Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1867)
- Date
- 1867-07-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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516 gig von den jeweiligen Staatslenkern mitten in demselben. Die Emancipation gibt sich von selbst; bedingungslos, rein, edel. Sie ist die Frucht der Zeit, und es bleibt den Gesetzgebern nur eine kleine Ausgabe: sie in das Register, in das Protokoll des Jahrhunderts, das sie führen, einzutragen. Die Cioilisation übt siethatsächlich; die gesellschaftlichen Interessen brauchen sie wie ihr täglich Brod; die Legislatur, die den Griffel der Geschichte handhabt, kann sich dieses heiligen Amtes nur auf kurze Zeit entziehen. — Die Jmmatriculirung ist eine sogenannte Frage der Zeit. — Was liegt daran, ob das Factum auf dieser oder jener Seite vezeichnet stehet! — Nun aber möchten die inzwischen mehr und mehr der Religion der Väter untreu Gewordenen noch schnell vor Thoressperre die Emancipation zum Vorwände benützen, um ihren Neformgelüsten zu fröhnen. Sie wiffen es, der Staat, der erleuchtete Staat kümmert sich nicht darum, hat kein Interesse, wie und wieviel gebetet wird inisr. Kreisen; die jüd. Religions-Lehren sind als dem Staate ungefährlich genugsam bekannt und kann uns die Gesetzgebung keinerlei Bedingungen auf religiösem Boden vorschreiben. — Die jüd. Reformfreunde möchten nun gerne nicht die Emancipation für ein hübsches Stück der Religion eintauichen, das ist nicht mehr nöthig, aber doch die Emancipation ausbeuten. sich durch dieselbe eines Theiles der Religion zu entledigen, das ist jetzt ihr Streben. Man möchte noch immer einen Theil unserer ung. isr. Glaubensgenossen glauben machen, d'e Emancipation sei eher zu erreichen, wenn wir uns auf dem Standpunkt des „Essens aus einer Schüssel" stellten und alle die sich auf der Höhe der practischen Verwirklichung dieser täuschenden Vorspiegelung befinden, möchten noch die Sanction einer synodialen Erlaubniß, angeblich als eine nothwendige Vorbedingung zur Erreichung der bürgerlichen Rechte, erreichen Vielleicht ist der ehrs. Pesther Vorstand unabsichtlich in diese Strömung gerathen, es erklärt sich aber sehr gut, daß er sich beeilt hat, eine Versammlung einzuberusen unter dem Drucke dieser künstlich verbreiteten Ansicht; die öffentliche Presse würde durch Inspiration zur Unterstützung dieser Ansicht auch leicht ein Wesentliches leisten — kurz, es ließe sich machen. Auch auf die Gefahr hin, durch unliebsame Auseinandersetzungen den Feinden der Emancipation einen scheinbar plausiblen Grund gegen Gewährung derselben an die Hand zu geben — wie dieß der ehrs. Vorstand aus Preßburg sehr richtig in seinem veröffentlichten Antwort chreiben an den Pesther Vorstand angegeben, — wollte man schnell eine breite Basis für spätere einschneidende Reformen schaffen. — Mittel und Zweck sind nun ganz verschieden und haben ihre Rollen mit einander gewechselt. War früher die Reformwuth das Mittel und der Genuß bürgerlicher Rechte das Ziel, so ist es jetzt in gewissen Kreisen umgekehrt: der Genuß bürg. Rechte soll als Mittel, als Mauerbrecher gegen die Religion benützt werden. Doch was geschah. Die Emancipation ist von der Negierung und Majorität der Legislative für diese Saison von der Tagesordnung gestrichen worden; wie ein Mann erhob sich die gesammte Presse, die liberalere Linke des Reichstages benützte den Rückschritt der Regierung in dieser Beziehung als eine scharfe Waffe gegen dieselbe. — Mrt Wärme und Ueberzeugungsgluth wird allgemein für die baldmöglichste Emancipation der Israeliten gestritten; man will der Negierung resp. der Majorität nicht mehr den kurzen Zeitraum von nur wenigen Monaten zur Verschiebung gönnen, und auch nicht ein einziger Ruf wird laut, daß die Israeliten doch früher Aenderungen in ihren religiösen Vorschriften vornehmen sollten. Doch ich irre. Ein einziges Blatt läßt mit gar zimperlicher Verschämtheit den Wink fallen, es seien zu den einfachen Gesetzartikeln, die die Gleichberechtigung der Isr. aussprechen, auch noch der Passus hinzuzufügen, daß „das Ministerium die Vertreter der israel. Cultusgemeinden wegen Ordnung der confessionellen und Schulangelegenheiten zu einer Versammlung einberuse." Doch dieses Blatt, das einzige in dem großen Chorus der ung. politischen Blätter ist kein anderes, als der den leitenden Männern nahestehende, von ihnen geschaffene und inspirirte „Pesther Lloyd." Und nun zum Schluffe die allgemeinen Bemerkungen. — Die Judenheit in Ungarn hat in letzterer Zeit Triumphe gefeiert, schönere, edlere sind unfern Glaubensgenossen in keinem Staate der Welt bereitet worden. Daß die Magyären eine edle ritterliche Nation, hat sich uns gegenüber von neuem wieder glänzend bewährt. Mit dieser wohlwollenden Theilnahme, mit dieser klaren Auffassung unseres Rechtes und diesem männlichen Einstehen für dasselbe, mit dieser Einmüthigkeit, mit dieser Wärme ist die Sache der Juden noch in keinem Lande wie hier in den letzten Tagen öffentlich besprochen worden; kein einziger Mißton hat sich in diese so edle erhabene Harmonie störend bören lassen. — Dank dem Patriotismus, der pol. Reife, der Humanität des urg. Clerus hat eine Kirchenzcitung auch keinen handbreiten Boden. Nun denn: Verkürzen wir uns nicht gegenseitig die Wonnen dieses Triumphes, die doch noch bald '.-i rr.sna sich aus der Knospenblüthe der theoretischen Besprechung zu wirklichen, praktischen, greifbaren Erfolgen, segensverheißend heranreifen werden, die wie nun in den Spalten der pol. Tagesblätter, in den noch ehrenderen Blättern der Gesetzgebung Ausdruck finden werden; ehren wir in uns den ungarischen Bürger und somit die ungarische Nation, die die Autonomie als höchstes Palladium der Freiheit ehrt; steigern wir unsere Kraft auf jedem Gebiete; bei dem Zusam-