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Der Israelit · 1867-07-31 · Heft 31 (31.7.1867) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 31 (31.7.1867)
Date
1867-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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527 Äus der WettausstrllMg. „Nun! was sucht denn der „Israelit" aus dem Marsfelde?" hören wir viele Leser desselben verwundert ausrufen. Doch, wir sehen uns heute wenig nach dem buntfarbigen Treiben der hier „ausgestellten Welt" vn-nainiutuitz um; unser heutiger Spaziergang galt nicht den Chinesen und ihren Zöpfen, nicht den Persern mit ihren gefärbten Bärten, nicht den tätowirten Rothhäuten, die ihre Tomahawks nicht vergessen haben, und sich bei ihren Canoes, die sie der Welt ausstellen, über den „großen Geist", der auch außer ihren Bergen und Prairien wohnt, wundern. Uns kümmern weder die Pavillons, welche die verschiedensten Länder vertreten, wir sehen kaum nach den seltenen und merkwürdigen Gegenständen , die als beredte Zeugen für den Fleiß und die Kunst der Nationen hier plaidiren; bloßer Egoismus ist es, daß wir bei den Werken und Schöpfungen deutscher Männer uns etwas länger aufhalten, daß wir uns die großen Kanonen, die unser norddeutscher Landsmann Krupp aus Esten hierherschleppen ließ, nochmals betrachten, denn unser Weg führt anderswohin. Wir haben gestern Abend in unserem Wegweiser etwas gelesen, was uns speciell interessirt, und das müssen wir erst sehen, ehe wir Paris Adieu sagen. Dort steht nämlich geschrieben und gezeichnet: „Gebäude der hebräischen Alter thüm er". Was ist natürlicher, als daß wir uns beeilen, uns diese Alterthümer näher zu betrachten? Uns empfängt bei der Ankunft ein orientalisches Gesicht, wir sehen es dem Repräsentanten der ausgestellten Gegenstände an, daß er ein Semite ist und erfahren bald durck die Unterhaltung mit ihm, daß er — nun davon später —. Betrachten wir uns die ausgestellten Gegenstände, so stnden wir zwar keine eigentlichen Alterthümer, wie wir sie erwartet haben, doch sonst ganz niedliche Sachen. Schade nur, daß sie keine hebräischen Alterthümer sind. Vor Allem zeigt man uns einige Modelle, die recht niedlich gearbeitet sind. Zuerst steht da ein Modell der „Heiligen-Grabes-Kirche"; wir betrachten diese „hebräische Antiquität" etwas stutzig, sehen uns den sehr geschwätzigen Führer etwas verstohlen an, während er sich anschickt, uns ein „Modell eines Theils des Berges Zion" zu veranschaulichen und diese Schnitzereien zu verdollmetschen. Hier erblickt man die Kirche und die Gebäude der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden. Nun wissen wir erst recht, was diese „hebräischen Alterthümer" sind und auch unser Guide entpuppt sich als ein getaufter Jude, der die schlesische Mundart seines Deutsch nicht zu verbergen weiß und von Profession ein — Missionär ist. Wir erblicken ferner noch ein Modell der Stiftshütte im Verhältniß von 1:25, nach Angabe der Bibel verfertigt. Alsdann führt man uns zu einem Glasschranke, der verschiedene Sachen enthält, die ans Oliven- und anderem palästinischen Holze gemacht, einige Buchbinder- und Buchdruckerarbeiten, die von den jüdischen Proselyten der Jndustriehäuser zu London und Jerusalem angefertigt sind. Da ist noch ein Pentateuch, der 1851 von Missionären in K'ä Fung Foo (Provinz Honae in China) gekauft wurde. Derselbe ist auf Schafsfellen in hebräischer Sprache*) geschrieben. Alles Uebrige sind alte Bücher, verschiedene Bibelübersetzungen und eine Megillah aus Bagdad und Photographien verschiedener Ansichten von Jerusalem. Wir glauben nun Alles gesehen zu haben, doch unser Himmelsführer, der, nebenbei gesagt, ein entsetzlicher Schwätzer ist, übergibt uns einige kleine Heftchen, die wir in die Tasche stecken und uns dann nach Hause begeben. Wir verlassen Paris. Unterwegs greifen wir aus Langeweile nach den Heftchen, die uns der gute Führer durch die hebräischen Alterthümer mitgegeben hat. Siehe da! Wir besitzen einen Katalog der Gegenstände, die die Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden ausgestellt hat, wir besitzen ferner einen Statutenentwurf der löblichen Gesellschaft, in dem man uns zum Beitritt zur Gesellschaft höflichst einladet; wir haben eine Apostelgeschichte in französischer Sprache und zuletzt eine deutsche Schrift von Professor Franz Delitzsch in Erlangen. Die anderen Schriftchen interessiren uns zu wenig, wir wenden uns zu jener des Herrn Professor, die da heißet: Der Messias als Versöhner. Ein begründetes Zeugniß an die Gebildeten i m jüdschen Volke. Wir lesen dieses Büchlein durch, es macht uns recht viel Spaß, wir streichen uns einige Stellen daraus an, und stellen dabei einige Betrachtungen an, die auch vielleicht denjenigen Lesern des „Israelit" von Interesse sein dürften, die nicht das Glück haben, die problematischen Alterthümer der Missionäre in der Pariser Weltausstellung zu sehen. Da finden wir gar merkwürdige Dinge, homiletischen, theologischen und philosophischen Inhalts. Wir erblicken da gleich beim Anfang folgende Ansprache: „Brüder aus Israel! Ihr seid, wie ein bis heute bewährtes Sprichwort sagt, ija D^om D’JDm; die Liebe, welche Mitleid hat mit des Nächsten Noth, ist euch angeboten." Schon glauben wir, der Herr Professor mache Propaganda für ein wohlthätiges Werk und denken bereits an einen persönlichen Appell an unsere Kasse, die sich noch von den Strapatzen des Pariser Pflasters zu erholen hat, da wird *) Zufällig besitzen wir einige Notizen über diesen Pentaleuch von unserm Mitarbeiter Hirsch Grünebaum, der ein Faksimile desselben in der Bibliothek zu München gefunden hat. Wir werden diese Notizen in einer der nächsten «isienschastlich»n Beilagen veröffentlichen. Red.

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