Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1867)
- Date
- 1867-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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529 genüber von den Rabbinen als unsittlich verworfen wurde, das ließe sich mit Leichtigkeit — trotz Einhorn und Delitzsch — Nachweisen, wenn es hier nicht zu weit führen würde. Der Herr Professor sucht weiter aus der Sentenz B'p'-ra nrvo die Nothwendigkeit des Menschenopfers nachzuweisen — obschon der gelehrte Herr in seinem blinden Eifer sich dabet so weit vergißt, seine Vorstellung über den Stifter der christl. Religion ganz außer Acht zu lassen, und die menschliche Seite desselben etwas stark heroortreten läßt — was durch imo’ iNDrD und durch das daraus folgende rmn r« wqj uso tffSJ hinlänglich beleuchtet wird. Nach diesen nach der Meinung des Herrn Delitzsch unzweifelhaften Beweisgründen für sein Vorhaben kommt eine ungeheuerliche Kapuzinade, die so feierlich gehalten ist, daß man leicht glauben oder besser errathen könne, der Herr Professor habe dieselbe in einer sehr feierlichen Stimmung geschrieben, wenn er auch nicht gleich am Anfang gesagt hätte, daß der Vorabend des Charfreitags 1867 der Geburtstag dieser schönen Seelensprößlinge gewesen. Schade nur, daß eben nicht alle „Gebildeten in Israel" stets so feierlich gestimmt, wie der Herr Professor, und daß auch diese die Bibel lesen können. So läßt sich nämlich der Herr Professor die Mühe nicht verdrießen, verschiedene Stellen aus den Psalmen, Zach, und Jesaias bei den Haaren herbei uziehen und ihnen zuzumuthen, eine Weissagung für den christl. Religionsstifter zu enthalten. Obschon wir gestehen müssen, daß der Professor in dieser Arbeit schon sehr viele Vorgänger gehabt, so können wir uns dennoch nicht anders entschließen, als dem guten Herrn auch einmal ein Verslein zu citiren. In dem zweiten Kapitel Jesaias wird auch von der mesfianischen Zeit gesprochen und von dem tiefen Frieden, der dann in der Welt herrschen wird, erzählt. Dort heißt eS wörtlich: n1? nnora1? ürpnirv:™ D'n&6 nnmn mroi nonbo nitf» joi a-in 'N na d. h. zu deutsch : „Sie werden umschmieden ihre Schwerter in Pflugeisen und ihre Lanzen in Rebenmesser, kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben und man wird den Krieg nicht mehr lernen". Nun, Herr Professor, was haben sie darauf zu sagen? Der Vers steht da und zwar deutlich und läßt sich so wenig hinwegdeduciren, wie die großen Äußstahlkanonen de^ Herrn Krupp, oder gar die neue Kanonenspritze, die als Illustration zu diesem Verse dienen könnten. Also, Herr Professor, wenn wir einmal fo weit halten und unsere großen Kanonen in Pflugeisen umschmieden, oann — nur dann wollen wir uns auch einmal ihre schönen Verslem näher betrachten und mit ihnen darüber sprechen. Vorderhand aber finden wir uns nicht dazu bemüffigt. Sie wollen aus dem tu rppo beweisen, daß sich dieses nur auf den christl. Religionsstifter beziehe, weil er Gesalbter d. i. Hohepriester, Fürst und König war. Daß dieses wirklich Alles zutraf, das haben Sie gesagt, und wir wollen dieses vorderhand nur bescheiden auf Ihre Behauptung hin bezweifeln. Wenn Sie nun die Bergpredigt, die Sie das „Programm des Himmels" nennen, als eine bessere als die sinaitische Thora, mit anderen Worten als Correctur derselben betrachten, so vergessen Sie die Vorstellung, die wir Juden uns von Gott machen. Nach unserer Auffassung ist bei Gott eine Correctur nicht möglich, mithin wird auch die Lehre, die er gegeben, ohne Correctur oder Verbesserung befolgt werden können, wie Sie dieses an uns jeden Tag erblicken können. (Forts, f.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Breslau. Irregeleitet durch vielfache widersprechende Mittheitungen, die ich aus sonst authentischen Quellen empfing, habe ich in Nr. 25 des Israelit, den Lesern dieser geschätzten Blätter mitgetheilt, daß Herr Prediger Pleßner in Posen vor wenigen Wochen seinen 70sten Geburtstag gefeiert. Nun hat aber Herr Pleßner selbst, in Folge vielfacher an ihn gerichteten Gratulationen, in einem Schreiben an seine hier wohnenden Verwandten, deren gütigen Mittheilungen ich diese Berichtigungen verdanke, versichert, daß er in der That erst seinen 68ten Geburtstag gefeiert habe und alle daraus bezüglichen Gerüchte dementirt. — Ich widerrufe daher den ersten Theil meiner Correspondenz. Jedenfalls haben die Leser des „Israelit" das Leben eines Mannes kennen gelernt, der es verdient, in allen Kreisen orthodoxer Glaubensgenossen gekannt und geachtet zu werden. — Als Nachtrag zu der Biographie Pleßners diene noch Folgendes: Pleßner war bis zum Jahre 1625 Prediger und Religionslehrer in Testenberg in Oberschlesien, und dann erst in Breslau, und hat außer den angeführten Predigten auch noch einen Band Confirmationsreden (?) veröffentlicht. — Möge Herr Pleßner noch lange segensreich im Kreise seiner Familie zum Wohle seiner Glaubensgenossen wirken und sein 70ster Geburtstag dann auch ein Freudentag für ihn werden. — Ad vocem Consirmationsreden noch eine interessante Mittheilung. Die alljährlich um vas Schabuotfest hier stattsindende Confirmation wurde Heuer nicht abgehalten, und warum--aus Mangel an Constrmanden und Constrmandinnen. Sehr charakteristisch für die Fortschritte der Reform! Möch-