtseins von der Idee der Versöhnung ist sogar in unsere deutsche Volkssprache übergegangen, denn die Redensart (m-DD) ,, capores (verderbt: caput) gehen", welche wir im Sinne von verderben, zunichte werden gebrauchen, ist jüdisch-deutsch: oappüeos (cappöre) bedeutet hebräisch Sühne und oappöras geht (cappöre gemacht) wird dasjenige, was zu dem Zwecke stellvertretender Sühnung in den Tod gegeben wird, wie das Huhn, das man am Versöhnungstage (?) mit den Worten: Das sei mein Stellvertreter, das meine Sühne (oapparatsii) um den Kopf schwingt und gegen die Wand schlägt (?). Dieses Huhn rst nur ein Surrogat des jetzt nach der Zerstörung des Tempels und außerhalb des heiligen Landes nicht mehr vollziehbaren Bocksopfers. Denn das Thier wüd im Thieropfer stellvertretend für den Darbringer, das schuldlose für den Schuldigen, in den Tod gegeben: die herrschende rabbinische Richtung — sagt Einhorn in seiner scharfsinnigen Schrift über das Princip des Mosaismus (1354 S. 195) — bekannte sich zur Satissactivnstheorie." Nun über diese Stelle ließe sich Manches sagen, was den Behauptungen des Herrn Professors schnurstracks widerspricht, ^ir müssen gestehen, die etymologischen Beweise sind recht populär und zwar so populär, daß sie Jedem einleuchten, der die hebräische Sprache — nicht kennt oder sie bei dem Herrn Professor auf guten Glauben hin annimmt. Andere Leute, die ja etwas von der hebräischen spräche wissen, würden sich z. B. durch bloße Analogie ähnlicher Wörter, unstreitig das sicherste Mittel, sich über die Bedeutung eines Wortes Aufklärung zu verschaffen, — dis werden Sie, Herr Professor, doch nicht in Abrede stellen — eines Besseren belehren. So würden wir nnso mso hsd eher mit Uebersehen, Bedecken der Schuld erklären. Wir würden uns damit auch die Ähnlichkeit der Bedeutung ms3 Deckel, der die Bundeslade bedeckt, verwandt mit ->22 leugnen, die Wahrheit zudecken, verbergen, von ,122 verlösche» syn. mit 121 bergen, zuverdecken, wie es die Targumim und selbst die Vulgata aufgefaßt haben, davon 1122 Schale, die die Frucht bedeckt, wie es sich auch in den Dialecten im Arabischen und Syrischen erhalten hat. Ein fernerer Beweis hiefür ist der, daß 122 fast überall mit 1^, „bedecken über" construirt wird. Saadias Gaon und Kimchi, die Septuaginta würden den Herrn Pros. Delitzsch schon auf die richtige Bedeutung der erwähnten Worte führen, wenn er nicht mit dieser populären Etymologie Kapital schlagen wollte, um den Unkundigen, die der Herr Pros. „Gebildete" nennt, Sand in die Augen zu streuen. Wenn Sie nun, Herr Professor, „iesesHuhn nur als Surrogat des Bocksopfers" ansehen, so muß ich Ihnen leider wieder eine Bemerkung in den Weg ihres eifrigen Bekehrungsstrebens stellen. Sie haben nämlich übersehen, daß das Huhnumschlagen am (?) Bersöhnungstage, was nebenbei gesagt, vor dem Bersöhnungstage und nach demselben geschehen kann, durchaus keine Vorschrift ist, daß es nur Usus und gar nichts mehr ist, was also, sollte es Opfer vertreten, eine rabbinische Anordnung sein müßte; der schlagendste Beweis ist jedoch der, daß zu oiesen KapporeS, die dem Herrn Professor so vielen Spaß machen, keine solche Thiere genommen werden dürfen, die im Tempel als Opfer dargebracht werden konnten; der Umstand, daß man selbst Geld, das doch selbst in Erlangen nicht als „Schuldloses für den Schuldigen in den Tod gehen" kann, zu Kappores nehmen darf. Die Ausdrucksweise, das Huhn, das man um den Kopf schlägt, klingt gar bekannt und vertraulich, fast könnte man versucht sein, zu glauben, der Herr Professor Delitzsch habe selbst einstens sich mit dergleichen Dingen beschäftigt; keinesfalls ist der Herr Professor bei diesem Ausdruck so vorsichtig und schlau gewesen, wie die Herren im Hauptquartiere, die ihre ausgestellten Kirchenmodelle mit „hebräischen Alterthümern" bezeichneten, um die „Gebildeten im jüdischen Volke" zum Besuche einzuladen. — Wie fern die rabbinische Auffassung einer Satisfactionstheorie gegenüber steht, wie dieselbe Gott ge-