Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1867)
- Date
- 1867-07-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447321--05330-2460831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beilage zu Nr. 30 des Israelit. Leitender Artikel. Die biblischen Verheißungen in Bring ans die letzten Ziele des menschlichen Strebens. Von Julius Haas. (Fortsetzung.) II. Die Menschheit nach der Sündfluth. Die bis zur Sündfluth hin lebenden Generationen waren nicht ganz ohne Cultur; es wurden schon damals verschiedene Vortheile zur Anschaffung der Lebensbedürfniffe entdeckt. In den Zeiten des Lcmech wurden schon verschiedene kupferne und eiserne Geräthe polirt, Noa konnte schon ein drei Schichten hohes Schiff erbauen, welches, mit Menschen, Thieren und Proviant belastet, den stürmischen W»en widerstehen konnte. Lemech erzählte schon in Versen. Die Menschheit ward allmählich von den Lebensreizen derart hingeriffen, daß sie ihrer höheren Bestimmung gänzlich vergaß, OQN pan ö6om, irdischer Glanz war ihnen Alles, jeder strebte nach Reichthum, der Stärkere zwang den Schwächer« zum Gehorsam und die Obrigkeit, denn es doch eine geben mußte, wurde durch Bestechung oder durch Furcht an die Seite des Mächtigen gezogen. pco Diwn rw ntt’y o 'n nm’i, Gott bereuete es, daß er den Menschen auf Erden geschaffen habe, d. h. ein solches Menschengeschlecht konnte keinen dauernden Bestand in der göttlichen Schöpfung gewinnen, eine Fluth spülte diese ziellos lebende Generation hinweg. Das durch die Gnade der Vorsehung übriggebliebene Geschlecht lernte hieraus eine Gottheit kennen, die das menschliche Wirken beobachtet und daS Laster bestraft. Diese Lehre war für die künftigen Generationen von großem Nutzen; es war dieses ein Bund der Menschheit mit Gott, der allein den Bestand einer menschlichen Gesellschaft möglich machte. Die Idee von einer Gottheit ließ keine allgemeine Verderbtheit mehr zu. Der Regenbogen ward zu diesem Zwecke von Gott als Symbol eingesetzt. Gott gab Noa und seinen Nachkommen mehrere Gesetze, von denen eins war, das Blut der Thiere nicht zu genießen: dadurch ward gegen die Wildheit der Menschen vortheilhaft gewirkt, da der Genuß des Blutes bei Menschen wie bei Thieren Wildheit verursachet; ein anderes war, die Bestimmung der Todesstrafe auf Menschenmord. Diese heilsamen Gesetze, in Verbindung mit der durch die Erscheinung des Regenbogens sich stets erneuernden Erkenntniß des Daseins Gottes, bewirkten, daß an die Stelle der Roheit und der Raubgier allmählich Sanftmuth und Geselligkeit traten. Allein, wie aus der Bibel zu ersehen ist, blieb Noa's Herrschaft über seine Nachkommen, so wie der von ihm eingesührte Monotheismus nicht von langer Dauer. Nimrod war wahrscheinlich der. Veranlasser hiervon; denn Noa's Verfügung zufolge sollte der Semitische Stamm Herrscher, der Chananische aber Sclave sein. Dieser Verordnung entgegen, warf sich Nimrod, Abkömmling Chanaan's, zum Könige auf. Es war dieses eine Revolution gegen die eingeführte Ordnung , und da Noa's Verfügungen den Stempel der Gottheit an sich trugen, so fiel Nimrod auch vom Gotte Noa's ob; er führte den für das damalige Zeitalter viel faßlicher« Polytheismus ein; dieses Streben Nimrod's gipfelte sich in dem frevelhaften Unternehmen, den babylonischen Thurm zu bauen. Späterhin wagte es Abraham, das Panier des Monoideismus wieder zu erheben. Sein Vertrauen zu Gott war so groß, daß er ohne Anhang und ohne Stütze nicht anstand, einer von den Beherrschern der Welt verpönten Religion öffentlich zu huldigen, zu welchem Ende er Familie, Geburtsort und Vaterland verließ, um ungehindert seinem Gotte leben zu können. An Abraham erging die göttliche Verheißung, daß besten Nachkommen das Land Chanaan besitzen sollten; dieser an Jizchak und Jakob wiederholten Verheißung zufolge, beschwor der Patriarch Jakob seine Kinder, ihn in Chanaan zu beerdigen, und dessen Sohn, der Weiskste Egyptens, beschwor ebenfalls seine Brüder, bei ihrem Auszuge aus Egypten seine Gebeine mit nach Chanaan zu bringen, welches Moscheh, der Vollführer jener Verheißung, treulich erfüllte. (Fortsetzung folgt.) Die Vorgänge in Ungarn. (Schluß.) Die edle Frucht der Toleranz ist zur Reife gediehen, die Menschenrechte sind erkannt, können nicht verleugnet werden. Der sociale Gedanke der Zeit braucht alle Menschen; wer etwas denkt, thut und schafft in unserer Zeit, steht nicht mehr außerhalb der Combinationen des Staates, sondern ganz unabhän-